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Versuch mit Verzicht

Die Agrargenossenschaft Reinholdshain wendet auf einer Probefläche keinerlei Pflanzenschutz an. Was sie davon erwartet.

© Egbert Kamprath

Von Franz Herz

Reinholdshain. Ein Versuchsfeld der besonderen Art hat die Agrargenossenschaft Reinholdshain auf einer Fläche gegenüber vom Kaufland in Reinholdshain angelegt. Klaus Köhler, der in dem Agrarbetrieb für den Pflanzenbau verantwortlich ist, erklärt das Ziel dieser Aktion: „Wir wollen den Menschen deutlich machen, was passiert, wenn wir völlig auf Pflanzenschutz verzichten. Der wird ja oft als gefährliche Chemie verteufelt.“

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Deswegen hat er für seinen Versuch auch eine Parzelle gegenüber dem Einkaufszentrum ausgewählt, wo viele Menschen vorbeikommen. Interessierte sollen die Möglichkeit haben, die Entwicklung der Pflanzen dort zu beobachten. Es ist eine deutschlandweite Aktion unter dem Motto „Schau ins Feld“, an der sich die Reinholdshainer und rund 640 andere Landwirtschaftsbetriebe beteiligen. Seit 2015 gibt es das Projekt.

Die Parzelle in Reinholdshain ist nicht groß, etwa zehn mal fünfzehn Meter. Mehr muss es auch nicht sein. Denn Köhler will ja Weizen anbauen, möglichst gutes Getreide und auch viel davon. Das erwartet er von der Demonstrationsfläche nicht.

Denn dort und auf dem umgebenden Feld haben die Landwirte Winterweizen ausgesät. Wie der jetzt wächst, wenn daneben noch eine Reihe von Wildkräutern ungehindert gedeiht, muss sich erst zeigen. „Das hängt entscheidend vom Witterungsverlauf ab“, sagt Köhler. Im ungünstigsten Fall muss er bis zu 50 Prozent Ertragseinbuße hinnehmen.

Die Probleme können erst auf dem Acker auftreten und später in der Mühle. Auf dem Acker sind die anderen Kräuter Konkurrenten für die Weizenpflanzen. Gerade bei der trockenen Witterung der letzten Zeit geht es um das Wasser. Jeder Tropfen steht nur einmal zur Verfügung. Wenn ihn das Kraut aus dem Boden saugt, fehlt er dem Weizen. Ebenso gibt es Konkurrenz um die Nährstoffe. Wenn er Konkurrenz hat, wächst der Weizen langsamer und bleibt kleiner.

Das zweite Problem beginnt nach der Ernte. Winterweizen ist das klassische Grundmaterial für Mehl zum Brotbacken. Hier arbeitet die Agrargenossenschaft traditionell mit der Dresdner Mühle zusammen. Die hat aber exakte Qualitätsvorgaben und will keinen Besatz im Getreide haben. So nennen es die Fachleute, wenn beispielsweise Kräutersamen oder andere unerwünschte Stoffe mit ins Getreide gemischt sind. Diese muss die Mühle mit aufwendigen Reinigungsverfahren herausholen. Schließlich erwarten die Bäcker und ihre Kunden einwandfreie Qualität, wenn sie ein Weizenbrot backen und kaufen.

In gewissem Rahmen toleriert die Mühle solche unerwünschte Anteile. „Aber dafür bekommen wir Abzüge vom Preis“, sagt Köhler. Und wenn der Fremdanteil zu hoch wird, nimmt die Mühle sein Getreide nicht an. Er kann es dann an seine Tiere verfüttern. Das bringt aber erhebliche finanzielle Einbußen.

Nun ist Köhler gespannt, wie sich die Demonstrationsfläche in Reinholdshain entwickeln wird. Eine endgültige Aussage wird erst Ende Juli möglich sein, wenn der Winterweizen normalerweise geerntet wird. Dann zeigt sich, ob auf dem Probefeld der Rohstoff für Brot und Brötchen gewachsen ist oder bunte Blumen, welche die Menschen aber nicht ernähren.