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Verstrickungen eines Anwalts

Im Prozess gegen die „Freien Kameraden“ geht es um rechte Wachmänner und Anschläge auf ein Asylheim.

© Symbolfoto: Fabian Schröder

Von Alexander Schneider

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Muss ein Rechtsanwalt als Zeuge seine politische Einstellung preisgeben? Im Prinzip nicht. Es sei denn, es geht in dem Prozess um politisch motivierte Kriminalität und um ein hohes öffentliches Interesse. So begründete Richter Joachim Kubista, der Vorsitzende, die Sicht der Staatsschutzkammer. Anwalt Thomas M. hat nicht nur eine Kanzlei, er ist auch Unternehmer in der Sicherheitsbranche, betreut seit Jahren Asylbewerberunterkünfte.

Und da fangen die Probleme an. Ein Mitarbeiter von M., der 31-jährige René H., steht im Verdacht, sich mit der rechtsextremen „Freien Kameradschaft Dresden“ (FKD) und der unter Terrorverdacht stehenden „Gruppe Freital“ an Gewalttaten beteiligt zu haben. Erst im Dezember hat die Generalstaatsanwaltschaft den Mann verhaftet. Thomas M., sein Chef und Strafverteidiger, wurde nun am Landgericht Dresden als Zeuge im Prozess gegen sechs mutmaßliche FKD-ler vernommen. Auf einem Rummel an der Pieschener Allee sollen sie einen Ausländer angegriffen haben – und Thomas M. war dort für die Sicherheit zuständig. Er erinnerte sich nicht mehr recht daran, die Dienstpläne seien schon vernichtet, sagte er. Und so wurde Anwalt M. nicht nur zur politischen Einstellung seiner Mitarbeiter befragt, sondern auch zu seiner eigenen. Die absehbare Antwort: M. fühle sich keinem politischen Lager zugehörig, er höre jedoch Herrn Bosbach gerne reden, wie er sagte. Nicht ausgeschlossen, dass der Anwalt angesichts der vielschichtigen Verstrickungen eines Tages im Prozess gegen René H. auch persönlich in die Bredouille kommen kann. Bislang ist der Securitymann und Pegida-Ordner H., der bei der FKD-Gründung gewaltbereite Mitstreiter gesucht haben soll, nicht angeklagt.

Interessanter als der Anwalt war in dem Prozess am Freitag jedoch ein anderer Zeuge, der frühere Leiter der Asylunterkunft „Lindenhof“ in der Podemusstraße. Dort warfen FKD-ler und Mitglieder der Gruppe Freital im August 2015 Steine und einen illegalen Böller ins Haus. Mancher Bewohner habe einen Schock erlitten, einer habe angefangen, sich Arme aufzuritzen, so der Heimleiter: „Auch wegen des Anschlags.“

Der 35-jährige Zeuge berichtete von einer Vielzahl von Anschlägen – Buttersäure und Pflastersteine gab es schon vor der Eröffnung im Juli 2015. Im Herbst jenes Jahres wurden auch Bewohner vor dem Haus attackiert. Immer donnerstags demonstrierten Asylgegner vor dem Lindenhof – „mal fünf und mal 30 Leute“, sagte der Ex-Heimleiter. Auch die frühere Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling sei vor Ort gewesen.