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Viel Aufwand am Postplatz

Die traditionsreichen Gebäude der Oberpostdirektion bleiben erhalten. Das kostet Millionen.

© Sven Ellger

Von Peter Hilbert

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"Genial Sächsisch": Die Erfinder live erleben

Fahrradspeichen aus Textil, Dünger, den man essen kann und ein Patent, damit es mit dem Nachwuchs klappt. „Genial Sächsisch“ bringt Forscher auf die Bühne.  

Hoch ragen die roten Stahlgusssäulen inmitten der Ziegelwände empor. Die Farbe ist noch frisch in der großen Halle, die einst die Kantine der um 1880 gebauten Oberpostdirektion war. Jahrelang herrschte hier Ruhe, bot sich ein Bild des Verfalls. Doch jetzt arbeiten Bauleute in dem Komplex direkt am Postplatz. Auf dem rund 10 000 Quadratmeter großen Grundstück zwischen Annen- und Marienstraße, auf dem auch das alte Telegrafenamt steht, saniert die CG-Gruppe die beiden alten Gebäude und errichtet daneben zwei Neubauten mit bis zu sieben Geschossen. 242 Ein- bis Fünfraumwohnungen werden dort entstehen und in den Erdgeschossen Läden, Büros und ein Café.

Für das Großprojekt investiert das Unternehmen rund 63 Millionen Euro. Den Komplex hat die CG-Gruppe bereits an einen Pensionsfonds verkauft. Vermieten will sie die Wohnungen und Gewerberäume aber selbst.

Vor einem Jahr hatten die ersten Arbeiten begonnen. „Trotz des erheblichen Mehraufwands liegen wir im Plan“, sagt der Dresdner CG-Niederlassungsleiter Bert Wilde. Etwa 100 Bauleute sind derzeit aktiv. „Wir haben alle Gründungsarbeiten abgeschlossen.“ Das sei nicht einfach gewesen. Denn es mussten ein großes Mittelspannungskabel und eine Fernwärmeleitung umverlegt werden. Außerdem verstärkten Spezialtiefbauer die Fundamente der Altbauten, damit diese tragfähig sind. Immerhin kommen drei Zusatzgeschosse auf den Altbau der Oberpostdirektion und zwei aufs etwas höhere Telegrafenamt an der Marienstraße. Im sogenannten Hochdruck-Injektionsverfahren wurden Zement, Wasser und Luft in den Untergrund geblasen. Letztlich entstanden Wände aus starken Betonpfählen. Somit wurden die Fundamente um bis zu acht Meter verlängert, sodass sie sicher stehen.

Wegen des schlechten Baugrunds mussten außerdem 200 Bohrpfähle aus Stahlbeton in die Tiefe getrieben werden, um den Neubau an der Annenstraße errichten zu können. Direkt gegenüber der Telekom-Zentrale am Postplatz werden dort im Erdgeschoss ein Café und eine edle Weinhandlung mit Bistro einziehen. Die wird die CG-Gruppe selbst betreiben, kündigt Wilde an. Die Erdgeschosszone des Neubaus wird mit Sandsteinen verkleidet. Sie stammen von dem Altbau , der abgebrochen wurde. „Die Sandsteine sind geborgen und kartiert worden und werden jetzt wieder eingebaut“, verweist der 53-jährige Immobilienfachmann auf dieses besondere Detail der Fassadengestaltung.

Die Tiefgarage mit ihren 106 Stellplätzen ist fertig. Darüber wird der Hof zwischen Telegrafenamt und Oberpostdirektion künftig begrünt, erläutert der Dresdner CG-Chef. Künftig soll es auch eine öffentliche Passage durch die Altbauten zwischen Marienstraße und der Straße Am See geben. Deshalb bleibt der Durchgang im Telegrafenamt erhalten. „Auf der anderen Seite öffnen wir den alten Durchgang der Oberpostdirektion wieder“, sagt Wilde. Einst waren dort die Postkutschen in den Hof gefahren. Später war die Durchfahrt aber verschlossen worden.

Im Inneren werde ebenfalls viel Wert darauf gelegt, alte Bauteile zu erhalten. So sind die Stahlgusssäulen freigelegt und speziell beschichtet worden, sodass sie schmuck aussehen. Allerdings müssen außerdem rechteckige Stahlbetonsäulen errichtet werden, um den Bau zu stabilisieren. Die Hallen der alten Kantine werden zu Büroräumen ausgebaut. Zudem werden zwei Aufzüge installiert. Die alten Ziegelwände bleiben aber erhalten. „Es ist ein immenser Aufwand, die historischen Details zu erhalten“, sagt Wilde. Dafür sei viel Handarbeit nötig. Deshalb werden beim Innenausbau weit mehr als die derzeit eingesetzten 100 Bauleute arbeiten.

Deutliche Konturen hat bereits der Neubau neben dem alten Telegrafenamt an der Marienstraße angenommen. Dort wird am dritten Obergeschoss gebaut. Zwei Etagen kommen noch darüber. Das Äußere werde künftig auch durch einen markanten Vorsprung geprägt. Über den beiden unteren Geschossen wird das Haus knapp vier Meter herausragen. Geplant ist außerdem eine hochwertige Fassade aus gebrannten Keramikplatten, die mit Edelstahlankern befestigt werden.

Die Bewohner werden künftig den Blick über den Postplatz bis hin zum Zwinger genießen können. Allerdings hat das auch seinen Preis. Die Kaltmiete wird zwischen 12,50 und 14 Euro liegen. Geplant ist, den Komplex im Sommer nächsten Jahres zu übergeben. Die Außenanlagen sollen Ende 2018 fertig werden.