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Werden Sachsens Lehrer bald Beamte?

© Symbolfoto: dpa

Die Koalition prüft neue Angebote, um Sachsen jetzt genug Lehrer und später ausreichend Verwaltungsfachkräfte zu sichern.

Von Gunnar Saft

Das Ausmaß des drohenden Unheils ist seit Langem bekannt und einige Details davon sorgen schon heute fast jeden Tag für neuen Ärger: die Personalnot in Sachsens öffentlichem Dienst.

Bleibt dort alles wie gehabt, ist ab dem Jahr 2030 die Handlungsfähigkeit der sächsischen Verwaltung akut gefährdet, warnt eindringlich ein interner Prüfbericht, den die Landesregierung in Auftrag gegeben hatte. Tatsächlich werden bis zu dem Zeitpunkt fast zwei Drittel der heutigen Mitarbeiter in den Ruhestand treten – und adäquater Ersatz ist angesichts des anhaltenden Bevölkerungsschwunds nicht in Sicht. Im gleichen Zeitraum, so eine andere Prognose, wird die Einwohnerzahl des Freistaates um 240 000 Personen sinken. Eine ganze Großstadt, die einfach verschwindet.

Der Mangel hat Sachsens Ministerien und Landesbehörden zudem in einigen Bereichen längst erreicht. Allein im Schuldienst fehlen massenhaft Lehrer und bisher weiß niemand, wie man dieses Defizit zügig ausgleichen kann. Zumindest an einer Teillösung arbeiten nach SZ-Informationen nun allerdings die Regierungskoalitionäre von CDU und SPD, die nach der für sie verheerenden Bundestagswahl längst in den Krisenmodus umgeschaltet haben.

Der derzeit diskutierte Rettungsplan beschäftigt sich vor allem damit, bald auch in Sachsen Lehrern den Beamtenstatus anzubieten. Damit, so die Hoffnung, könnte man sich im harten bundesweiten Wettbewerb um die raren Fachkräfte besser durchsetzen und für sich als attraktiver Arbeitgeber werben. Der Haken: Im Gespräch sind bisher lediglich Verbeamtungen von Berufsanfängern beziehungsweise Lehrkräften, die neu in den sächsischen Schuldienst wechseln. Für die dort bereits unterrichtenden Kollegen werden im Gegenzug höhere finanzielle Anreize erwogen.

Ob man sich tatsächlich auf eine solche heikle Zweiteilung einlässt, muss nun auch die CDU-Landtagsfraktion prüfen, deren Mitglieder sich bis Freitag für eine Klausur ins thüringische Zeulenroda zurückgezogen haben. Im Gepäck eine brisante Umfrage über die Stimmung im Land und eben Streitthemen wie Lehrermangel, Polizeistruktur und die Planungen für den neuen Landeshaushalt. Der Koalitionspartner SPD macht jedenfalls seit Tagen mächtig Druck. Fraktionschef Dirk Panter sowie Wirtschaftsminister und Vize-Regierungschef Martin Dulig forderten die Christdemokraten öffentlich auf, für die Lösung der Probleme tiefer in die gut gefüllte Staatskasse zu greifen. Etwas, das bisher an CDU-Finanzminister Georg Unland scheiterte.

Mehr Steuergeld für lukrativere Jobs

Der Beamtenstatus lockt künftig aber nicht nur im sächsischen Klassenzimmer. Eine Aufstockung dieser Beschäftigungsverhältnisse, die für den Freistaat langfristig besonders durch die später folgenden Beamtenpensionen einen finanziellen Kraftakt darstellen, prüft zurzeit auch die Dresdner Staatskanzlei. Dort sucht eine eigens eingerichtete Stabstelle fieberhaft nach Modellen, mit denen man den Personalbedarf in den nächsten Jahren decken kann. Ein simpler Vergleich macht die Schwierigkeiten deutlich: Künftig treten in Sachsen jedes Jahr 60 000 Menschen ihren Ruhestand an, während gleichzeitig nur etwa 30 000 junge Leute ins Berufsleben starten. Und die haben dann die Auswahl.

Schon heute befürchtet die Staatsregierung, dass sich dann viele nicht mehr für den öffentlichen Dienst entscheiden, da die Wirtschaft bessere Angebote macht. Deshalb will man viele Staats-Jobs – besonders im sogenannten mittleren Dienst – attraktiver machen: Ebenfalls mit dem Beamtenstatus, den es heute für viele Angestellte noch nicht gibt. Intern wird diese Variante bereits als Ziel bestätigt, offiziell hält man sich vorerst zurück. Die Staatskanzlei verweist bei Anfragen nur darauf, dass sich entsprechende Konzeptionen der Stabsstelle „noch in der Abstimmung befinden“.

Aktuell gibt es in Sachsen etwa 27 000 aktive Landesbeamte, die vor allem bei Polizei, Justiz und den Steuerbehörden arbeiten. Nimmt diese Zahl zu, steigen später auch die Kosten für den Freistaat. Schwarz-Rot steht nun vor der brisanten Entscheidung, ob und wo sich der Aufwand lohnt.