merken

Deutschland & Welt

Vernachlässigtes Kind ist in Obhut

Eine Fünfjährige soll in Eberswalde jahrelang extrem vernachlässigt und ohne Tageslicht gelebt haben. Behörden war die Familie schon länger bekannt.

Ein vernachlässigtes fünfjähriges Mädchen ist in Eberswalde in Brandenburg in die Obhut der Behörden gekommen.
Ein vernachlässigtes fünfjähriges Mädchen ist in Eberswalde in Brandenburg in die Obhut der Behörden gekommen. © Patrick Pleul/dpa (Symbolbild)

Eberswalde. Ein fünfjähriges vernachlässigtes Mädchen in Eberswalde ist in die Obhut der Behörden gekommen. Das Mädchen sei nach einer Gefährdungsmeldung im Krankenhaus zur Behandlung gewesen, habe es aber wieder verlassen können, sagte der Landrat des Kreises Barnim, Daniel Kurth (SPD), am Montag in Eberswalde. "Wir (mussten) feststellen (...), dass das Kind nicht die Fürsorge und Pflege und Liebe seiner Eltern bekommen hat, die es gebraucht hätte." Der Kreis sprach von Anzeichen von Unterernährung und Sprach- und Verhaltensauffälligkeiten. Das Kind befinde sich seit dem 20. Dezember in sicherer Obhut.

Die Familie war den Behörden schon länger bekannt. "Wir sind mit dem Jugendamt der Kreisverwaltung Barnim bereits seit Mitte 2017 bemüht, Hilfe in diese Familie zu bringen", sagte der Landrat. Sozialdezernentin Yvonne Dankert ergänzte, es habe eine erste Meldung Mitte 2017 gegeben. Alle Hilfsversuche blieben laut Kreis zunächst erfolglos. Eine beim Amtsgericht erwirkte Familienhilfe habe ab November 2019 einen Einblick in die Familienstruktur ermöglicht. Eine Mitarbeiterin aus dem Kinderschutz habe dann eine Gefahrenmeldung abgegeben. Eine Strafanzeige wurde bisher nicht erstattet.

Alles zum Berufsstart

Deine Ausbildung finden, die Lehre finanzieren, den Beruf fortführen - Hier bekommst Du Stellenangebote und Tipps in der Themenwelt Arbeit und Bildung.

Die beiden Geschwister wurden dem Kreis zufolge zeitgleich mit dem Mädchen in sichere Obhut genommen. Bei ihnen gebe es keine Hinweise auf eine derartige Vernachlässigung wie bei dem Mädchen, sagte Dankert. Die Dezernentin verteidigte das Vorgehen, bei dem Polizei und Staatsanwaltschaft nicht informiert wurden. "Wir haben den Auftrag, Hilfen anzubieten."

Die "Märkische Oderzeitung" hatte am Samstag berichtet, das Mädchen habe jahrelang kein Tageslicht gesehen und solle mindestens zwei Jahre völlig auf sich allein gestellt gewesen sein. "Das können wir nicht bestätigen", sagte Kurth. Der endgültige Bericht des Krankenhauses stehe aus. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) leitete ein Ermittlungsverfahren wegen des Vorwurfs der Misshandlung von Schutzbefohlenen gegen Unbekannt ein. (dpa)