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Verschollene Akten zum Seilbahnbau auf den Lilienstein aufgetaucht

Vor einhundert Jahren sollte in Königstein eine Seilbahn gebaut werden. Nun gibt es neue Ideen und ein neues Ziel.

© Katja Frohberg

Von Ines Mallek-Klein

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Wer in Königstein den Tourismus ankurbeln will, der hat es nicht leicht. Das ist heute so, und das war vor einhundert Jahren nicht anders. Das belegen Akten aus dem Stadtarchiv, die Chronist Udo Kühn unlängst gefunden und gesichtet hat.

Es geht um die Baupläne für eine Seilbahn vom Bahnhof Königstein über die Elbe bis hinauf zum Lilienstein. Die vergilbten Zeitungsseiten und Baupläne stammen aus den 1920er- und 1930er-Jahren. Erste Ideen gab es schon 1927, sagt Udo Kühn. Schon damals wurde die Seilbahn zum Lilienstein in einem Atemzug mit der Pfänderbahn in Bregenz oder der Fichtelbergbahn in Oberwiesenthal genannt. Der entscheidende Unterschied: Die Königsteiner Anlage wurde nie gebaut und brachte das planende Unternehmen in große wirtschaftliche Schwierigkeiten. Die Leipziger Firma Curt Rudolph hat vermutlich deshalb 1931 Konkurs anmelden müssen.

Dabei war alles schon berechnet. Die Bahntrasse sollte über eine Strecke von 1 080 Metern führen und dabei 300 Meter Höhenunterschied überwinden. Talstation wäre der Bahnhof Königstein gewesen. Mit einem Zwischenhalt in Ebenheit wären die Wagen bis zu einer versteckten Bergstation auf den Lilienstein hinaufgeklettert. Jeweils 20 Personen sollten in einen der beiden Wagen passen, die binnen einer Stunde zehnmal von einem Elbufer zum anderen pendeln sollten. Die Planer haben sich viel Mühe macht und das benötigte Material genau berechnet. Neben 40 Zugseiltragrollen wären 2 300 Meter Stahlseil mit einem Durchmesser von 45 Millimetern nötig gewesen. Die geschätzten Baukosten summierten sich auf rund 220 000 Reichsmark. Eine Ausgabe, die sich rechnen sollte. Die Planer kalkulierten mit 194 250 Reichsmark Gewinn – pro Jahr. Doch sie hatten wohl nicht mit so viel Widerstand gerechnet. Der Heimatschutz hatte schon 1911 ein Gutachten vorgelegt, um „aus ethischen Gründen einer drohenden Verunstaltung eines der herrlichsten Gebiete des Heimatlandes entgegenzusteuern“.

16 Jahre später wurde das Thema wieder aktuell. Damals sorgte man sich um die starke Erhabenheit des Liliensteins, die „durch bewegliche Kästchen, die an ihm auf- und abklettern“ für immer verschwinden wird. Kritik an dem Projekt kam auch von der Bergwacht Sachsen, dem Sächsischen Bergsteigerbund, dem Verein zum Schutz der Sächsischen Schweiz, dem Gebirgsverein und den Riesengebirgsfreunden. Das letzte ablehnende Wort sprach 1931 das Ministerium des Inneren.

Die Planer waren von rund 160 000 Fahrgästen pro Jahr ausgegangen. Sie hätten damit auch einen Wunsch von Friedrich Bergmann erfüllt. Der Bergwirt auf dem Lilienstein hatte schon 1896 im Königsteiner Stadtrat für den Bau der Seilbahn geworben. Damals wie heute ging es darum, mehr Touristen in die Region zu bringen.

Dazu soll heute auch ein Projekt des Tourismusexperten Sven-Erik Hitzer dienen. Er hat eine Machbarkeitsstudie finanziert, die eine Seilbahn vom Königsteiner Stadtzentrum hinauf zum Festungsplateau prüft. Das Ziel ist klar. Von der halben Million Besucher, die 2015 auf der Festung Königstein zu Gast waren, soll mit der neuen Bahn ein Großteil zu einem Besuch in der Stadt motiviert werden. Die Baukosten der Bahn sind allerdings enorm: Sie liegen schätzungsweise bei sechs Millionen Euro.

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