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Verräterische Sprüherei

An gut 20 Stellen in Coswig hinterlässt ein Mann Graffiti an Hauswänden – und landet dafür vor Gericht.

© Repro/J. Müller

Von Jürgen Müller

Meißen/Coswig. Ein Dreivierteljahr lang sorgte dieser Mann, der hier auf der Anklagebank des Meißner Amtsgerichtes sitzt, bei Hausbesitzern in Coswig für Ärger, Angst und Schrecken. Mindestens 19 Hausfassaden hat der Mann mit Graffiti „verziert“. Es entstand ein Schaden von mindestens 5 000 Euro. Nun werden solche Schmierer meistens nicht gefasst. Hier ist das allerdings anders und im Grunde auch sehr einfach gewesen. Denn der Coswiger verriet sich praktisch selbst, indem er in den Tags sein persönliches Kürzel verwendete.

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Nun fragt man sich, was einen gestandenen Mann zu solch einem teuren Unfug verleitet. Auch diese Antwort ist ziemlich simpel. 24 Jahre lang nahm der Coswiger illegale Drogen. Die haben nicht nur seine Beziehung zerstört und dazu geführt, dass die Ex den Kontakt völlig abbrach und er seine beiden Kinder nicht mehr sehen darf. Vor vier Jahren, sagt er, durfte er die Kinder zuletzt sehen.

Die Drogen brachten ihn auch immer wieder auf die Anklagebank und ins Gefängnis. 16 Mal wurde er schon verurteilt. Bereits als Jugendlicher brachte er es wegen Raubes und Diebstahls in 74 Fällen zu einer Jugendstrafe von drei Jahren und sechs Monaten. Das muss man erst mal schaffen. Die Strafe wurde dann wegen weiterer Delikte auf vier Jahre und acht Monate „aufgestockt“. Und die hat er dann auch vollständig abgesessen. Geläutert war er dadurch nicht. Auch danach landete er immer wieder vor dem Kadi, fasste erneut mehrere Gefängnisstrafen ab, allerdings auf Bewährung.

Zuletzt wurde er im Frühjahr dieses Jahres zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Er war in die Wohnung seiner Ex eingebrochen, hatte dort randaliert, Türen und Fenster beschädigt und natürlich Graffiti hinterlassen. Dem Vermieter, einer Wohnungsgesellschaft, entstand dadurch ein Schaden von knapp 3 500 Euro. Um an Geld für Drogen zu kommen, brach er in einen Keller ein, nahm alles mit, was nicht niet- und nagelfest war und von dem er hoffte, es zu Geld machen zu können.

Neben zahlreichen Werkzeugen waren das auch ein Paar Damenschuhe und zwei Räuchermännchen. Insgesamt entstand ein Schaden von 600 Euro. Auch bei diesen Taten stand er unter dem Einfluss von illegalen Drogen. Ganze fünfmal hat der Mann bereits eine Alkohol- und Drogenentziehung mit anschließender Therapie hinter sich. Bisher wurde er immer wieder rückfällig. Nach der letzten Therapie, die er Ende April dieses Jahres abschloss, allerdings nicht mehr. Und will es auch nicht mehr werden.

„Ich habe die Kurve gekriegt“, behauptet er. Jetzt sei er clean, habe eine Arbeit, eine neue Freundin. Und es scheint so, dass er es diesmal tatsächlich begriffen hat. So kündigte er eine Arbeitsstelle, weil dort Alkohol getrunken wurde. „Sobald die Chefs aus dem Haus waren, gingen dort die Bierflaschen auf“, sagt der Mann, der nur die achte Klasse schaffte und eine Berufsausbildung abbrach.

Das Gericht verurteilt ihn wegen Sachbeschädigung in 19 Fällen zu einer Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. „Ihre Vergangenheit hat Sie heute noch mal eingeholt. Sie haben jetzt ein neues Leben begonnen“, sagt der Richter. Und in diesem neuen Leben hofft der Angeklagte auch, dass er irgendwann mal wieder seine Kinder sehen kann. Schadenersatzansprüche von den geschädigten Hauseigentümern gab es bisher nicht. Die könnten noch auf den Mann zukommen.