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Verschwundene Holzfigur taucht auf

Nach einem Zeugenhinweis entdeckt die Polizei den in Altenberg entführten Dirigenten. Was sie findet, macht sprachlos.

© Foto: Stadt Altenberg

Von Mandy Schaks

365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Altenberg. Wer macht denn so etwas? Das fragten sich Leser, nachdem sie durch die Sächsische Zeitung von einem unglaublichen Diebstahl erfahren haben. Ist denn nun nicht mal mehr eine Pyramide vor Langfingern sicher? Müssen nun auch noch die Männel angebunden werden oder hinter Sicherheitsglas verschwinden?

Seit über zehn Jahren dreht sich die schöne Pyramide im Winterland Altenberg.
Seit über zehn Jahren dreht sich die schöne Pyramide im Winterland Altenberg. © Egbert Kamprath
Vor gut einem Jahr waren die Mitarbeiter vom Tourist-Info-Büro froh, dass ein Experte Jesus, Maria und Josef sowie die Heiligen Drei Könige restaurieren konnte.
Vor gut einem Jahr waren die Mitarbeiter vom Tourist-Info-Büro froh, dass ein Experte Jesus, Maria und Josef sowie die Heiligen Drei Könige restaurieren konnte. © Foto: Stadt Altenberg
Plötzlich fehlte der Dirigent. Die Polizei fand ihn mit Josef – zerlegt.
Plötzlich fehlte der Dirigent. Die Polizei fand ihn mit Josef – zerlegt. © Foto: Stadt Altenberg

Wie in vielen Erzgebirgsorten dreht sich in Altenberg auf dem Bahnhofsvorplatz eine Pyramide. Es ist ein besonders schönes Stück – sechs Meter hoch, vier Etagen, auf denen traditionell Bergmänner, Krippenspiel, Schafherde mit Hirten und Engel zu bewundern sind. Vor allem in den Abendstunden, wenn sich die Lichter in den Schneekristallen spiegeln, geht davon eine anheimelnde Atmosphäre aus. Das ist Heimat. Das ist ein Stück Identität. Doch dieses Bild wurde zerstört.

Am ersten Februar-Wochenende war auf einmal ein Platz auf der Pyramide leer. Jemand hatte von der Bergparade, die auf der untersten Etage mit ihren Instrumenten ihre Runden dreht, den Dirigenten entführt. Die Holzfigur – mit einer Größe von etwa 85 Zentimetern und bemalt – ist recht wertvoll. Sie wird auf rund 1 000 Euro geschätzt. Deshalb lag anfangs der Verdacht nahe, jemand konnte dieser echten erzgebirgischen Handwerkskunst nicht widerstehen und wollte einfach den Bergmann als Souvenir mit nach Hause nehmen. Da hofften die Mitarbeiter vom städtischen Tourist-Info-Büro noch – sie haben ihr Domizil vis-à-vis der Pyramide –, den Dieb plagt vielleicht doch noch das schlechte Gewissen, und er bringt den Dirigenten heimlich zurück. So wie es schon einmal mit einer Figur passiert ist, die dann plötzlich im Vorraum des Büros lag.

Doch es sollte viel schlimmer kommen. Beim Durchzählen der Männel-Parade stellte sich heraus, dass der Josef von Etage Nummer zwei auch noch weg war. Die Stadt Altenberg schaltete die Polizei ein. Die Beamten hofften, dass Zeugen etwas beobachtet haben, und wandten sich an die Öffentlichkeit. Und tatsächlich: Es ging ein Hinweis ein, wie Polizeihauptkommissarin Ilka Rosenkranz von der Polizeidirektion Dresden auf SZ-Nachfrage informiert.

Daraufhin gerieten zwei junge Männer in den Fokus der Ermittler, so die Polizeisprecherin. Sie sollen 17 und 18 Jahre alt sein und aus der Region stammen. Weitere Details zu dem Fall will die Polizei zum jetzigen Zeitpunkt aufgrund der laufenden Ermittlungen wegen Diebstahls nicht preisgeben. Letztlich konnte die Polizei zwei Figuren sicherstellen und der Stadt zurückgeben – jedenfalls das, was davon übrig ist. Beide Figuren sind beschädigt.

Von Josef fehlt der Kopf, und der Dirigent wird nicht so schnell wieder den Taktstock heben. „Der liegt in Einzelteilen da, aber die sind auch nicht vollständig“, sagt Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten (Freie Wähler). Die Stadt hat die demolierten Figuren jetzt erst einmal im Bauhof eingelagert. Nun sollen sie dorthin geschickt werden, wo sie ursprünglich herstammen. Die Firma Großfigurenherstellung Peter Gläßer in Neuhausen hatte vor über zehn Jahren die Pyramide eigens für die Stadt angefertigt, die sie 2007 am Freitag vor dem ersten Adventswochenende zum ersten Mal anschob. Der Experte, der schon vor gut einem Jahr Jesus, Maria und Josef sowie die Heiligen Drei Könige an den Füßen behandelte und sie einem Facelifting unterzog, soll nun die beiden kaputten Figuren begutachten. Er soll feststellen, wie viel es kosten wird, den Dirigenten und Josef wiederherzustellen und damit, wie hoch der Sachschaden ist. (SZ/ks)