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Verhagelte Erdbeeren

Die jüngsten Unwetter haben bei den Landwirten in Löbau-Zittau große Schäden verursacht – betroffen sind nicht nur die roten Früchte.

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© Rafael Sampedro

Von Jan Lange

Löbau/Zittau. Immer wieder bilden sich Schlangen vor dem Stand der Firma Möse. Dutzende Paletten voller Erdbeeren stapeln übereinander. Was wie ein ganz normaler Verkaufstag ausschaut, ist doch etwas Besonderes für den Eichgrabener Erdbeerhändler. Denn die kleinen roten Früchte sind in diesem Jahr knapp. In den großen Supermärkten gibt es zwar noch Erdbeeren, doch das Angebot ist geringer als in den Vorjahren.

Die ersten Händler denken deshalb über Hagelnetze nach, wie sie zum Beispiel auf Apfelplantagen seit Jahren eingesetzt werden
Die ersten Händler denken deshalb über Hagelnetze nach, wie sie zum Beispiel auf Apfelplantagen seit Jahren eingesetzt werden © Marion Gröning

Anfang Juli ist die Erdbeersaison eigentlich noch voll im Gange. Dass es jetzt anders ist, hängt mit den jüngsten Unwettern zusammen. Klaus Möse hat auf seinen Freilandflächen bis zu 85 Prozent Ernteverlust. Seinem Kollegen in Rennersdorf, Gärtnermeister Friedbert Dienel, erging es noch schlechter. Er habe einen Totalschaden erlitten, sagt er gegenüber der SZ. Erst Mitte Juni hatte bei ihm die Selbstpflückzeit begonnen. Auch 2012 vernichtete Hagel einen Großteil seiner Ernte. Für Klaus Möse ist es ebenfalls nicht der erste Schaden. Vor sechs Jahren gab es einen ähnlich großen Ernteschaden durch Hagel wie dieses Jahr.

Aufgrund der zunehmenden extremen Wetterverhältnisse denkt der Eichgrabener Obstbauer inzwischen über einen besseren Schutz seiner Pflanzen nach. Im Obstanbau werden schon seit Jahren sogenannte Hagelnetze eingesetzt, erklärt Möse. Bisher aber vor allem bei Apfelplantagen oder im Weinbau. Auf Holz- oder Metallmasten und Verspannungsseilen wird dabei der Hagelschutz zeltdachförmig aufgebaut. Derartige Netzkonstruktionen seien aber für den Anbau von Erdbeeren nicht praktikabel, sagt Möse. Sie seien zu teuer und eine solche Investition würde sich nicht lohnen, da es sich bei den kleinen roten Früchten um zwei- oder dreijährige Wechselkulturen handelt.

Möglich seien bodennahe Netze, die mit Sandsäcken beschwert werden, erklärt der Eichgrabener. Diese Variante habe aber Nachteile. So müssen die Netze bei der Ernte immer wieder auf- und abgezogen werden. Und geerntet wird in der Regel alle zwei Tage. Zudem reifen die Früchte aufgrund der dunklen Netze langsamer und können erst zwei bis drei Tage später geerntet werden. Für den Verkauf der Erdbeeren hätte dies auch preisliche Auswirkungen. Außerdem stelle sich die Frage, so Möse, wo der Hagel hingeht, wenn viel vom Himmel kommt. Drücke er auf die Pflanzen, blieben die auch mit Hagelnetz nicht schadlos. Dennoch hätten nach seinen Worten Hagelnetze auch Vorteile, die über den reinen Hagelschutz hinausgehen. Die Pflanzen könnten so auch vor Sonnenbrand geschützt werden. Oder Rehe könnten dadurch von den Feldern abgehalten werden. Allerdings sei nicht klar, ob die Vierbeiner auch über die Netze gehen und diese zerreißen. Das Für und Wider will Möse in ersten Versuchen mal austesten. In der Region und auch sachsenweit wäre er damit einer der Ersten. Hagelnetze wurden bisher schon von Südtiroler Bauern eingesetzt, die ebenfalls immer wieder von Hagelschäden betroffen waren. In Deutschland gebe es erste Versuche in den Anbaugebieten am Rhein, weiß Möse. So seien beispielsweise Erdbeeranbauflächen bei Bruchsal in der Nähe von Karlsruhe und bei Oberkirch mit Hagelnetzen abgedeckt worden, berichtet der Eichgrabener Obstbauer. Er will sich auch mit seinen Kollegen über deren Erfahrungen austauschen.

Sollte er auch bei sich in Hagelnetze investieren, wäre Klaus Möse nicht nur der Erste in der Region, sondern bliebe wahrscheinlich auch der Einzige. Für Friedbert Dienel ist eine solche Investition kein Thema, wie er der SZ erklärt. Man müsse eben mit den Unwettern leben. Ähnlich äußert sich Harald Weickelt, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Bertsdorf. Die jüngsten Unwetter hatten auf den Feldern der Agrargenossenschaft Schäden unter anderem am Winterweizen und bei Raps verursacht. Bei der Wintergerste liege der Verlust zum Beispiel bei etwa 20 Prozent, so Weickelt. Betroffen seien nur einzelne Flächen, gerade zwischen Hartau und Olbersdorf sowie im Oberdorf von Bertsdorf. Die Felder mit Hagelnetzen zu überspannen, sei nach seiner Aussage nicht möglich, da die Flächen dafür viel zu groß sind. Und der Hagel sei nur ein Problem. Da auch der Regen sehr stark war, habe es auch Abschwemmungen gegeben.

Klaus Möse hat derweil die Anzahl seiner Verkaufsstände reduziert. Bei einer besseren Ernte steht er an bis zu sechs Standorten gleichzeitig. Durch den diesjährigen Ernteverlust sei ein Verkauf in Löbau oder Görlitz nicht möglich. Aber auch in Zittau wird nicht mehr an mehreren Orten verkauft – dafür reichen die Früchte nicht mehr aus. Zwar gebe es noch die späten Sorten, doch die erbringen nicht mehr die Mengen, so Möse.