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Pflegezusatzversicherung – Vorsorgen für den eigenen Pflegefall


pflegezusatzversicherung testEnde des Jahres 2017 zählte Deutschland unter seinen Einwohnern fast dreieinhalb Millionen Pflegebedürftige. Die Einführung eines neuen, umfangreicheren Pflegebedürftigkeitsbegriffs und der demografische Wandel sorgen seit einigen Jahren für eine stetige Zunahme. Immer weniger junge Menschen finanzieren ein immer älter werdendes Land. Ohne private Altersvorsorge lässt sich der eigene Lebensabend kaum ausreichend finanzieren. Das Problem schieben viele vor sich her, gerade wenn es um das unbeliebte Thema der eigenen Pflegebedürftigkeit geht. Fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist oft nicht vermeidbar. Dabei ist eine rechtzeitige Vorsorge in einigen Fällen sogar notwendig, um Ehepartner und Kinder vorm finanziellen Ruin zu bewahren.

Die Sozialleistungsträger (Renten-, Kranken-, und Pflegeversicherung) sichern ein Minimum der Pflegeleistungen ab. Die tatsächlichen Kosten gehen aber ein Vielfaches darüber hinaus. Eine gute private Pflegezusatzversicherung ist der Lage, diese Pflegelücke zu 100 Prozent zu schließen. Der Markt ist allerdings unübersichtlich. Es existieren verschiedenste Formen von Pflege-Policen. Interessenten ist ans Herz zu legen, sich vor dem Pflegeversicherung-Vergleich mit den Grundlagen des Versicherungszweiges und dessen Risiken vertraut zu machen. Die Antwort, ob eine Pflegezusatzversicherung sinnvoll ist, gibt zudem die eigene Vermögenssituation.

Welche Pflegekosten entstehen im Alter?

Die Durchschnittskosten eines Pflegeheimplatzes, der ambulanten Pflege oder auch der Laienpflege (durch Freunde und Familie) gehen weit über das hinaus, was die gesetzliche Pflegeversicherung durch ihre Leistungen stemmen kann. Gleiches gilt für die private Pflegeversicherung. In der Tabelle sind die Durchschnittskosten einiger Posten für die Alterspflege dargestellt:

Beispielposition Preis
Vollstationäre Unterbringung im Pflegeheim 2.800 – 4.300 € pro Monat
Ambulante Pflege 500 – 3.000 € pro Monat
Kurzzeit (Tagespflege) 70 – 170 € pro Tag
Treppenlift (einfache gerade Treppe über 1 Stockwerk) 2.000-6.000 €
Treppenlift (geschwungen über 1 Etage) 5.000 – 12.000 €
Badewannenlift 400 – 900 €
Sitzbadewanne 1.250 – 3.500 €
Barrierefreie Dusche 4.500 – 6.000 €
komplette Badsanierung 7.000 – 10.000 €
Einfache Rollstuhlrampe für Schwellen 80 – 120 €

Was zahlt die Pflegeversicherung? (gesetzliche/private Pflichtversicherung)

pflegezusatzversicherung vergleichIn Deutschland ist jeder gesetzlich verpflichtet, für den eigenen Pflegefall vorzusorgen. Deshalb gibt für sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer die gesetzliche Pflegeversicherung und für Privatversicherte die Pflegepflichtversicherung. Üblicherweise zahlen Erstere in 2019 über ihre gesetzlichen Krankenkassen 3,05 Prozent vom versicherungspflichtigen Einkommen als Beitrag zur Pflegeversicherung. Der Anteil zur Pflegeversicherung für Kinderlose beträgt 3,3 %. Im Vergleich dazu variiert bei Kunden der Privatkrankenkasse und -pflegeversicherung der Beitragssatz. Er richtet sich nach Alter und Gesundheit bei Vertragsschluss.

Über diese Beiträge ist nur eine Mindestversorgung für die eigene Pflegebedürftigkeit gewährleistet. Zwar sind die Zuschüsse der Pflegekasse ab 01.01.2017 für die vollstationäre Pflege leicht erhöht worden. Dennoch sind nur ein bis maximal zwei Drittel der tatsächlich anfallenden Kosten durch die Leistungen der Pflegeversicherung gedeckt. Die folgenden Tabellen verdeutlichen, in welcher Höhe die gesetzliche Pflegeversicherung einen Beitrag zur Kostendeckung leistet:

Pflegebedürftige, die daheim von Angehörigen gepflegt werden, erhalten vom Pflegeversicherung-Träger ein monatlich wiederkehrendes Pflegegeld, dessen Höhe sich nach dem Pflegegrad richtet. Allerdings gilt dies erst ab Pflegegrad 2.

Monatliches Pflegegeld für die private häusliche Pflege
Pflegegrad 1 0 €
Pflegegrad 2 316 €
Pflegegrad 3 545 €
Pflegegrad 4 728 €
Pflegegrad 5 901 €

Lässt der Pflegebedürftige sich durch einen ambulanten, professionellen Pflegedienst zuhause pflegen, sieht die Pflegeversicherung Leistungen zur Vergütung des Dienstleisters vor. Diese sogenannten Pflegesachleistungen richten sich ebenfalls nach dem Pflegegrad.

Leistungen der Pflegeversicherung für professionelle ambulante Pflege, Tages- und Nachtpflege
Pflegegrad 1 0 € (nur 125 € Entlastungsbetrag)
Pflegegrad 2 689 €
Pflegegrad 3 1.298 €
Pflegegrad 4 1.612 €
Pflegegrad 5 1995 €

Für die vollstationäre Pflege (Unterbringung in einem Alten- oder Pflegeheim) erbringt die gesetzliche Pflegeversicherung folgende Leistungen.

Leistungen für die vollstationäre Pflege
Pflegegrad 1 125 €
Pflegegrad 2 770 €
Pflegegrad 3 1.262 €
Pflegegrad 4 1.775 €
Pflegegrad 5 2.005 €

Ab Pflegegrad 1 leistet der Sozialversicherungsträger für jeden Pflegegrad folgende Beträge:

Zusätzliche Leistungen der Pflegekasse
Zuschüsse zum Hausnotruf 10,49 € einmalige Installationskosten, 23 € monatliche Betriebskosten
Zuschüsse zu Verbrauchspflegemitteln (z. B. Einweghandschuhe, Desinfektion) 40 € monatlich
Zuschüsse zur Wohnraumanpassung bis zu 4000 € einmalig
Pflegekurse für Angehörige volle Bezahlung

Zusätzlich sind Förderungen für selbstorganisierte, ambulant betreute Wohngruppen möglich. Hilfsmittel, z. B. Rollstühle, Gehhilfen usw., sind bei Bedarf und medizinischer Notwendigkeit erstattungsfähig.

Ähnlich funktioniert die Pflegeversicherung für Privat-Versicherte. Der Beitrag zur Pflegeversicherung darf von Gesetzes wegen nicht über dem Höchstbeitrag der gesetzlichen Pflegepflichtversicherung (138 € pro Monat) liegen. Bei der privaten Pflegeversicherung für Beamte ist der Höchstbetrag aufgrund der Beihilfeleistungen des Staates noch niedriger (69,20 €). Die Leistungen im Pflegefall richten sich ebenfalls nach der Höhe des Pflegegrades und entsprechen denen der gesetzlichen Versicherer. Nur einige Spezialfälle sind gesondert zu behandeln, wie z. B. Mitglieder KVB Pflegeversicherung (für Bundesbahnbeamte).


Wie lässt sich der Pflegefall außerhalb einer Pflegezusatzversicherung finanzieren?

Es existieren weitere Möglichkeiten zur Finanzierung der eigenen Pflege. Je nach persönlicher Situation fallen diese Einnahmequellen unterschiedlich aus.

Rente:

Die durchschnittlichen Rentenbezüge der Deutschen in 2017 betrug im Westen 1.383 €. In den neuen Bundesländern bekamen die Rentner 1.313 €. Frauen bekommen in ganz Deutschland weniger Rente als Männer. In 2019 liegen die Beträge voraussichtlich ähnlich. Trotzdem ist schätzungsweise derzeit jeder 5. Rentnerhaushalt von Altersarmutsgefährdung betroffen (Rente unter 999 €). Diese Beträge genügen nicht zur Deckung der eigenen Pflegekosten, vor allem wenn eine Unterbringung im Pflegeheim notwendig ist.

Einkünfte und Ersparnisse:

Aktives oder passives Einkommen, wie zum Beispiel aus Vermietung oder Verpachtung sind beliebte Möglichkeiten zur Altersfinanzierung. Gleiches gilt für eigene Ersparnisse. Der eindeutige Vorteil gegenüber der Drittfinanzierung ist, dass sie frei zur Verfügung stehen. Unabhängig von der Pflegestufe oder vom Wirtschaftsverhalten eines Versicherers sind sie beliebig zur Altersvorsorge einsetzbar. Wenn keine Pflegebedürftigkeit eintritt, lassen sich davon anderweitige Wünsche erfüllen.

Lebensversicherung:

Die Risikolebensversicherung eignet sich nicht für die eigene Pflegevorsorge. Diese fungiert ausschließlich als Hinterbliebenenschutz. Sie leistet erst im Todesfall. Anders steht es um die Kapitallebensversicherungen. Leider garantieren die Unternehmen aktuell (Stand: 2019) aufgrund der Niedrigzinsphase kaum attraktive Zinsen auf das angesparte Kapital. Eingezahlte Beträge wachsen nur langsam zu einem höheren Kapital heran. Dadurch, dass über die Beiträge auch Vermittlungsgebühren und Verwaltungskosten zu begleichen sind, zahlt das Unternehmen teils weniger aus, als eingezahlt wurde. Nur sehr lange Laufzeiten (i. d. R. über 5 Jahre) sorgen für zusätzliche Kapitalbildung.

Unterhalt:

Reichen die Einkünfte aus Rente, Pflegepflichtversicherung und sonstigem Vermögen nicht, greifen die gesetzlichen Unterhaltspflichten. In erster Linie ist der eigene Ehegatte verpflichtet, die Pflegekosten zu übernehmen. Ist das nicht möglich, bittet der Gesetzgeber die Kinder zur Kasse. Das gilt unabhängig von der persönlichen Beziehung zwischen den Familienmitgliedern. Die Höhe richtet sich nach der finanziellen Leistungsfähigkeit. Grundlage der Berechnung bildet deren bereinigtes Nettoeinkommen. Dieses bezeichnet den Betrag, der nach dem Abzug gesetzlich bestimmter Posten übrigbleibt. Weggerechnet werden beispielsweise:

  • Berufsbedingte Aufwendungen
  • Eigener Mehrbedarf aufgrund von Krankheit
  • Kreditraten/laufende Verbindlichkeiten gegenüber Dritten
  • Aufwendungen für die eigene Altersvorsorge
  • Krankenversicherungsbeiträge (bei Privatversicherten)
  • Unterhaltspflichten gegenüber Dritten (z. B. den Ehepartnern/ eigenen Kindern)
Selbstbehalt abziehen

Bei erwerbstätigen Kindern ist vom Nettoeinkommen noch ein Selbstbehalt (Stand 2019: 1800 €) in Abzug zu bringen. Den Restbetrag haben Kinder von Gesetzes wegen an ihre Eltern zu leisten, wenn deren eigenes Vermögen nicht für die Pflegekosten ausreicht. Haben Ehepartner oder die eigenen Kinder allerdings ein geringes bis durchschnittliches Einkommen, das abzüglich Bereinigungsposten (Kredite!) und Selbstbehalt keine Differenz übriglässt, sind sie nicht zur Zahlung verpflichtet. Eigenimmobilien der Unterhaltspflichtigen sind zudem nicht in Gefahr. Sie sind nicht zur Finanzierung des Elternunterhalts zu verkaufen und verbleiben im Eigentum.


Sozialhilfe:

Sie hat oft einen bitteren Beigeschmack für Pflegebedürftige. Egal, ob sie das ganze Leben noch nie auf staatliche Leistungen angewiesen waren, und ohne Pflege von der Rente gut leben könnten: Sie geraten im Falle der Pflegebedürftigkeit plötzlich an finanzielle Grenzen. Die sogenannte „Hilfe zur Pflege“ zahlt das Sozialamt nur, wenn der Antragsteller keinerlei Möglichkeiten zur Selbstfinanzierung hat. Es prüft deshalb umfassend,

  • ob und inwieweit die Leistungen der Pflegepflichtversicherung ausreichen,
  • ob und inwieweit jegliches Eigenvermögen des Rentners ausreicht,
  • ob und inwieweit Verwandte (Kinder, Ehegatten) in der Lage sind, für die Pflegefinanzierung aufzukommen.

Dies führt also zum Aufbrauchen des gesamten Familienvermögens, bevor ein Anspruch auf Sozialhilfe besteht.


Welche Möglichkeiten einer Pflegezusatzversicherung gibt es?

pflegezusatzversicherung wechselnPflegezusatzversicherung ist ein Überbegriff für verschiedene Varianten der Pflegefinanzierung durch einen Versicherer. Da sich die Alternativen in ihren Leistungen unterscheiden, gibt es abhängig vom Versicherungstyp unterschiedliche Aspekte, auf die zu achten ist.

Pflegetagegeldversicherung

Kunden einer solchen Versicherung vereinbaren zu Vertragsbeginn mit dem privaten Unternehmen einen Betrag, der es später täglich an diese zahlt. Wie hoch das Pflegetagegeld tatsächlich ausfällt, hängt von zweierlei Faktoren ab:

  • vom gewählten Tarif
  • vom Pflegegrad

Grundsätzlich gilt: Je mehr der Kunde eingezahlt hat, desto höher sind die täglich ausgezahlten Beträge pro Pflegestufe. Wofür der Pflegebedürftige das Tagegeld tatsächlich ausgibt, ist ohne Belang. Eine Nachprüfung, ob er den Betrag für Pflegekosten verwendet, erfolgt nicht. Die Höhe richtet sich nach Tarif und Pflegegrad. Letzterer bestimmt sich bei den meisten Anbietern nach den Pflegegrad-Definitionen der Pflegepflichtversicherungen. Die Unternehmen zahlen zwar anteilige Tagegelder ab der ersten Pflegestufe, der volle Tagessatz wird häufig erst ab Pflegegrad 5 fällig. Bei anderen Pflegegraden erfolgt je nach Tarif meist eine anteilige Auszahlung. In dieser Abhängigkeit liegen die Tagegeldhöhen etwa zwischen 10 und 100 €.

Entscheidung bei Versorgungsart

Bei guten Tarifen ist ebenfalls nicht von Belang, für welche Versorgungsart sich der Bedürftige entscheidet. Sowohl ambulante (durch Pflegedienste oder Angehörige) als auch stationäre Pflege ist möglich. Eine Rückzahlung der Beiträge im Falle des Todes oder vorzeitiger Kündigung erfolgt nicht.


Pflegekostenversicherung

pflegezusatzversicherung kostenSie ist eine weitere Variante der Pflegezusatzversicherungen, wohl aber die mit dem meisten Verwaltungsaufwand. Zusätzlich zu den Leistungen der Pflichtversicherungen zahlt der Anbieter bis zu 100 Prozent der tatsächlich entstandenen Pflegekosten. Allerdings sind Versicherungsnehmer verpflichtet, jede einzelne Kostenposition durch Rechnungen nachzuweisen. Das stellt für Pflegebedürftige und Angehöriger eine erhebliche Mehrbelastung dar. Nur wenige Tarife gewähren die Auszahlung bis zu einer begrenzten Höhe ohne Kostennachweis.

Je nach vertraglicher Vereinbarung übernehmen die Versicherungen jeweils die ganze Rechnung oder nur einen prozentualen Anteil davon. Üblich ist die Festsetzung eines Höchstbetrages zu Vertragsbeginn, bis zu dem die Unternehmen die Aufstockungsleistungen erbringen. Das Geld ist nicht frei verfügbar. Geht ein Kostennachweis abhanden oder ist er nicht eindeutig der Pflege zuzuordnen, droht Streit um die Versicherungsleistung. Viele Unternehmen beschränken zudem die Geldleistung auf stationäre, professionelle Pflege. Sie orientieren sich am Leistungskatalog der gesetzlichen Pflichtversicherungen, der die Angehörigenpflege nicht erfasst. Zwar gibt es Tarife, die auch die Betreuung durch Angehörige oder Freunde finanzieren. Diese dürfen aber meist nur mit einem weitaus geringeren Anteil der Kostenübernahme rechnen. Hotelkosten sind regelmäßig von den Tarifen der Pflegekostenversicherungen ausgenommen. Das bedeutet, dass die Pflegeheimunterbringung (Miete!) und Verpflegungskosten eigenständig zu begleichen sind.


Pflegerentenversicherung

Diese Form der Pflegezusatzversicherung ist im Regelfall das teuerste Pflaster. Das liegt an der hohen Flexibilität, was Beitragsanpassungen und Kapitalleistungen angeht. Sie hat Ähnlichkeiten mit einer Lebensversicherung und basiert teilweise auf einer Kapitalanlage. Nur wenige Anbieter stellen diese Produkte zur Verfügung. Die Höhe der monatlich gezahlten Pflegerente hängt vom gewählten Tarif und vom Pflegegrad ab. Üblich sind prozentuale Staffelungen nach festgestellter Pflegestufe.

Beispiel (nicht allgemeingültig):

  • Pflegestufe 1 – 10 %
  • Pflegestufe 2 – 30 %
  • Pflegestufe 3 – 60 %
  • Pflegestufe 4 – 80 %
  • Pflegestufe 5 – 100 %

Welche Pflegeleistungen der Kunde in Anspruch nimmt, ist ohne Belang. Sowohl die Pflege durch Privatpersonen als auch durch Professionelle ist möglich. Der Versicherer zahlt die gleiche Rentenhöhe unabhängig von der Pflegeart. Die vereinbarte Minimal-Höhe ist lebenslang garantiert. Der Kunde ist in der Lage, durch die Einzahlung höherer Kapitalanteile den Rentenbetrag zu erhöhen. Zusätzlich sehen manche Versicherungen die Option einer Einmal-Kapitalleistung vor, beispielsweise ab erreichen eines bestimmten Pflegegrades. Dadurch sind z. B. eventuell erforderliche Baumaßnahmen für einen pflegegerechten Umbau im Haus finanzierbar.

Eintrittsalter des Kunden

Die Höhe des Versicherungsbeitrages bemisst sich nach dem Eintrittsalter des Kunden bei Vertragsschluss und der vereinbarten Rentenhöhe. In einigen Fällen treten Risikozuschläge hinzu. Anbieter einer Pflegerentenversicherung führen zum Teil sehr viel umfangreichere Gesundheitsprüfungen durch, als andere Zusatzversicherung. Bei Vorerkrankungen besteht deshalb ein hohes Risiko, höhere Beiträge zu zahlen oder sogar die Aufnahme verwehrt zu bekommen. Es gibt unterschiedlichste Gestaltungen dahingehend, wann die Pflicht zur Beitragszahlung endet: mit Feststellung der Pflegestufe, mit dem Erreichen eines bestimmten Alters oder erst mit dem Tod. Außerdem bieten einige Unternehmen eine Auszahlung einer Teilsumme an Angehörige, falls der Todesfall ohne vorherige Pflegebedürftigkeit oder nur nach Einordnung in Pflegestufe 1 eintritt.


Pflege – Bahr

Namensgeber für diese seit 2013 existente Form der Altersfürsorge war der ehemalige Gesundheitsminister Daniel Bahr. Ein Pflege– Bahr – Tarif ist freiwillig und staatlich gefördert. Anbieter von Policen mit dieser Bezeichnung sind trotzdem private Versicherer. Der minimale Jahresbeitrag beträgt 180 €. Von diesem (und auch von einem höheren Beitrag) übernimmt der Staat 60 €. Im Gegenzug hat sich der Versicherer an den gesetzlichen Rahmenbedingungen zu orientieren. Dazu gehören umfassende Restriktionen für die Unternehmen, u. a.:

  • Abschlusszwang (Versicherung darf keinen Antragsteller ablehnen, keine Gesundheitsprüfung)
  • Kündigungsverzicht (Versicherung darf Kunden nicht ordentlich kündigen)
  • Mindestbeträge (600 € monatlich bei Pflegegrad 5, 40 Prozent bei Pflegegrad 4, 30 Prozent bei Pflegegrad 3, 20 Prozent bei Pflegegrad 2, 10 Prozent bei Pflegegrad 1)
  • Maximalwartezeit (Versicherungsschutz darf nicht später als 5 Jahre nach Vertragsschluss beginnen)

Problematisch ist, dass viele Unternehmen das Risiko erkennen, hauptsächlich erheblich vorerkrankte Personen über diese Policen zu versichern. Die Beiträge beinhalten deshalb oft einen erheblichen Sicherheitszuschlag. Viele haben sich sogar komplett gegen das Angebot eines Pflege-Bahr-Tarifs entschieden. Unternehmen, die ihn 2019 noch im Programm führen sind zum Beispiel die Pflegezusatzversicherung der HUK-Coburg, sowie Tarife der DKV und R+V.


Worauf achten beim Pflegezusatzversicherung – Vergleich?

Die Kosten für eine zusätzliche private Pflegeversicherung sind im Vergleich zu den großen Summen, die bei hoher Pflegebedürftigkeit im Alter zu zahlen sind, marginal. Dennoch sind sie immer auch ein Spiel mit dem Risiko, denn ob, wann und mit welcher Intensität der Pflegefall eintritt, ist ungewiss. Beim Vergleich der Anbieter ist deshalb auf einige Punkte Rücksicht zu nehmen, um nicht unnötig hohe Kosten zu bezahlen.

  • Zeitpunkt des Abschlusses

Generalisieren lässt sich die Antwort auf die Frage nach dem „wann“ nicht. Die liegt u. a. daran, dass Pflegebedürftigkeit nicht zwangsläufig eine Frage des Alters ist. Bei Unfällen oder überraschenden schweren Erkrankungen tritt sie auch in jungen Jahren ein. Bei bereits eingetretener pflegebedürftig bleibt oft nur der Rückgriff auf die gesetzliche oder private Pflegepflichtversicherung. Eine nachträgliche Versicherung der Pflegebedürftigkeit ist nicht möglich.

Je höher das Eintrittsalter des Kunden ist, desto mehr hebt die Pflegezusatzversicherung ihre Kosten für die Monatsbeiträge. Laut Stiftung Warentest zahlt ein 45-jähriger durchschnittlich 56 € monatlich. Zehn Jahre später steigt der Durchschnittsbetrag auf 87 €. Einige Versicherer nehmen Personen ab gewissem Alter nicht mehr in ihre Verträge. Meist liegen die Grenzen zwischen 70 und 75 Jahren. Wer jedoch Verträge schon in sehr jungen Jahren abschließt, zahlt auf lange Sicht auch hohe Geldsummen sein. Außerdem ist weder absehbar, ob der Pflegefall überhaupt eintritt, noch wie hoch zukünftig die Pflegelücke überhaupt ist. Die Entscheidung über den Abschluss ist und bleibt ein Risikoentschluss.

  • Gesundheitsprüfung

Eine zusätzliche Pflegeversicherung ohne Gesundheitsprüfung ist auf dem Markt kaum zu finden. Die wenigen Anbieter kalkulieren das Risiko schwerer Vorerkrankungen automatisch in den Beitrag ein. Damit dessen Höhe konkurrenzfähig bleibt, sind oft Abstriche in Leistungsstärke und Service erforderlich. Bereits vorerkrankten Personen ist deshalb zu empfehlen, neben den allgemeinen Tarifen auch eine Pflege-Bahr-Police in die Überlegungen einzubeziehen. Trotz einiger Nachteile ist es möglich, dass die Beiträge geringer sind als bei einem Tarif ohne Gesundheitsfragen.

  • Wartezeit

Leistungsstarke Tarife sehen keine Warte- oder Karenzzeiten vor. Besonders bei überraschendem Eintritt der Pflegebedürftigkeit ist es fatal, wenn das Unternehmen erst nach 3-5 Jahren die vereinbarten Leistungen erbringt. Personen, die jung und gesund Verträge abschließen, verschmerzen möglicherweise eine Wartezeit. Im Falle des Abschlusses einer zusätzlichen Pflegeversicherung für Rentner ist von einem Tarif mit Wartezeit definitiv abzuraten.

  • Begriff der Pflegebedürftigkeit

Interessenten ist auch zu raten, auf die Bedingungen für den Leistungsfall zu achten. Einige Unternehmen versprechen die Leistung bei Eintritt der Pflegebedürftigkeit, verfolgen aber eine ganz eigene Definition dieses Begriffs. Bestenfalls orientiert sich die Leistungen an den Pflegegradbegriffen der gesetzlichen Pflegeversicherung. Dieser ist am ehesten nachvollziehbar und führt nicht zu Diskussionen. Es sind lediglich Unternehmen empfehlenswert, die ab dem ersten Pflegegrad bis zum fünften leisten.

  • Rückwirkender Leistungsanspruch

Bei Eintritt des Pflegefalls geht es manchmal drunter und drüber. Die Meldung und Antragstellung beim Versicherer verschieben sich manchmal zeitlich nach hinten. Gute Anbieter leisten rückwirkend die vereinbarten Beträge ab dem Zeitpunkt, an dem ein Arzt die Pflegebedürftigkeit feststellte.

  • Beitragsdynamik

Es empfiehlt sich ein Tarif, bei dem die versicherte Leistung bei Bedarf erweiterbar ist. Eine erneute Gesundheitsprüfung oder zusätzliche Wartezeiten dürfen dabei nicht anfallen.

  • Laienpflege

Wer später eine Pflege durch Angehörige gewünscht, achtet am besten auf Leistungsgleichheit bei der Laienpflege. Der Versicherer zahlt dann genauso viel, wie für eine professionelle Pflege. Eine Ausnahme hiervon sind die Pflegekostenversicherungen, da sie ohnehin nur die Rechnungen einer professionellen Pflege erstatten.

Klartext: Lohnt sich eine Pflegezusatzversicherung?

Dass die Kosten der Pflege im Alter in einigen Fällen immens hoch sind, ist indiskutabel. Wer nicht als Sozialfall enden oder seine Verwandtschaft mit Unterhaltszahlungen belasten möchte, ist gehalten, die Pflegelücke zu schließen. Ob dafür die zusätzliche Pflegeversicherung sinnvoll ist, richtet sich in erster Linie nach der eigenen finanziellen Situation. Die Zusatzpflegeversicherung eignet sich eher nicht für Personen, die nur ein sehr niedriges Einkommen beziehen. Wer nicht oder nur unter erheblichen Schwierigkeiten in der Lage ist, einen monatlichen Betrag zwischen 50 und 100 € zu zahlen, setzt sich zu großem Risiko aus. Zudem neigen Geringverdiener zur Auswahl der billigsten Police, die sich eventuell auf dem Bereich der Pflegezusatzversicherungen als Kostenfalle herausstellen.

Pflegeversorgungsalternativen

Gleiches gilt für Menschen mit sehr hohem Sparvermögen (100.000 EUR und mehr). Diese haben andere Möglichkeiten zur Pflegevorsorge. Über lohnenswerte Geldanlagen sind sie in der Lage, sich ein Zusatzkapital anzusparen, das im Pflegefall verwendbar ist. Die zusätzliche private Pflegeversicherung ist vor allem sinnvoll für Personen mit mittelhohe Gehaltsklassen im Alter zwischen 35 und 55 Jahren.


Fazit: Heute schon an übermorgen denken!

Wer denkt, er sei durch die gesetzliche oder private Pflegeversicherung durch deren Beitrag ausreichend abgesichert, liegt falsch. Es empfiehlt sich, sich möglichst frühzeitig Gedanken um die eigene Altersvorsorge und die eigene Pflegebedürftigkeit zu machen. Tritt der Fall ein, leistet sowohl die gesetzliche als auch die private Pflegeversicherung nur einen Bruchteil der tatsächlich anfallenden Kosten. Die Finanzierungslücken übersteigen zum Teil 2000 € im Monat und mehr.

Bevor die Wahl auf eine private Pflegezusatzversicherung fällt, ist eine Analyse der eigenen Vermögenssituation ratsam. Sie lohnt sich vor allem für Personen mittleren Alters mit durchschnittlichem bis überdurchschnittlichem Gehalt. Eine weit größere Rolle spielt aber der eigene Gesundheitszustand. Da eine Pflegezusatzversicherung ohne Gesundheitsprüfung kaum unter den Marktangeboten ist, greifen gesundheitlich vorbelastete am besten auf die staatlich gestützten Pflege-Bahr-Policen zurück. Angesichts der langen Wartezeiten gilt aber auch bei dieser Zusatzversicherung: Besser zu früh, als zu spät abschließen!

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