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Spontaner Gedächtnisverlust

Im Prozess gegen die „Freie Kameradschaft Dresden“ schweigt ein Mittäter. Der bereits verurteilte Heidenau-Chaot erinnert sich plötzlich nicht mehr an sein Urteil.

© dpa

Von Alexander Schneider

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Patrick L. ist seit 2016 rechtskräftig wegen seiner Beteiligung an den Krawallen in Heidenau im August 2015 verurteilt. Wegen schweren Landfriedensbruchs und anderem muss er 20 Monate Haft ohne Bewährung absitzen. Der 25-jährige vorbestrafte Rechtsextremist hatte im Juni 2016 ein Geständnis abgelegt. In der zweiten Heidenauer Krawallnacht hatte er an einer Tankstelle einen Feuerlöscher gestohlen, ihn auf der Straße versprüht, um Nebel zu erzeugen, und mit Gegenständen geworfen.

Ziel sei es gewesen, den Bezug der Asylunterkunft zu verhindern: „Wenn’s knallt, dann knallt’s halt.“ Es seien auch „Kameraden“ aus Berlin und Thüringen dabei gewesen. Unter L.s Begleitern seien auch Mitglieder der rechtsextremen „Freien Kameradschaft Dresden“ (FKD) gewesen. Er nannte sogar Namen mutmaßlicher Mittäter, die sich seit September 2017 unter den sechs Angeklagten im FKD-Prozess – wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung – am Landgericht Dresden befinden. Dort musste L. am Freitag als Zeuge aussagen. Rechtskräftig verurteilte Täter können die Aussage über ihre Taten nicht verweigern.

Doch L., noch immer Strafgefangener in Waldheim, muss von einem spontanen Gedächtnisverlust heimgesucht worden sein, als der Vorsitzende Richter der Staatsschutzkammer Joachim Kubista ihn vernahm. Selbst massiver Druck änderte daran nichts. Zweieinhalb Stunden dauerte das unwürdige Theater mit dem Zeugen.

Dann ordnete das Gericht gegen L. tatsächlich 500 Euro Ordnungsgeld und Beugehaft an. Die kann bis zu sechs Monaten dauern. Um diese Zeit wird sich L.s Strafhaft verlängern, schlimmstenfalls. Es sei denn, die Erinnerung kehrt zurück.

Verteidiger Ulf Weinhold, er vertritt den Angeklagten Nick B., kritisierte die Vernehmung und erklärte das Gericht für voreingenommen. Drei der sechs Angeklagten schlossen sich dem Befangenheitsantrag an. Der Prozess wird fortgesetzt.