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Verein will klares Programm für die Synagoge

Grundsätzlich herrscht zum Konzept endlich Einigkeit zwischen der Stadt Görlitz und dem Verein: Trotzdem gibt es noch Streitpunkte.

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© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Daniela Pfeiffer

Die Zeiten der fundamentalen Gegensätze sind vorbei. Jahrelang haben Stadt und Synagogenverein ihre eigenen Vorstellungen dazu gehabt, was mit der ehemaligen Synagoge passieren soll, wenn sie denn einmal fertig saniert ist. Dieser Tag rückt näher. 2018 gehen die meisten Bauarbeiten zu Ende, spätestens 2019 soll die Synagoge nach zehnjähriger Restaurierung in Betrieb gehen.

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Wie, das steht inzwischen fest: als Kulturforum Görlitzer Synagoge. Ein Veranstaltungshaus soll es sein, mit Lesungen, Vorträgen, Tagungen, Konzerten, Workshops, Diskussionsrunden. Dem Charakter der Synagoge angemessen. Das besagt das Konzept, über das eigentlich der Stadtrat am Donnerstag hätte befinden sollen. Doch weil nun noch eine Tagung abgewartet werden soll, die sich am 15. September mit der künftigen Betreibung der Synagoge befasst, wurde der Beschluss von der Tagesordnung genommen und verschoben.

Markus Bauer vom Synagogenverein ist darüber froh, denn er hätte gern alles noch konkreter. Einen Flyer, auf dem das Kernprogramm festgehalten ist, wünscht er sich. „Der Programmauftrag sollte ganz klar formuliert sein. Dass der Städtische Kulturservice als künftiger Betreiber einen solchen nicht bekommen soll, finden wir falsch.“ Aber nicht nur möchte Bauer das Programm konkret benannt, sondern auch finanziell unterstützt wissen. Etwa durch einen Etat, der in der städtischen Kulturförderung angesiedelt ist. Bürgermeister Michael Wieler fände das der Sache nach auch sehr schön, wie er sagt. Aber die Diskussion über die Finanzierung freiwilliger Aufgaben in der Stadt sei ja bekannt.

Und es gibt weitere Knackpunkte, die bei der Tagung auf den Tisch kommen sollen. Eingeladen sind hochrangige Gäste. So wird etwa Uri Robert Kaufmann berichten, wie die Alte Synagoge in Essen wieder zu einem Haus jüdischer Kultur wurde. Bente Kahan aus Breslau möchte erzählen, wie in Breslau jüdische Geschichte zurückerobert wird. Chana Schütz von der Stiftung Neue Synagoge in Berlin erklärt, wie Synagoge und Museum unter einem Dach zu vereinbaren sind. Auch das ist in Görlitz noch ein Streitpunkt. Die Stadt möchte in der gesamten Synagoge Exponate zeigen, vor allem zur Geschichte des Hauses selbst. Ausgenommen davon wird lediglich die Wochentagssynagoge sein – jener Raum hinter dem Kuppelsaal, der ein Ort der Stille und des Gebets sein soll und wo nach Bedarf jüdische Gottesdienste abgehalten werden. Hierin besteht inzwischen Einigkeit zwischen Stadt, Verein und Jüdischer Gemeinde Dresden. Sie wird die Gottesdienste abhalten, da Görlitz keine eigene jüdische Gemeinde mehr hat. Dass das nun feststeht, freue den Verein sehr, so Bauer.

Was ihn weniger freut: Der Verein hätte gern Platz für wechselnde Ausstellungen in der Synagoge. Bauer schweben da die beiden Räume auf halber Treppe zur Empore vor. „Ausstellungen holen auch die Menschen erneut in das Haus, die schon einmal da waren.“ Zudem würden dem Verein schon jetzt sehr viele passende Ausstellungen angeboten. „Das ist im Konzept bis jetzt noch nicht festgehalten, die Stadt möchte gern alle Räume für die kommerzielle Nutzung freihalten“, sagt Bauer.

Die Stadt will das Haus in der Otto-Müller-Straße natürlich effektiv betreiben. Kostendeckend wird das wohl nicht möglich sein, deshalb steht im städtischen Haushalt schon ein Betriebskostenzuschuss in Höhe von 85 000 Euro. Markus Bauer glaubt, dass die Synagoge gar nicht so oft bespielt werden müsse, wie die Stadt sich das vorstellt. Wenn etwa im Winter weniger Veranstaltungen stattfänden, könnten Heizkosten gespart werden. Weiterhin könne er sich nicht vorstellen, dass externe Veranstalter alle die Tagesmiete von 500 Euro werden zahlen können und schlägt stattdessen eine Abendmiete vor, die sich an dem jetzigen Betrag von 50 Euro pro Stunde orientieren solle. Abgesehen davon könne der Verein sicher für bestimmte Veranstaltungen Fördermittel akquirieren und sei gern bereit, das zu tun. Überhaupt bestehe trotz der letzten Knackpunkte grundsätzlich Konsens zum Konzept, betont er. „Auf dieser Grundlage sind wir zur Zusammenarbeit gern bereit.“