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Verflixte Kurve neun – ein Schwabe war’s

Die Schlüsselstelle im Eiskanal baute ein Deutscher bewusst ein. Die Bobfrauen kamen gut durch sein gemeines Meisterwerk.

Von Thomas Weitekamp

Vater, Mutter und Kinder

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Der Mann, der Felix Lochs Goldmedaille auf dem Gewissen hat, hebt entschuldigend die Hände. „Das ging mir sehr zu Herzen, es tat mir in der Seele weh“, sagt Uwe Deyle und fährt mit einem verschmitzten Lächeln fort: „Aber für den Sport war es eigentlich gut. Wir wollen die Athleten doch auch fordern.“

Fährt er noch oder stürzt er gleich? Die Oberbärenburger Pilotin Stephanie Schneider und Annika Drazek halten den Bob in der Spur – wie zuvor auch in der verflixten Kurve neun. Foto: dpa/Michael Sohn
Fährt er noch oder stürzt er gleich? Die Oberbärenburger Pilotin Stephanie Schneider und Annika Drazek halten den Bob in der Spur – wie zuvor auch in der verflixten Kurve neun. Foto: dpa/Michael Sohn © dpa

Wenn im Eiskanal von Pyeongchang etwas schiefgeht, kennt der 57-Jährige den Grund ziemlich genau. Uwe Deyle ist Architekt, Streckenarchitekt, das Alpensia Sliding Centre entstammt seiner Feder. Auch die Kurve neun, diesen verflixten Knick, hat Deyle sich ausgedacht. Als Rodler Felix Loch hier zu Beginn der Spiele die fast sichere Goldmedaille vergab, saß Deyle vor dem Fernseher und fühlte mit dem gefallenen Olympiasieger. „Aber es war auch eine Bestätigung, dass diese Aufgabe tatsächlich knifflig ist“, sagt er.

Für die Bob-Wettbewerbe ist Deyle für einige Tage aus der schwäbischen Heimat nach Pyeongchang gereist, und er konnte leider auch Olympiasieger Francesco Friedrich und Co. nur ein wenig Hoffnung machen. „Der Bob hat natürlich viel mehr Masse, der bügelt das ein bisschen besser aus als ein Rodelschlitten, es geht weniger Geschwindigkeit verloren“, sagt Deyle. Aber insgesamt seien die Kurve neun und die folgenden Meter eben „eine bewusste Schwierigkeit, die an der Grenze dessen ist, was man bringen darf.“ Und mit der haben alle Schlitten Probleme, große wie kleine. Bob-Bundestrainer René Spies nennt die Kurve neun ehrfürchtig den „Scharfrichter“ der Bahn.

Und wie erklärt der Architekt sein gemeines Meisterwerk, das für den Laien so unscheinbar aussieht? Die Schwierigkeit liege darin, „dass die Kurve einen geringen Radius hat, dadurch bekommt der Pilot wenig Druck auf die Kufen“, und genau diesen brauche er, um zu lenken: „Und der eigentliche Druckpunkt ist dann nur 90 Zentimeter lang. Bei 36 Metern in der Sekunde können Sie sich ausrechnen, wie viel Zeit die Piloten für ihre Lenkbewegung haben.“

Eine ganz kleine Muskelbewegung „im falschen Augenblick kann da ganz viel an Hoffnung zerstören“, sagt Deyle mit echtem Bedauern. Felix Loch ist der Beweis. Den deutschen Bobs wünschte er „super Läufe“, sagt der Architekt. „Sie müssen es viermal treffen. Wer am Ende die Medaille hat, der hat sie sich auch verdient.“

Die haben die deutschen Bob-Frauen vor Augen. Die Oberhoferin Mariama Jamanka führt mit Anschieberin Lisa Buckwitz zur Halbzeit, die Oberbärenburgerin Stephanie Schneider und Annika Drazek sind Dritte.

Drazek, die wohl weltbeste Anschieberin, ist allerdings gehandicapt. Sie „knickte vor sechs Tagen bei Hürdensprüngen um“, sagte Bundestrainer Rene Spies. „Wir hatten schon Angst, dass sie nicht starten kann.“ Nicht nur die Kurve neun macht Probleme. (sid)