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Dresden

Verbotene Pilze auf herrenlosem Grill

Warum sich das Landgericht schon zum zweiten Mal mit den Folgen eines Feueralarms in der Dresdner Neustadt befasst. 

© Symbolfoto: dpa

Der 29-jährige Tellerwäscher aus Algerien hatte bis zuletzt seine Unschuld beteuert. Doch auch im erneuten Prozess um seinen Fall vor dem Landgericht Dresden war nun eine andere Strafkammer von den Beweisen, die gegen B. sprachen, überzeugt. Wegen Handels mit Drogen und Fahrens ohne Führerschein wurde der Angeklagte zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt. Die Strafhöhe sei nach Angaben des Gerichts vor allem deshalb eineinhalb Jahre geringer ausgefallen als im ersten Urteil im Juni 2018, weil B.s Vorstrafen inzwischen so lange zurückliegen, dass er heute als „nicht vorbestraft“ gelte.

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Miloud B. war mit seinem genetischen Fingerabdruck ins Visier eines kuriosen Kriminalfalls in der Dresdner Neustadt geraten. Bewohner eines Hauses in der Bautzner Straße hatten im Oktober 2017 abends die Feuerwehr alarmiert, weil es ihrem Haus verqualmt gerochen hatte. Die Rettungskräfte folgten dem Brandgeruch und öffneten gewaltsam eine Wohnung im ersten Geschoss. Dort stand ein herrenloser Holzkohlegrill glimmend am offenen Fenster, der zum trocknen halluzinogener Pilze eingesetzt worden war. Nach Lage der Dinge hatte sich ein Verdächtiger offenbar abgesetzt, als er die Feuerwehr hörte.

Zu löschen gab es zwar nichts, zu ermitteln aber jede Menge. Polizeibeamte fanden bei der Suche nach Kontaktdaten des Wohnungsinhabers zwei Taschen, die randvoll mit Drogen waren. Auch in der Schrankwand des Zimmers waren weitere Pilze zum Trocknen ausgebreitet worden. Insgesamt wurden am nächsten Morgen mehr als fünf Kilo Haschisch, 250 Gramm Kokain und 180 Gramm Pilze sichergestellt – und die DNA des Angeklagten.

Im ersten Prozess im Juni 2018 war B. zu fünf Jahren und sieben Monaten verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte des Urteil jedoch aufgehoben und zur erneuten Verhandlung ans Landgericht zurückverwiesen. Im Frühjahr wurde B. aus der Untersuchungshaft entlassen, im Juli begann sein zweiter Prozess.

Verteidiger Karsten Brunzel hatte auch in diesem Verfahren darauf plädiert, seinen Mandanten freizusprechen. Nun wird sich wohl auch der BGH ein zweites Mal mit den herrenlosen Pilzen aus der Bautzner Straße befassen müssen.