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Verkauft Oderwitz das Landmannsheim?

Die Gemeinderäte haben sich geeinigt, einen Grundsatzbeschluss zu fassen. Mittlerweile gibt es zwei Kaufinteressentinnen.

© Rafael Sampedro

Von Mario Sefrin

Oderwitz. Es wird konkret: Die Oderwitzer Gemeinderäte werden in ihrer nächsten Sitzung im Mai darüber entscheiden, ob die Gemeinde das Veranstaltungshaus Landmannsheim verkaufen oder weiter in ihrem Besitz behalten, sanieren und nutzen soll. Das ist das Ergebnis einer neuerlichen Diskussion im Gemeinderat, die in der jüngsten Sitzung am Montagabend in Oderwitz geführt wurde. „Beim nächsten Gemeinderat soll eine Grundsatzentscheidung über den möglichen Verkauf des Landmannsheims gefällt werden“, bestätigte die Oderwitzer Bürgermeisterin Adelheid Engel (parteilos) am Dienstag gegenüber der Sächsischen Zeitung. Damit wird schon bald mehr Klarheit über die Zukunft des bekannten Oderwitzer Veranstaltungshauses an der B 96 bestehen.

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Noch zu Jahresbeginn schien die Zukunft des Landmannsheims klarer vorgezeichnet als derzeit. Das Haus samt angeschlossenem Saal sollte saniert werden, hatten die Gemeinderäte beschlossen. Es wurden bereits 233 000 Euro in die Dachsanierung gesteckt, 334 000 Euro stehen über das Förderprogramm „Brücken in die Zukunft“ schon für weitere Arbeiten am Gebäude bereit. Auch Pläne, wie das Haus künftig wieder belebt und damit besser genutzt werden kann, gibt es bereits – unter anderem zählen der Einzug der Tourist-Information und des Wetterkabinetts dazu. Dafür wurden in der Vergangenheit auch schon bauliche Voraussetzungen geschaffen. Seit einigen Jahren beschäftigt sich außerdem eine Arbeitsgruppe des Gemeinderates mit der Zukunft des Hauses.

Doch diese Zukunft steht und fällt aus Sicht der Gemeindeverwaltung mit der Betreibung der Gaststätte – für die sich jedoch seit Jahren kein neuer Pächter findet. Außerdem rechnet die Gemeinde beim Landmannsheim insgesamt mit Sanierungskosten in Höhe von etwa 1,16 Millionen Euro. Dazu kommen weitere Belastungen: „Wir müssten nach der neuen Haushaltsrechnung für das Haus jährliche Abschreibungen in Höhe von rund 10 000 Euro erwirtschaften. Das kann die Gemeinde nicht, zumal wir bislang kein Nutzungskonzept für das Haus haben“, so Bürgermeisterin Adelheid Engel.

Was die Gemeinde dagegen aber hat, sind Kaufinteressenten. Wie zur Gemeinderatssitzung am Montag bekannt wurde, gibt es mittlerweile eine zweite Kaufinteressentin für das Landmannsheim. Diese möchte den vorderen Gebäudeteil unter anderem für Büros nutzen und im Saal eine Tagespflege für Senioren einrichten – mit der Option, dass der Saal der Gemeinde auch für bis zu zehn Veranstaltungen im Jahr zur Verfügung stehen könnte. Befürworter eines Landmannsheims, das auch in Zukunft im Eigentum der Gemeinde ist, fordern, das Veranstaltungshaus wieder zu einem Bürger- und Vereinshaus zu machen, in dem auch künftig Veranstaltungen wie Schuleintrittsfeiern oder Seniorenweihnachtsfeiern stattfinden können.

Das Konzept der neuen Kaufinteressentin stieß im Gemeinderat teilweise auf Interesse, aber auch auf Skepsis, ob es sich überhaupt umsetzen ließe. Die zweite und bis vor Kurzem noch einzige Kaufinteressentin will dagegen aus dem Landmannsheim eine Physio- und Ergotherapie-Praxis machen und das Haus dafür von der Gemeinde abkaufen. Das Landmannsheim stünde in diesem Fall nicht mehr für eine öffentliche Nutzung zur Verfügung.

Doch auch am Montag wies die Gemeindeverwaltung noch einmal darauf hin, dass für eine Nutzung des Landmannsheims mit mehr als zehn Veranstaltungen pro Jahr ein Bauantrag zu stellen wäre. Bei diesem müssten eine ganze Reihe von Auflagen und Anforderungen erfüllt werden, erklärte die Verwaltung. Das sei auch noch einmal beim jüngsten Treffen der Arbeitsgruppe deutlich geworden, an der neben Gemeinderäten und Verwaltungsmitarbeitern auch Vertreter der Bauaufsicht des Landkreises und eines Ingenieurbüros teilgenommen hatten, so Hartmut Junge vom Bauamt der Gemeinde.

Beide Kaufinteressentinnen sollen laut Bürgermeisterin Adelheid Engel die Möglichkeit bekommen, ihre Pläne und Konzepte fürs Landmannsheim im Gemeinderat vorzustellen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Gemeinderäte in ihrer nächsten Sitzung grundsätzlich einem Verkauf des Gebäudes zustimmen. Die Räte waren sich am Montag bei allem Für und Wider zum Verkauf darüber einig, dass es nun einen solchen Grundsatzbeschluss braucht, um voranzukommen.