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Verwirrspiel um Muslimbrüder

In Meißen und Riesa kennt man die vom Verfassungsschutz beobachtete Gruppe SBS längst. Expandiert sie jetzt weiter?

© Uwe Soeder

Bautzen/Meißen. Der Bericht des sächsischen Verfassungsschutzes spricht eine klare Sprache. In Sachsen sei mit der Gründung der Sächsischen Begegnungsstätte (SBS) eine Struktur entstanden, „bei der tatsächliche Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sie über Kontakte zur extremistischen Muslimbruderschaft und der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland e.V, verfügt“, heißt es darin. Mit anderen Worten: Im Freistaat existiert vermutlich eine Vorhut islamistischer Religionsfanatiker.

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In Meißen unterhält die SBS seit Anfang 2017 eine sogenannte Filiale im Gebäude Neugasse 26. Nun scheint es so, als wöllte die Gruppe auch in der Oberlausitz eine Niederlassung gründen. Denn offenbar zeigt die SBS jetzt auch Interesse an der Stadt Bautzen. Das geht aus einem Schreiben des dortigen OBs hervor, das er an die Vermieter der Region verschickt hat. Alexander Ahrens (SPD) befürchtet, dass sich die Organisation in der Stadt ansiedeln will. Dr. Saad Elgazar, Chef der SBS, habe sich um ein Mietverhältnis bemüht, um ein Kulturzentrum aufzubauen, heißt es in dem Schreiben des OB. Bei der jüngsten Stadtratssitzung sprach er öffentlich von seinen Befürchtungen. In diesem Zusammenhang nannte er einen Gebäudekomplex, in dem sich unter anderem der Norma-Markt befindet. Eine dem Verfassungsschutz bekannte Person habe versucht, dort einen Mietvertrag abzuschließen. Dazu sei es jedoch nicht gekommen. Auch deshalb, weil die Stadt den Vermieter vorher gewarnt habe, so Ahrens.

Ein Hinweis dafür, dass die SBS Interesse an Bautzen hat, findet sich auch auf deren Homepage. Bei der Liste der „Filialen“ taucht Bautzen auf, darüber der Vermerk „in Verhandlung“. Zudem berichtet ein Bautzener Vermieter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, dass Saad Elgazar mit ihm bereits gesprochen hat. Der SBS-Chef habe erzählt, dass er nach einem Objekt in Bautzen sucht und angefragt, ob der Vermieter ihm etwas anbieten könne. Das habe dieser aber abgelehnt. Saad Elgazar bestreitet das. Gegenüber der Sächsischen Zeitung betont er, dass er schon lange kein Interesse mehr an einem Objekt in Bautzen hat. Die Angaben auf der Homepage seien nicht aktuell.

Tatsache ist, dass die SBS schon in einigen Städten Aufsehen erregt hat. Nach SZ-Informationen kaufte die Gesellschaft in Pirna ein Haus, um dort ein Begegnungszentrum zu etablieren. Die Mitglieder kündigten Deutsch- und Arabisch-Kurse, Kurse zur Drogenprävention und Nachhilfeunterricht an. Doch bislang gibt es nur vage Aussagen darüber, was sich im Inneren des Hauses tut. In Görlitz mietete die SBS Räume zum Beten. Allerdings fehlte ihnen eine formelle Genehmigung, weshalb sie den Gebetsraum wieder schließen mussten.

Auch in Riesa war die SBS präsent. Dort hatte die Stadt die Nutzung eines Gewerberaums an der Goethestraße als Gebetsstätte untersagt und diese Entscheidung genau wie in Görlitz baurechtlich begründet. Die Muslime in Riesa wollen sich nun unabhängig von der SBS organisieren. Aktuell ist ein Gebetsraum in Altriesa geplant. (SZ)