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Verzug beim zügigen Internet

Eigentlich soll in Dorfhain schon 2018 modernes Breitband anliegen. Doch so fix geht es nicht – aus einem Grund.

© Symbolfoto: dpa

Von Verena Schulenburg

Dorfhain. Wann kommt endlich schnelleres Internet nach Dorfhain? Diese Frage stellen sich viele Einwohner und Gewerbetreibende in der kleinen Gemeinde am Rand des Tharandter Waldes. „Die Internetverbindung bei mir Zuhause ist so gut wie tot“, klagte ein Dorfhainer am Montagabend vor den versammelten Gemeinderäten. Er sehnt dem digitalen Fortschritt durch Glasfaserkabel bereits entgegen.

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Einen weiteren Schritt in Richtung Breitbandausbau haben die Gemeinderäte in ihrer Sitzung getan: Alle Abgeordneten waren sich darin einig, dass Dorfhain einen Kredit für den Ausbau des schnelleren Internets aufnehmen soll. Ein Grundsatzbeschluss, der zunächst allerdings nicht notwendig zu sein schien.

Fast 3,3 Millionen Euro soll das Projekt insgesamt kosten. Finanzielle Unterstützung hat Dorfhain sicher. Knapp zwei Millionen Euro kommen vom Bund, 977 000 Euro vom Freistaat Sachsen. Damit die Gemeinde auch das verbleibende Geld aufbringen kann, haben sich die Dorfhainer etwas Besonderes einfallen lassen: Ein Großteil der Anwohner und alle Gewerbetreibenden, die dringend schnelleres Internet brauchen, geben Geld dazu: 1 220 Euro pro Firma und 280 Euro pro Einwohner. Ein einzigartiger und genialer Plan. Gäbe es da nicht noch ein Problem.

Im Juli klingelte bei der Dorfhainer Gemeindespitze das Telefon. Die Berliner Nummer brachte die Hiobsbotschaft. Das Bundesfinanzministerium wies die Gemeinde darauf hin, dass aufgrund einer Gesetzesänderung nur noch die Nettokosten für das digitale Betreibermodell gefördert werden, nicht mehr der Bruttobetrag. Trotz der finanziellen Unterstützung, die auch die Dorfhainer zusicherten, klafft nun in der Kasse noch ein Finanzloch von rund 138 000 Euro, wie Heike Linné von der Gemeindeverwaltung bilanziert. Um die fehlenden Kosten für die Mehrwertsteuer zu stemmen, muss Dorfhain den besagten Kredit aufnehmen. Zusätzlich belastet wird der Etat aber voraussichtlich erst im Jahr 2019.

Rathausspitze hält am Plan fest

Entmutigt sind die Dorfhainer trotz der Planänderung nicht. „Die größten bürokratischen Hürden haben wir hinter uns“, sagt Linné zuversichtlich. Im Frühjahr 2018 will die Gemeinde die Bau- und Betreiberleistungen für das Internetprojekt ausschreiben und Angebote einholen. Im kommenden Sommer könnte dann der Internetausbau in Dorfhain starten. Ziel der Gemeinde ist es, bis 2019 das schnelle Internet in den Ort zu holen. Mindestens 100 Megabit pro Sekunde sollen dann in Dorfhain anliegen.

Profitieren werden davon nicht nur alle, die in Dorfhain Zuhause sind. In der kleinen Kommune haben auch rund 50 Firmen ihren Sitz. Für viele Gewerbetreibenden ist die moderne Technik existenziell. Die Firma Jähnig für Felssicherung und Zaunbau beispielsweise wird es ohne eine zügige Verbindung ins Word Wide Web auf Dauer schwierig in Dorfhain haben. Mechaniker genauso wie die Bürokräfte sind auf die Datenverbindung angewiesen.

Bis sich die Dorfhainer aber ruckzuck durchs Internet klicken können, müssen sie sich noch gedulden. Aktuelle Internetverträge können noch getrost auf zwei Jahre abgeschlossen werden. Bürgermeister Olaf Schwalbe (CDU) bleibt aber dabei: „Wir müssen Dorfhain schnellstmöglich anschließen“, sagt er. An einer besseren Digitalisierung arbeiten derzeit viele Kommunen in der Region. Auch für Dorfhain sei es ein „großer Meilenstein“.