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Videoüberwachung für Radebeul gefordert

Beinahe täglich wird eingebrochen. Die Anwohner sind verägert. Sogar von einer Bürgerwehr ist die Rede.

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© Fotomontage: Arvid Müller; SZ

Von Peter Redlich

Radebeul. Was ist nur in Radebeul los. Die Stadt wird mehr und mehr zum Tummelplatz von Kriminellen. Am schlimmsten trifft es offenbar den Westen der Stadt. In der Nacht zum Montag vergangener Woche versuchten Einbrecher, in sieben Geschäfte einzusteigen. Im Fahrradladen Tretmühle gelingt es den Dieben, Räder im Wert von 10 000 Euro aus dem Geschäft zu tragen.

Bereits eine Woche zuvor hebelten Diebe direkt an den Wohnhäusern Am Kuffenhaus. Eine Physiotherapie ist hier das Ziel. Die Polizisten der Kripo vom Revier haben viel zu tun beim Spuren sammeln. Das war es dann aber auch schon. Die Bürger und Gewerbetreibenden können sie nicht schützen.

Das wissen die Täter offenbar sehr genau. Fleischermeister Christoph Schempp hat sich gerade mit seinen Kunden über die Installation des ersten Wurstautomaten in Radebeul gefreut. Der Selbstbedienungskühlschrank für alle, die abends oder am Wochenende noch schnell Bratwürste oder Steaks zum Grillen holen wollen, wird gut angenommen. Für 189 Euro hatten Kunden bis zur letzten Sonnabendnacht am Wurstautomaten eingekauft. Doch am Morgen war die Kassenbox brutal aufgebrochen.

Der Fleischermeister hat richtig Wut: „Die sind hier dermaßen brutal vorgegangen, mit Brecheisen und Trennschleifer haben sie den Wurstautomaten völlig zerstört.“ Die gestohlenen 189 Euro sind der geringere Schaden. Der Wurstautomat koste mindestens 3 000 Euro, sagt Schempp. „Ich werde jetzt keinen neuen wieder aufstellen. Das ist doch einfach unverschämt, was sich Einbrecher hier alles in Radebeul erlauben können.“ Er habe schon überlegt, eine Videokamera in dem Raum mit zu installieren. Aber davon sei dann auch jeder Kunde gefilmt worden. Deswegen habe er sich dagegen entschieden.

Auch Kunden der Geschäfte aus der Bahnhofstraße sind empört über so viel Unverfrorenheit und ständig fortgesetzte Einbrüche in Radebeul-West. Im Internet kursieren Kommentare, die eine Bürgerwehr für das Stadtgebiet fordern. Ein älterer Herr sagt voller Wut: „Wenn uns die Polizei nicht beschützen kann, dann müssen eben die Bürger selber auf Wache gehen. Oder die Bahnhofstraße wird zumindest von Videokameras überwacht.“ Eine Idee, die auch Christoph Schempp begrüßen würde. „Die Kamera müsste dann weit oben an einem Haus angebracht sein, damit das abschreckt“, sagt er.

Radebeuls Ordnungsbürgermeister Wilfried Lehmann (CDU) sieht für so eine Videoüberwachung allerdings nur geringe Chancen. „Das gibt es bisher nur objektbezogen an Flughäfen und an Bahnhöfen, wo die Gefährdungslage noch größer ist“, so Lehmann. Für eine Einkaufsstraße in einem Mittelzentrum, wie das Radebeul sei helfe zuallererst nur die Aufmerksamkeit der Bürger. Der Ordnungsbürgermeister: „Die Oma hinter der Gardine, die schnell die Polizei ruft, ist da noch die beste Überwachung.“

Zwar könne jeder Ladenbetreiber mit einem Hinweis an der Tür in seinem Laden installieren, aber eben nicht so, dass der öffentliche Raum gefilmt wird. Lehmann verweist allerdings darauf, dass in dieser Woche wieder die Radebeuler Sicherheitskonferenz stattfinde. „Da werden wir ganz sicher über das Thema sprechen.“

Eine Besprechung, an der auch Revierleiter Hanjo Protze teilnimmt. Protze: „Die Einbruchserien in Radebeul, aber auch in Coswig und Moritzburg beschäftigen uns derzeit sehr.“ Zum Thema Videoüberwachung sagt er, dass die Polizei befristet an besonders gefährdeten Stellen Kameras anbringen könne. Das sei aber sehr aufwendig und auch deshalb schwierig, weil etwa im benachbarten Dresden eine noch höhere Gefährdung bestehe.

Die Kriminalisten im Revier sammeln derzeit alle möglichen Spuren. Protze: „Die kriminaltechnische Arbeit am Tatort werde sehr intensiv betrieben.“ Zugleich werde beraten, ob Zivilkräfte nachts eingesetzt werden könnten. Die Bürger sollten dennoch keine Wunder erwarten.

Allerdings: Erste Ermittlungsansätze hätte die Kripo im Revier Meißen inzwischen. Diese würden in Richtung auswärtige Täter zeigen. Was nicht ausschließe, dass in Radebeul andere Diebe unterwegs seien als in Coswig oder Moritzburg.