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Verschärfter Wettbewerb um Pflegepersonal

Auch das Uniklinikum sucht dringend neue Pfleger. Die Fachkräfte sind aber auch der größte Kostentreiber.

© Sven Ellger

Von Juliane Richter

Trotz Dresdens Position als Leuchtturmstadt und dem ungebrochenen Zuzug, klagen die hiesigen Krankenhäuser zunehmend über Personalmangel, vor allem in der Pflege. Die Städtischen Kliniken wollen deshalb ihre Ausbildung stärken (die SZ berichtete). Und auch das Uniklinikum wirbt verstärkt um Mitarbeiter. Für Professor Michael Albrecht, medizinischer Vorstand des Klinikums, hat sich das Problem zuletzt noch einmal verschärft.

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Denn mit dem Bau des neuen OP-Zentrums im Haus 32, das im August eingeweiht werden soll, muss das Uniklinikum auf einen Schlag 150 zusätzliche Pflegestellen besetzen. Rund 25 Stellen sind laut Albrecht derzeit noch frei. Er wertet diese Zahl als Erfolg. „Das haben wir nur dank großer Werbekampagnen geschafft, die auch in den kommenden Jahren notwendig sind“, sagt er. Um attraktiv zu sein, zahle das Uniklinikum im Haustarif das gleiche Gehalt, wie es im öffentlichen Dienst üblich sei. „Wir wären sonst gar nicht überlebensfähig“, meint Albrecht.

Hinzu kommen Programme, langjährige Mitarbeiter bis ins Rentenalter ans Haus zu binden und auch körperlich fit zu halten. Wer mit 55 Jahren verständlicherweise nicht mehr die Kraft eines jüngeren Kollegen für die Pflege am Patienten habe, bekomme intern einen anderen Posten in dem Bereich angeboten – damit Wissen und Erfahrung nicht verloren gehen.

Regulär seien am Uniklinikum jedes Jahr 80 bis 95 Pflegestellen neu geschaffen worden. Einsparungen in dem Sektor hätten nicht stattgefunden, meint Albrecht. So gebe es am Uniklinikum keine „geplante Unterbesetzung“ und nur wenige Stationen, auf denen nachts eine Person 30 Patienten allein versorgen müsse. Ausnahmen könne er jedoch nicht ausschließen.

Doch während das Uniklinikum einerseits händeringend um neues Personal wirbt, gilt der Sektor laut Albrecht zugleich als größter Kostentreiber in der Bilanz. Die Gehaltssteigerungen belaufen sich jedes Jahr auf etwa vier Prozent für die bestehenden Stellen. Hinzu kommen Neueinstellungen, sodass die Personalkosten jährlich um 10 bis 15 Millionen Euro steigen.

Und doch hat das Klinikum, das zum Freistaat gehört, im vergangenen Geschäftsjahr erneut fast 6,4 Millionen Euro Gewinn gemacht. Die Fallzahlen wurden dabei allerdings nicht gesteigert. Wie geht das? „Wir können keine Leistungen erbringen, die auf Dauer defizitär sind“, sagt Albrecht. Dazu zählt er zum Beispiel bestimmte Arten von Operationen, auf die sich andere Häuser mehr spezialisiert haben. Eine „Fließbandproduktion“ bei bestimmten Eingriffen wolle das Klinikum nicht ausbauen.

Abfangen vor der Notaufnahme

„Uns geht es um Hochleistungsmedizin und Innovationen.“ So würden bei der Implantation künstlicher Hüften mit derzeit mehr als 600 Fällen pro Jahr verstärkt komplizierte und besonders schwere Fälle behandelt und neue Methoden entwickelt, erklärt der Vorstand. Bereiche wie die „Stroke Unit“-Station für Schlaganfallpatienten oder das neurovaskuläre Zentrum, das sich auch mit Erkrankungen der Blutgefäße im Gehirn beschäftigt, sollen in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden.

Derzeit noch nicht gelöst ist die Frage der sogenannten „Portalpraxis“. Das Uniklinikum hatte bereits vor mehr als einem Jahr mit der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS) abgesprochen, als Pilotkrankenhaus diese Praxis einzurichten. Hintergrund ist, dass nicht jeder Patient mit leichten Verletzungen ambulant im Klinikum behandelt werden soll. Einerseits kann das ein niedergelassener Arzt genauso gut und andererseits bekommt das Uniklinikum diese Fälle schlecht vergütet und will sich mit seiner Expertise lieber auf die komplizierteren Fälle konzentrieren.

Auf SZ-Anfrage erklärt die Kassenärztliche Vereinigung die Sache als erledigt und führt die seit 20 Jahren bestehende KVS-Bereitschaftspraxis im Haus 28 auf dem Uniklinik-Gelände an. Professor Michael Albrecht sieht das anders. Eine Portalpraxis müsse unmittelbar am Eingang zur Ambulanz entstehen und mit den besten und erfahrensten Ärzten besetzt werden. Diese könnten dann entscheiden, wer am Uniklinikum weiterbehandelt werden muss und wem der Weg zum niedergelassenen Arzt zugemutet werden kann.