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Verweile doch, du bist so beautiful

Liebeserklärungen an das Volk und in Dauerschleife: Der Sänger James Blunt gastiert in Dresden.

© Robert Michael

Von Tom Vörös

Ist es die Hitze, eine Auflage vom Management oder der eigene Wunsch nach einem normalen Leben? Oder warum sagt ein Superstar wie James Blunt Dinge wie: „Das ist meine Lieblingsgitarre, weil sie so klein ist. Die nehme ich mit ins Bett, dann fühle ich mich größer.“ Oder: „Die Band steht so weit hinten, damit ich euch größer erscheine.“ Volksnähe heißt das ungesagte Zauberwort in einer am Dienstag proppevollen Jungen Garde Dresden.

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Von Beginn an wetzt das amerikanische Balladen-Oberhaupt quirlig über die Bühne, fordert sein williges Publikum und löst, zunächst mit mehr Charme als Musik, erste Euphoriewellen aus, und entschuldigt sich erneut: „Ich kann nicht gut Deutsch, nur drei Wörter: danke, dankeschön, vielen Dank.“ Und natürlich funktioniert das Ganze prima, denn bei Blunt geht es ja auch oft ums Ganze. „Ich singe jetzt einen romantischen Song, über meinen Hochzeitstag.“ Bei vielen Liedern weht einem der Schmalz derart direkt ins Ohr, dass Mann oder auch Frau unterschiedlich stark sein müssen. Vereinzelt knabbern Paare zu gleichen Teilen an der sehr harmonisch geformten Zuckerwatte. Und davon teilt James Blunt kräftig aus, mit fast allen seinen Hits. „Aber nicht ,You’re beautiful‘, das werde ich heute nicht singen.“ In manchen Augen funkelt trotzdem noch Hoffnung. Stattdessen kramt der Mann mit seiner gut eingespielten Band die allererste Single „High“ heraus. „Da können all die Damen mitsingen, denn das Lied ist so hoch, dass dabei die Hunde anfangen zu heulen.“

Mit Witz und Charme macht James Blunt viel an Boden wieder gut, wo man sonst ohnmächtig und betreten erst auf die Füße und dann zum rettenden Ausgang aus dem wuchernden Rosengarten schauen würde. Und gut, dass man in einer Art schunkelnder Massenhypnose zum Strohhalm greifen und einen Hauch Substanz unter dem schäumenden Beifall aufsaugen kann – ein Lied über Donald Trump. „Das habe ich auf der Nordamerika-Tour aber nicht erwähnt, ich will ja wieder dahinfahren“, witzelt Blunt, der live stimmlich ausdrucksstark und wesentlich rauer klingt als auf Platte. Prompt lädt der Ex-Soldat mithilfe der LED-Wand im Hintergrund zum Freiflug durch zerstörte Kriegsgebiete ein und besingt neue Mauern.

Bei all den gefälligen bis gefallwilligen Weisen sind es weiterhin die Geschichten aus dem Nähkästchen, die dem liebestrunkenen Abend die Stammwürze verleihen. „Ich gebe zu, ich habe vorhin übertrieben, auf der großen Tour war ich kein Headliner. Das war Ed Sheeran. Er hat mir auch gezeigt, wie man Songs schreibt.“ Natürlich weiß Blunt, dass er so etwas nicht nötig hat. Mit „You’re beautiful“ stillt und befeuert er die Sehnsucht des Publikums. Und endlich fasst sich eine Dame mal ein Herz und den Abend sinnstiftend zusammen: „James Blunt ist immer so witzig, ich finde ihn toll, ich liebe ihn.“