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Verein will Kinobetrieb unbedingt erhalten

Mehr als 90 Kinder nutzen das Ferienangebot in Rietschen. Dabei bleibt die Zukunft des Kinos vage.

© Christian Köhler

Von Christian Köhler

Am Dienstagvormittag dringt lautes Gewusel aus dem Rietschener Kinosaal. Mehr als 90 Kinder haben sich in der schulfreien Zeit zum neuen Animationsfilm „Bigfoot Junior“ leckeres Popcorn schmecken lassen und das Flimmern auf der Leinwand verfolgt. Die Kids halten dabei nicht nur die Horterzieher auf Trab, sondern auch die vielen Ehrenamtlichen, die den Kinobetrieb an diesem Morgen in Rietschen absichern. Immerhin muss neben Einlass und Filmvorführung auch die Theke besetzt sein, denn der Andrang und die Nachfrage nach Snacks und Getränken ist gewaltig.

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„Wir sind gleich mit 49 Kindern angereist“, erzählt Hortleiterin Elke Klein von der Kita Bergpiraten in Bad Muskau. Und viele der Kinder aus der Parkstadt sind das erste Mal im Rietschener Kino. „Wir fahren sonst mit meinen Eltern immer nach Spremberg“, sagt die zehnjährige Lea Marie. Genauso ist es auch beim achtjährigen Felix aus Bad Muskau: „Wir fahren so drei bis viermal im Jahr ins Kino. Aber hier war ich noch nicht.“ Sie wollen künftig ihren Eltern vorschlagen, auch einmal nach Rietschen zu fahren. „Das Kino ist nämlich auch cool“, sagt die neunjährige Lina.

Denn zwischen Weißwasser und Görlitz ist Rietschen weit und breit die einzige Gemeinde, die noch über ein Kino verfügt. „Für uns ist es sehr schwierig, überhaupt hier her zu kommen“, sagt Elke Klein. Immerhin sei der Busverkehr auf die Schulzeiten abgestimmt, weshalb es in den Ferien äußerst schwierig ist, von Bad Muskau nach Weißwasser zu gelangen. Aber Diana Mehmel, sie ist Mitglied des Kinovereins und Mitarbeiterin beim Schlupfwinkel, habe den Bad Muskauern das Ferienangebot schmackhaft gemacht. „Wir haben als Verein überlegt, was wir für Kinder in den Ferien anbieten können“, beschreibt sie. Und mit „Bigfoot Junior“ hat der Verein offenbar bei den Kindern genau ins Schwarze getroffen. Kids aus Kreba-Neudorf, der Kita Rietschen und Daubitz sind nämlich am Dienstag auch zum Film gekommen.

Das Ferienangebot des Kinos, welches der Verein seit Anfang des Jahres in Eigenregie und ehrenamtlich betreibt, wird immer besser angenommen, wie Reinhard Schmidt vom Verein feststellt. „Es war die richtige Entscheidung, mehr auf Familienveranstaltungen zu setzen“, sagt er. Schließlich wisse man als Kinobetreiber nie, wie viele Zuschauer sich für einen klassischen Kinofilm begeistern und tatsächlich den Weg ins Kino finden. „Bei solchen Sonderveranstaltungen dagegen lässt sich alles gut kalkulieren“, sagt er.

Allerdings erfordert die Aufrechterhaltung des täglichen Kinobetriebes großen Einsatz und Aufwand für die Vereinsmitglieder. „Die meisten helfen hier neben ihrer eigentlichen Arbeit ehrenamtlich mit“, erklärt Diana Mehmel. Zu jeder Filmvorführung müssen mehrere Vereinsmitglieder vor Ort sein. „Wir sind vier Leute, die die Filme vorführen können“, berichtet Filmvorführer Steve Kostrzewa, „und wir wechseln uns dabei immer ab.“ Allerdings sei es nicht nur damit getan, die Filme zu zeigen. „Es müssen die Streifen bestellt werden, die Versorgung muss sichergestellt und allerlei organisiert sein“, erläutert Steve Kostrzewa.

Dabei eint den gesamten Kino-Verein in der gut 2 600-Seelengemeinde ein Ziel: „Uns ist es wichtig, dass die Kultur und das Kino in Rietschen erhalten bleiben“, sagt Diana Mehmel. Wenn so eine Einrichtung einmal geschlossen werden würde, sei es nicht einfach, sie wieder mit neuem Leben zu erfüllen. Das Problem: Das Kino selbst bedarf dringend einer Sanierung. Das Gebäude selbst, das führte jüngst Bauingenieur Armin Ussath während einer Gemeinderatssitzung aus, sei an die 100 Jahre alt. Entsprechend groß ist der Sanierungsstau in Sachen Elektrik, Heizung oder Wärmedämmung. Gut 1,1 Millionen Euro Kosten hatte Planer Ussath für die Sanierung veranschlagt. Das war allerdings dem Gemeinderat eindeutig zu teuer. Der Krauschwitzer Planer sollte nachbessern und Kosten einsparen. Ein neuer Entwurf – in der Zwischenzeit sind während der Ausschusssitzung neue Ideen einer Raumverkleinerung ins Rennen gebracht worden – soll am kommenden Montag während der Gemeinderatssitzung vorgestellt werden.

„Wir hoffen, dass die Bauzeit so kurz wie möglich ist“, sagt Reinhard Schmidt vom Verein. Insgesamt habe der Verein auch noch nicht die Hoffnung begraben, dass die kommunale Dienstleistungsgesellschaft ArTour den Verein unterstützt. Auch dies müsste der Gemeinderat beschließen.