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Verblüffende Wandlung eines Reichsbürgers

Ein 58-jähriger Mann steht wegen Betrugs vor Gericht. Dafür muss der frühere Harthaer extra aus Ungarn anreisen.

© André Braun

Von Helene Krause

Döbeln. Der 58-Jährige, der sich am Mittwoch wegen Betrugs vor dem Amtsgericht Döbeln verantworten musste, hätte wohl vor ein paar Jahren noch das Gericht gar nicht anerkannt. Als Reichsbürger machte er in Hartha auf sich aufmerksam, trat 2015 sogar als Bürgermeisterkandidat auf. In diese Zeit fällt auch der Fall, der ihn jetzt vor Gericht brachte.

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Am 9. Februar 2015 soll der Angeklagte, der einen Kleinverlag betreibt, dem Unternehmen Best Price Printing unter Pseudonym den Auftrag erteilt haben, 1 750 Exemplare des Buches „Das Beiderwandkleid“ der deutsch-jüdischen Schriftstellerin Waltraut Lewin zu drucken. Die Druckkosten beliefen sich auf 11 641,60 Euro. Davon sollte er 50 Prozent bis 14 Tage nach Erhalt der Bücher zahlen. Die restliche Summe war 50 Tage später fällig. Er zahlte nur 300 Euro. Die Restsumme blieb er der Druckerei schuldig. Die erstattete Anzeige.

Wider Erwarten hat der 58-Jährige keine Probleme damit, sich dafür verantworten zu müssen. Er gesteht. Inzwischen lebt der Mann in Ungarn und betreibt wieder einen kleinen Verlag. Einige Exemplare der von ihm verlegten Drucksachen hat er dem Gericht sogar mitgebracht. „Waltraud Lewin ist eine bekannte Schriftstellerin“, sagt er. „Ich dachte, dass ich die Bücher schnell verkaufen kann und vom Erlös die Druckkosten bezahle.“ Doch damit hatte er sich gründlich verspekuliert. Als er die Bücher auf der Leipziger Buchmesse ausstellte, kam die Polizei. Die beschlagnahmte und vernichtete alle Exemplare. „Ich wollte mit der Druckerei eine Ratenzahlung vereinbaren und monatlich 50 Euro zahlen“, schildert der Beschuldigte weiter. Doch darauf ließ sich das Unternehmen nicht ein.

Richter Janko Ehrlich verurteilt den Angeklagten zu einer Geldstrafe in Höhe von 900 Euro (60 Tagessätze zu 15 Euro). Außerdem wird vom Gericht der Wertersatz in Höhe der Schadenssumme eingezogen. Gleiches hatte auch die Staatsanwaltschaft gefordert. Das Urteil ist rechtskräftig, der Angeklagte akzeptierte es auch – eine ungewohnte Wandlung eines Reichsbürgers. Dass er der Szene zuzuordnen ist, wusste das Gericht nicht. So gab es keine der ansonsten bei solchen Prozessen üblichen Sicherheitsvorkehrungen. (mit eg)