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Verkaufspläne für Bombardier-Werk in Görlitz

Ein Auftrag aus der Schweiz hat zu einem finanziellen Desaster geführt. Nun will der Konzern den Standort loswerden.

© dpa/Arno Burgi (Archiv)

Von Ulrich Wolf

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Görlitz/Dresden. Der Schienenfahrzeug-hersteller Bombardier schließt nach SZ-Informationen einen Verkauf seines Werkes mit derzeit 1 300 Beschäftigten nicht mehr aus. Ursache ist ein desaströser Großauftrag der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) vom Mai 2010.

Damals bestellten die SBB bei Bombardier in Görlitz für umgerechnet 1,6 Milliarden Euro 59 Doppelstockzüge. Mittlerweile ist das Projekt um vier Jahre verzögert, Görlitz übergab den Schweizern erst vier Fahrzeuge, 21 sollen in diesem Jahr folgen.

Bombardier in Görlitz kommt die verspätete Lieferung teuer zu stehen. Die SBB bestätigten, dass sie drei zusätzliche Züge im Wert von 27 Millionen Euro je Stück gratis bekommen. Zudem entstünden den SBB Kosten für den weiteren Betrieb von Zügen, die schon ausrangiert sein sollten. Auch diese Kosten müsse Bombardier übernehmen. Weniger dramatisch, aber ebenfalls deutlich verspätet, arbeitet Görlitz einen Großauftrag der Deutschen Bahn ab. Der stammt ebenfalls aus dem Jahr 2010.

In Summe haben die Aufträge am Bombardier-Standort Görlitz im vorigen Jahr zu einem riesigen Minus geführt: Nach SZ-Informationen entstand 2017 ein Minus von fast 100 Millionen Euro. Bombardier wolle deshalb das Görlitzer Werk so schnell wie möglich verkaufen, heißt es in Dresdner Finanz- und Wirtschaftskreisen. Anfang Februar werde es ein Spitzentreffen der sächsischen Regierung mit Bombardier geben.

Konzernsprecher Andreas Dienemann sagte dazu, Bombardier habe „Gesprächs- und Kooperationsbereitschaft mit externen Partnern signalisiert“. Es gehe darum, „ergebnisoffen auch alternative Zukunftskonzepte“ für Görlitz zu prüfen. Ziel sei es, die langfristig beste Lösung für den Standort und seine Mitarbeiter zu finden. Bombardier plane in diesem Jahr für Görlitz Investitionen von fünf Millionen Euro. Das Werk werde zu einem „Kompetenzzentrum für Wagenkästen aus Aluminium“ umgebaut. Mit dem Betriebsrat sei ein Kündigungsschutz bis Ende 2019 vereinbart worden. Das werde ergänzt durch einen Sozialplan und einen freiwilligen Ausstieg.

Ein möglicher Käufer soll von Bombardier noch einige Millionen „oben drauf erhalten“, um eben diese Vereinbarungen zu finanzieren, heißt es. Als Investor ist auch der Noch-Eigentümer des insolventen Waggonbaus in Niesky, die Quantum Capital Partners GmbH, im Gespräch.

In Niesky hat das Bieterfahren bereits begonnen. Verwalter Jürgen Wallner sagte, er sei guter Dinge, bis Ende Juni einen Käufer zu finden. Außer chinesischen Industriefirmen sollen darunter auch zwei Beteiligungsgesellschaften aus Freising bei München sowie aus Dresden sein.