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Vernarrt ins Krause-Duo

Ein Krankenfahrzeug aus der DDR hat es Marcus Beuthner angetan. Seine Begeisterung will er mit anderen teilen.

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© Andreas Weihs

Von Dorit Oehme

Freital. Sein erster Fan war seine Freundin. „Obwohl das Krause-Duo auf den ersten Blick optisch nicht so aufregend ist, riet sie mir sofort zum Kauf“, sagt Marcus Beuthner. Neben ihm steht sein orangefarbenes Kultobjekt, das er vor zwei Jahren auf dem Online-Marktplatz E-Bay erstanden hat. Das dreirädrige Fahrzeug mit zwei Sitzen wurde zu DDR-Zeiten ursprünglich von der Firma Louis Krause in Leipzig für Gehbehinderte konzipiert. Es gab verschiedene Modelle. Beuthners Modell ist Baujahr 1990 und stammt aus den Robur-Werken Zittau. „Die Vorbesitzer transportierten darin ihre Bierkästen. Das Fahrwerk und der Motor waren runter. Das Duo fuhr wie ein Kopfkissen, völlig unrund“, sagt der 33-Jährige. „Es war mit Teilen verbastelt, die nicht hineingehörten.“ Heute schaffe sein Duo wieder 120 Kilometer am Tag. Das Kleinkraftrad hat 3,6 PS und eine Höchstgeschwindigkeit von gut 55 Kilometern pro Stunde. „Ich fahre mit meiner Freundin damit ab und zu bis nach Tschechien“, sagt der Freitaler. Seine Vorliebe für das seltene Kleinkraftrad begann mit einer Leidenschaft für Mopeds aus dem Suhler Simson-Werk. „Mit 27 kaufte ich mir eine Schwalbe, um zur Arbeit zu fahren – eine zweite folgte, dann ein Moped S 50 und schließlich die dritte Schwalbe.“ Bei einem Nachbarn, einem Oldtimer-Fan, gab es die erste Begegnung mit einem Duo.

Viele seien schon verschrottet worden. Doch Beuthner hat sein Kleinkraftrad so originalgetreu wie möglich wieder aufgebaut. „Ich hatte nur wenige Quellen. Spezialteile waren richtig schwer zu bekommen“, sagt er. „Das Duo 4/2 wurde nur von Ende 1989 bis Anfang 1991 produziert. Es gab knapp 1 500 Stück.“ Doch das Modell war fast baugleich mit dem Vorgänger, von dem ab etwa 1972 bis zur Wende mehr als 64 000 Fahrzeuge produziert worden sind. Auf diese Teile griff Beuthner zurück. Wie bei seinen Mopeds erneuerte er alles selbst – bis hin zur Elektrik und Innenausstattung. Auch den Rahmen für die Sitzbank baute Beuthner, der von Beruf Tischler ist. Als kleinen Luxus nähte er zusätzlich Seitenplanen-Türen.

Mit dem Elektrostarter lässt Marcus Beuthner den Motor an, der sonst in Simson-Mopeds eingebaut ist. „Das Duo gehört aber nicht zur Simson-Familie. Das wird im Internet oft falsch angegeben“, erklärt er. Im Duo seien Teile von vielen DDR-Fahrzeugen verbaut. Von der Schwalbe, dem Trabi, dem Kleintransporter Barkas und auch einem Kinderfahrrad – der Tank stamme sogar von einem Boots-Außenbordmotor. „Es ist kurios“, sagt Marcus Beuthner. Dann dreht er eine kleine Proberunde. Der typische Geruch und Sound seines Zweitakters begleiten ihn. Für Ausfahrten und zum Fachsimpeln sucht der Enthusiast seit einiger Zeit Duo-Begeisterte aus Freital und der Region. Bis jetzt sind sie schon 15. Den Freitaler Falk Hargesheimer hat er vor einem Jahr auf dem Oldtimer- und Trödelmarkt im Dresdner Alberthafen kennengelernt. „Ich habe gerade Teile für mein Krause-Duo gesucht, das 1981 in Brandis bei Leipzig gebaut worden ist“, erzählt Hargesheimer.

Der 37-Jährige ist ansonsten Trabi-Liebhaber, er fährt aber auch ein MZ-Motorrad. „Auf das Duo bin ich gestoßen, weil ich noch etwas Besonderes gesucht habe“, sagt er. Sein blaues Kleinkraftrad war immerhin schon teilrestauriert. Den Rest hat er komplettiert und verfeinert. „Ich will es aber nicht mit Tuning verändern oder verbessern. Es soll auch seine Originalfarbe behalten“, sagt er. Statt des Anreißhebels, mit dem dieses Duo per Hand gestartet wird, hat Hargesheimer lediglich einen Kickstarter eingebaut.

Seine Frau und seine Tochter teilen inzwischen schon sein Interesse. Das Fahren mit dem Krause-Duo ist aber nicht so einfach. „Es ist nicht mal mit einem Gespann zu vergleichen“, sagt Falk Hargesheimer. Besonders in der Kurve sei es schwierig. „Man kann abdriften, auch die Schaltung hat es in sich. Wir feilen alle noch an unserem Fahrstil“, ergänzt Marcus Beuthner. Zuletzt hat er dem Dresdner Hans-Joachim Ranke geholfen, ein Krause-Duo von 1988 wieder in den Originalzustand zu versetzen. Gut zwei Jahre stand es, weil es nicht lief. „Ich habe es zu meinem 50. Geburtstag von meiner Familie bekommen“, sagt Ranke. „Ich kann nach einem Verkehrsunfall, den ich nicht verschuldet habe, kein Balancefahrzeug mehr fahren. Die rechte Seite ist von der Schulter bis zur Hand stark beschädigt, ebenso das linke Bein.“ Der 53-Jährige hat ein Automatik-Auto, das speziell für ihn ausgestattet ist. Als Hobby fährt der Moped-Liebhaber nun das Krause-Duo, das für ihn individuell umgebaut worden ist.

Im Dresdner Stadtverkehr schwimmt Hans-Joachim Ranke mit seinem Duo normalerweise mit. „Manchmal werde ich abgedrängt. Andere strecken mir den gehobenen Daumen entgegen. Für ein Foto wurde ich auch schon angehalten“, sagt Ranke.

Kontakt: E-Bay Kleinanzeigen: 505258507, „Duo Begeisterte in Freital und Umgebung“