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Verwirrung um Kaffee-Starke-Verkauf

Das marode Traditionshaus am Rathausplatz schien so gut wie verkauft. Nun aber dementiert der Investor.

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© Archiv/Alexander Schröter

Von Britta Veltzke und Christoph Scharf

Riesa. Was wird aus Kaffee Starke? Diese Frage treibt Riesa seit zwei Jahrzehnten um. Nun ist wieder Bewegung in die Diskussion um das Traditionshaus am Rathausplatz gekommen. Seit vier Jahren gehört es der Wohnungsgesellschaft Riesa (WGR). Dass ein Berliner Unternehmen Interesse am Kauf der maroden Immobilie hat, berichtete die SZ bereits Ende März.

Die WGR-Geschäftsführung überbrachte den Aufsichtsräten in ihrer letzten Sitzung die frohe Botschaft, dass ein Kaufvertrag so gut wie unterschrieben sei. Dort wurde auch kundgetan, dass das Konzept eine neue Kaffee-Rösterei im Erdgeschoss sowie Wohnungen in den Etagen darüber vorsehe. Fertig sein solle das Haus 2019, zur 900 Jahrfeier der Stadt Riesa.

Nach SZ-Informationen handelt es sich bei dem Investor um die Berliner Firma Katzbach Area. Diese beschäftigt sich mit dem An- und Verkauf von Häusern sowie der Sanierung und Errichtung von Gebäuden. Geschäftsführer Malik Kücük mischt laut Handelsregister auch noch in einem halben Dutzend anderer Unternehmen dieser Art mit. Internetseiten, die weitere Informationen über die Firmen liefern, gibt es nur im Einzelfall. Auch Katzbach Area hat keine Internetpräsenz. Der Unternehmenssitz liegt in einem Reihenhaus im Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg.

In einem Telefonat mit Katzbach-Area-Geschäftsführer Malik Kücük am Montag gab dieser an, dass das Geschäft geplatzt sei. Auf Nachfrage bei der Stadt Riesa verwies Baubürgermeister Tilo Lindner an die WGR. Die geht offenbar weiter davon aus, das Gebäude loszuwerden.

Prokurist Reiner Striegler antwortete auf SZ-Anfrage: „Nach unserem Stand der Dinge soll der Notartermin für die Vertragsunterzeichnung demnächst stattfinden. Der Käufer hat erst noch eine Gesellschaft für den Kauf des Kaffee Starke gegründet, die unseres Wissens nach noch im Handelsregister eingetragen werden muss.“ Der Käufer wolle sich danach bei der WGR melden.

Wird das Gebäude nun weiter verfallen – oder ist „der Käufer“ ein ganz anderer als Malik Kücük? Hinweise dafür gibt es. Demnach hat ein Investor seine Pläne für die Zukunft des Hauses im Rathaus vorgestellt, der ebenfalls mit Katzbach Area zu tun haben soll, heißt es aus Kreisen der Verwaltung. Die WGR bleibt optimistisch. „Wir gehen davon aus, dass der Verkauf so durchgeht – auch wenn bei jedem Verkauf noch ein Fragezeichen stehen kann“, sagt Prokurist Reiner Striegler.

Der letzte Rettungsversuch für das Gebäude war im vergangenen Jahr von Kreishandwerksmeister Kurt Hähnichen ausgegangen. Er wollte ein interaktives Handwerksmuseum einrichten. Die Finanzierung war allerdings bis zuletzt unklar. Hähnichen würde es nun aber auch begrüßen, wenn sich ein solventer Investor dem maroden Gebäude annimmt, sagt er der SZ.