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Politik

Ist vermisster KSK-Sprengstoff in Sachsen?

Der bei einem Soldaten gefundene Sprengstoff ist identisch mit dem, der aus KSK-Beständen verschwunden ist. Was das mit Rechtsradikalismus zu tun hat.

Die Bundeswehr-Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK) hat etliche Probleme.
Die Bundeswehr-Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK) hat etliche Probleme. © Kay Nietfeld/dpa

Berlin. Bei den aus den Beständen des Kommandos Spezialkräfte (KSK) vermissten 62 Kilogramm Sprengstoff handelt es sich nach Angaben des Verteidigungsministeriums ausschließlich um PETN. Der gleiche Stoff war auch bei einem inzwischen inhaftierten Soldaten in Nordsachsen gefunden worden war.

"Die Feststellung des Unterbestandes ist als vorläufiges Ergebnis zu betrachten, das sich aus einem Abgleich zwischen Ist-Bestand vor Ort und Soll-Bestand im logistischen Buchungssystem ergeben hat", stellte das Verteidigungsministerium in einer Antwort auf eine schriftliche Frage der Innenpolitikerin Martina Renner (Linke), die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, weiter fest. PETN-Pulver kommt etwa in Handgranaten oder als Bestandteil des Plastiksprengstoffs Semtex zur Anwendung.

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Schweineköpfe, Rechtsrock und Hitlergruß

Zwei Kilogramm PETN (Pentaerythrityltetranitrat) waren Mitte Mai in einem Waffenversteck eines 45-jährigen Soldaten der Bundeswehr-Eliteeinheit KSK in Collm entdeckt worden. Bei der Razzia fand die Polizei damals auch ein SS-Liederbuch und Aufkleber mit Nazi-Motiven. Der Mann, der das geheime Waffendepot auf seinem Privatgrundstück angelegt hatte, war 2017 Teilnehmer der Party für den Chef der zweiten Kompanie gewesen, die zum Auslöser der Rechtsextremismus-Affäre beim KSK wurde. Bei der Feier wurden Schweineköpfe geworfen, Rechtsrock gehört und der Hitlergruß gezeigt.

dpatopbilder - 14.05.2020, Sachsen, Dresden: Polizisten fahren in einer Kolonne aus dem Innenhof des Justizzentrums Dresden. Nach dem Fund eines Waffenverstecks bei einem Soldaten der Bundeswehr in Sachsen wurde der Mann heute einem Haftrichter vorgeführt
dpatopbilder - 14.05.2020, Sachsen, Dresden: Polizisten fahren in einer Kolonne aus dem Innenhof des Justizzentrums Dresden. Nach dem Fund eines Waffenverstecks bei einem Soldaten der Bundeswehr in Sachsen wurde der Mann heute einem Haftrichter vorgeführt ©  dpa/Robert Michael

Über den Verbleib des fehlenden Sprengstoffs solle eine Generalinventur Klarheit verschaffen, die bis zum Beginn des kommenden Jahres abgeschlossen sein werde, heißt es in der Antwort des Ministeriums. Die "Bewährungsfrist" für das KSK endet schon früher - am 31. Oktober. Dann will Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) entscheiden, ob die bis dahin unternommenen Reformschritte ausreichend sind oder das Spezialkommando ganz aufgelöst wird.

"Ein von oben geduldetes schwarzes Loch"

"Zentrale Fragen an die Bundeswehr und die Strafverfolgungsbehörden lauten: Wo sind die restlichen 60 kg dieses hochgefährlichen Sprengstoffs? Was wurde unternommen, diesen zu finden?", sagte Renner. 

Dass in Zusammenhang mit Sprengstoff und Munition, die als Fehlbestand festgestellt wurden, nie der KSK-Standort im baden-württembergischen Calw auftaucht, findet ebenfalls Renner fragwürdig. Auch die Tatsache, dass in Antworten der Bundesregierung auf frühere parlamentarische Anfragen zu Munitionsverlust und Sprengstoffschwund deutlich geringere Mengen genannt worden seien. 

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"Das KSK scheint ein von oben geduldetes schwarzes Loch gewesen zu sein, das sich nicht an Recht und Gesetz gebunden fühlte", sagte die Abgeordnete. Die Aufklärung zu dem verschwundenen Sprengstoff werde Maßstab dafür sein, inwieweit die Ministerin an Konsequenzen aus dem KSK-Skandal interessiert sei "und ob die Ermittlungsbehörden die rechten Strukturen tatsächlich ausleuchten oder zerschlagen wollen".

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