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Verdi kritisiert Ausschreibungen beim Rettungsdienst

Die Gewerkschaft spricht von „Preisdumping zu Lasten der Bevölkerung“. Dass in Meißen Rettungspersonal fehlt, wundert sie nicht.

© Symbolfoto/dpa

Von Dominique Bielmeier

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Landkreis. In der Debatte um den Meißner Rettungsdienst meldet sich nun auch die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi zu Wort – mit harten Vorwürfen. „Es ist nicht vermittelbar, dass der Rettungsdienst, der für die Bevölkerung so wichtig ist, ausgeschrieben wird und der Preis dabei mit die größte Rolle spielt“, sagt Bernd Becker, Fachbereichsleiter für das Gesundheitswesen im Landesbezirk Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in einer Pressemitteilung vom Montag. „Der größte Kostenblock ist nun mal das Personal – und damit wird dort zuerst und somit an der falschen Stelle gespart“.

Die Zahl der Mitbewerber zur Übernahme von Rettungsdienstleistungen sei überschaubar, die Ausschreibungsmodalitäten unterlägen einem europaweiten Vergabeverfahren. Dies führe zu einem Wettbewerb, der im Falle des Rettungsdienstes Preisdumping zu Lasten der Bevölkerung und nicht zuletzt auch zu Lasten der Beschäftigten nach sich ziehe, so Verdi.

Die Gewerkschaft versuche seit Jahren, die Einkommens- und Arbeitsbedingungen der Beschäftigten im Rettungsdienst Meißen zu verbessern. „Das DRK lehnte bisher Tarifverhandlungen ab“, heißt es in der Pressemitteilung. In den Kreisverbänden Bautzen, Döbeln-Hainichen und Chemnitz seien die Einkommen im vergangenen Jahr dagegen in Stufen an die bundesweit üblichen Einkommen angepasst worden.

„Dass es in Meißen kein Personal mehr gab, wundert mich nicht“, so Bernd Becker. „Die Leute entscheiden im Ernstfall „mit den Füßen“ – und bei bis zu 500 Euro Einkommensunterschied kann man das verstehen.“ Auch der Landkreis und die Politik tragen laut Verdi eine hohe Mitverantwortung. „Wir fordern die Politik und die Arbeitgeber zum Umdenken auf. Sonst wird Meißen kein Einzelfall bleiben.“

In einer Sondersitzung hatten die Kreisräte am vergangenen Donnerstag abgestimmt, die Verträge für den Rettungsdienst in Meißen und Radebeul schon ab Februar neu zu vergeben. Dort sollen zunächst bis Ende 2018 die Malteser beziehungsweise Johanniter übernehmen.

Zuvor hatte das DRK dem Landkreis schon im Oktober Probleme bei der Sicherung des Rettungsdienstes mitgeteilt und erklärt, mehr Geld zu benötigen. Verhandlungen darüber sind jedoch gescheitert. Seit Oktober blieben Krankenwagen oder Krankentransporte regelmäßig aus Personalmangel einfach auf dem Hof stehen. Auch am vergangenen Wochenende kam es nach SZ-Informationen wieder zu solchen Fällen.