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Verwirrspiel um Immobilien-Anzeige

Ein in Meißen mit dem Kornhaus verkauftes Bürgerhaus ist wieder zu haben. Sind die Hotelpläne damit endgültig geplatzt?

© Claudia Hübschmann

Von Peter Anderson

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Am Sonntag zum Weihnachtseinkauf

Streß auf Arbeit und noch keine Geschenke gekauft? Kein Problem: Denn am Sonntag, 8. Dezember, hat der ELBEPARK geöffnet.

Meißen. Es klang so verlockend. Eine weitere Aufzugsanlage sollte Meißens Burgberg von der Seite des historischen Zentrums leichter erreichbar machen. Geplant war, sie im Haus Hohlweg 3 nach oben zu führen und gegenüber dem Ludwig-Richter-Haus münden zu lassen. Zudem sollten Boutiquen in dem denkmalgeschützten Gebäude entstehen. Der Baustart war parallel zum Beginn des Kornhaus-Ausbaus zu einem Fünf-Sterne-Hotel vorgesehen. Vor knapp zehn Jahren entwickelte der Meißner Architekt Knut Hauswald für die italienischen Besitzer von Kornhaus und Hohlweg 3 diese Pläne und berichtete der SZ davon. Passiert ist seitdem nichts.

Stattdessen ist vor wenigen Tagen eine Anzeige im Internet-Portal Immobilienscout 24 aufgetaucht. Gesucht wird darin ein Käufer, der möglichst 450 000 Euro für den Hohlweg 3 mitbringen sollte. Das Haus lasse sich sowohl für Gewerbe, als auch Wohnungen nutzen. Dach und Fassade seien denkmalschutzgerecht hergerichtet, das Innere dagegen entkernt. Es müsse komplett saniert werden, heißt es in der reich bebilderten Annonce.

Mit dieser Anzeige konfrontiert, wehrt der Geschäftsführer der Kornhaus-GmbH Cesare Geat ab. „Das beworbene Haus ist nicht im Eigentum der Venere Immobilien GmbH“, schreibt der in Innsbruck ansässige Anwalt auf Nachfrage. Die von ihm vertretene Venere GmbH wurde Informationen der SZ zufolge 2009 von vier italienischen Gesellschaftern gegründet.

Mehrere Testballons gestartet

Wie Geat weiter mitteilt, befinde sich das Haus Hohlweg 3 „im Eigentum von Privatpersonen, die vermutlich verkaufen wollen.“ Die Verwertung der Immobilie im Zusammenhang mit den Hotelplänen sei nie Gegenstand von Überlegungen seitens der Venere gewesen. Die Gesellschaft beabsichtige nicht, das Kornhaus zu verkaufen.

Widersprüchlich erscheint vor diesem Hintergrund das Engagement der Maklerin Sybille Lindner aus Heidelberg. Diese wird in der Anzeige bei Immobilienscout 24 ausdrücklich als Ansprechpartnerin für den Hohlweg  3 benannt. SZ-Informationen zufolge sucht sie parallel dazu einen Käufer für das leerstehende und ungenutzte Kornhaus. Mit dem Verweis auf diese Aktivitäten hatte sie zudem die Arbeit des Vereins Zahnrad und Zylinder unterbunden, welcher das Denkmal behutsam für die Öffentlichkeit öffnen wollte. Auf Nachfragen zu ihrem Engagement in Meißen erhielt die SZ von Sybille Lindner keine Antwort. Sie befinde sich auf Geschäftsreise, teilte sie lediglich mit.

Tatsächlich ist die jetzt erschienene Annonce nur eine von mehreren Offerten zu Kornhaus sowie Hohlweg 3, die in den letzten Jahren im Netz zirkulierten. So warb im Juni 2016 ein italienisches Büro des Remax-Maklernetzwerks sowohl für den Verkauf des Kornhauses als auch des Brückenhauses. Die jetzt in die Öffentlichkeit getretene Maklerin Sybille Lindner aus Heidelberg ist ebenfalls mit der internationalen Remax-Gruppe verbunden.

Das Dementi des Venere-Geschäftsführers Geat und die wiederholten Angebote im Internet lassen über verschiedene Szenarien spekulieren. So könnten die Italiener nur zum Schein an ihren Hotelplänen festhalten. Denkbar wäre gleichfalls, dass die Venere-Gesellschafter uneins sind, wie mit ihren Immobilien zu verfahren ist.

Unterdessen halten die Freunde des Kornhauses rund um den Verein Zahnrad und Zylinder an dem Vorhaben fest, die Immobilie ins Meißner Kulturleben zu integrieren. Nach Angaben von Aktivisten gibt es weiter regen Kontakt zu den italienischen Besitzern. Für nächste Woche sei zudem ein Treffen mit Vertretern der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und dem Chef-Denkmalschützer des Landratsamtes Andreas Christl angesetzt, heißt es. Auch solle es weitere Veranstaltungen mit Bezug zum Kornhaus geben. Am 10. Juni wird so Kabarettist Uwe Steimle aus dem Buch „Alt-Sachsen“ des Kunsthistorikers Hildebrand Gurlitt lesen.