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Grabstein verschwunden

Ein Angehöriger ist entsetzt: Wo eigentlich eine Steinplatte liegen sollte, klafft eine Lücke. Dann ermittelt die Polizei.

© Sebastian Schultz

Von Christoph Scharf

Zeithain. Hat es so was schon mal gegeben? Dass jemand einen massiven Grabstein stiehlt? „Nein, das ist mir noch nie untergekommen“, sagt Polizeisprecher Marko Laske. Da hatte die Polizeidirektion gerade vermeldet, dass Unbekannte am Mittwoch vom Friedhof an der Zeithainer Kirche eine Grabsteinplatte und Grabschmuck gestohlen hätten. „Immer wieder kommt es vor, dass Platten oder Verzierungen aus Buntmetall von Friedhöfen gestohlen werden, um sie beim Schrotthändler zu Geld zu machen“, sagt Laske. Das sei vor wenigen Jahren – als der Metallpreis noch höher lag – regelmäßig vorgekommen.

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Aber von einem gestohlenen Grabstein hat er noch nie gehört. „Die Motive dafür erschließen sich auch nicht. Der Fall ist schwer nachvollziehbar.“ Der Wert des Zeithainer Steins wurde zwar mit 1 700 Euro angegeben – aber das ist kein Materialwert, sondern im Wesentlichen die Arbeitsleistung des Steinmetzen, der Namen, Geburts- und Sterbedaten auf dem Stein verewigt. Ein Freund des Toten hatte den Fall am Mittwoch angezeigt – und auch angegeben, dass jemand den Grabschmuck entwendet hatte. Der war später – anders als der Stein – in einem Abfallbehälter wieder aufgetaucht.

Keine Störung der Totenruhe

Dafür hat allerdings die Zeithainer Pfarrerin Grit Skriewe-Schellenberg eine Erklärung. „Der Grabschmuck ist nicht gestohlen worden, sondern wahrscheinlich von einer Firma weggeräumt worden.“ Schließlich sei die Bestattung des Betreffenden schon im Februar gewesen, da dürfte der Kranz mittlerweile schon nicht mehr ganz frisch gewesen sein. Und der Grabstein? „Das konnte ich mir am Mittwochnachmittag auch nicht erklären“, sagt die Pfarrerin. Da hatte der Angehörige – ein Freund des Gestorbenen – wütend am Pfarrhaus gestanden, wenig später sei schon die Polizei da gewesen. Da es sich aber um keine kirchliche, sondern um eine weltliche Bestattung gehandelt habe, sei die Pfarrerin in den Vorgang nicht involviert gewesen.

Und so kam die Auflösung des Falls auch erst am Donnerstag, einen Tag nach dem vermeintlichen Diebstahl: „Es hat sich herausgestellt, dass der Grabstein zwar schon bestellt und vorfinanziert war, aber noch nicht geliefert“, sagt die Pfarrerin. Offenbar war der Angehörige fälschlicherweise davon ausgegangen, dass der Stein dort schon hätte liegen müssen. Das Ganze entpuppte sich also als großes Missverständnis, nicht als Störung der Totenruhe. Die Aufregung um den vermeintlichen Grabräuber war damit völlig umsonst.