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Vettel-Tiefpunkt nach Brachial-Manöver

Wieder ein schwerwiegender Fehler. Sebastian Vettel braucht so nicht an die WM zu denken. Der Rückstand auf Lewis Hamilton ist beängstigend.

Sebastian Vettel und Max Verstappen kollidieren auf der Rennstrecke in Silverstone. © dpa

Von Thomas Wolfer und Jens Marx

Sebastian Vettel versuchte mit verschränkten Armen und grimmigem Gesicht sein brachiales Risiko-Manöver zu erklären, im Hintergrund tönte die britische Nationalhymne für den triumphalen Rekordsieger Lewis Hamilton. Nach dem spektakulären Großen Preis von Großbritannien muss der deutsche Herausforderer im Ferrari die ohnehin geringen Titelhoffnungen fast schon begraben. "Es ist natürlich schon doof. Ich bin natürlich nicht zufrieden. Viel mehr als der vierte Platz wäre aber eh nicht möglich gewesen", sagte er.

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Auf Platz drei liegend raste der 32 Jahre alte Hesse am Sonntag in Silverstone dem niederländischen Red-Bull-Ass Max Verstappen ins Heck. Vettel musste an die Box, kehrte als Letzter auf die Strecke zurück, kassierte eine Zehn-Sekunden-Strafe und wurde 15. am Ende. Mit gesenktem Blick wollte Vettel am Tiefpunkt einer verkorksten Saison nur noch weg, lehnte Autogrammwünsche der Fans ab und verschwand im Motorhome der Scuderia. Der Traum vom ersten WM-Titel scheint in diesem Jahr so gut wie vorbei. Bei Verstappen hatte er sich aber umgehend entschuldigt. "Es geht auf meine Kappe."

Hamilton setzte dafür seinen Triumphzug fort. Der fünfmalige Formel-1-Champion feierte im zehnten WM-Lauf in diesem Jahr den siebten Sieg. "Ich kann nicht sagen, wie stolz ich bin hier zu sein. Man gewöhnt sich nie an sowas", sagte Hamilton. Mit seinem Erfolg am Sonntag vor 141 000 Zuschauern krönte sich Hamilton zudem zum Rekordgewinner im Home of British Motorsport.

Er war von Rang zwei gestartet, profitierte bei einer tadellosen Leistung mit der schnellsten Rennrunde aber auch von einer Safety-Car-Phase. Zweiter wurde Valtteri Bottas im zweiten Mercedes vor Vettels Teamkollegen Charles Leclerc, der damit auch die interne Wachablösung bei der Scuderia gegen den glücklosen und fehlerbehafteten Vettel forciert haben dürfte. "Das war wahrscheinlich das Rennen, das mir in meiner bisherigen Formel-1-Karriere am meisten Spaß gemacht hat", betonte Leclerc.

Im Klassement führt Hamilton mit 223 Punkten vor Bottas (184) und Verstappen (136). Vettel hat 100 Punkte Rückstand auf Rang eins.

Knallhartes Duell

Dabei ging es für ihn nach einer verkorksten Qualifikation tags zuvor eigentlich ganz ordentlich los. Vettel gelang am Start, was Hamilton dort noch nicht schaffte. Er machte einen Platz gut und schob sich an Pierre Gasly im Red Bull vorbei. Das Rennen war vom Sohn des Anfang der Saison gestorbenen Charlie Whiting auch unter den Augen von James-Bond-Darsteller Daniel Craig freigegeben worden. Er und alle anderen bekamen ein Rennen mit der Lizenz zum Mitfiebern geboten.

"Das ist ein unheimlich wichtiger Grand Prix" für Hamilton, betonte Mercedes-Teamchef Toto Wolff unmittelbar vor dem Start. Der mittlerweile 34-Jährige kommt aus dem rund 80 Kilometer entfernten Stevenage.

Zu Beginn blieb der Abstand zwischen den Silberpfeilen klein, Dahinter fuhr Leclerc auf seinen eigentlich schnelleren, weil weicheren Reifen mit einem deutlichen Rückstand von über vier Sekunden. Es folgten Verstappen, Vettel und Gasly. Bis sich der Franzose beim Hessen für das Startmanöver revanchierte, dann aber zum Reifenwechsel an die Box kam.

Eine Runde später folgten Leclerc und Verstappen, an dessen Red Bull vor dem Start wegen einer kaputten Endplatte noch hektisch geschraubt worden war. Heraus kamen die beiden aus der Box in umgekehrter Reihenfolge, Verstappen, Sieger nach einem spektakulären Manöver gegen Leclerc zwei Wochen vorher auf dem Spielberger Red Bull Ring, vor dem Monegassen. Das Duell der beiden 21-Jährigen ging knallhart weiter, wieder lieferten die potenziellen Champions der Zukunft die größte Show. Vettel fuhr nur mit. Glück für ihn: Nach einem Dreher ins Kiesbett von Antonio Giovinazzi im Alfa Romeo kam nach 20 Runden das Safety Car auf die Strecke.

Hamilton kam schnell rein zum Reifenwechsel, Bottas hatte das vorher erledigt. Auch Vettel ließ neue Gummis aufziehen, ebenso ein weiteres Mal Verstappen - das Trio sollte das Rennen ohne weiteren Stopp beenden können. Auch Leclerc wurde von Ferrari noch mal an die Box beordert, und kam als Sechster zurück. "Wie zur Hölle haben wir den Platz verloren", fragte der Monegasse. Vettel lag nun plötzlich auf Rang-Zwei-Kurs - mit Verstappen im Großformat in seinen Rückspiegeln und einem Leclerc mit Wut im Bauch. Als Verstappen dann an Vettel vorbeizog, wollte der gebürtige Heppenheimer kontern. Es endete mit einem wenig weltmeisterlichen Auffahrunfall und dem Tiefpunkt einer bereits bitteren Saison für Vettel - zwei Wochen vor dem Heimrennen auf dem Hockenheimring. (dpa)

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