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Viel Holz, viele Hütten

Am Donnerstag ist Anmeldeschluss für den sächsischen Unternehmerpreis. Maik Juppe aus Heidenau kommt als Multitalent in die Auswahl.

© Ronald Bonß

Von Georg Moeritz

Shopping-Vielfalt mitten in Dresden

Die Altmarkt-Galerie Dresden bietet mit seinen rund 200 Shops vielfältige Möglichkeiten zum Shoppen und Genießen

Was ein Unternehmer ist, das weiß Maik Juppe ganz genau. Ein Jahr lang war er nämlich mal keiner. Damals hatte er gerade seine Firma an einen Konzern verkauft und wurde dort einer von sieben angestellten Geschäftsführern. Ständig Meetings, ständig Rechenschaft ablegen. Dabei war Maik Juppe es doch gewohnt, mit seinem Partner schnell zu entscheiden.

Ein Unternehmer weiß, wie es ist, bei einer Bank um Geld zu betteln. Er muss reden können, verkaufen, immer nett zu Kunden sein. Geduldig die Vorzüge der Holzverpackung erläutern, auch wenn das Führungskräftetreffen in Prag bevorsteht und dann der Motorrad-Urlaub mit der eigenen Harley. Zwischen zwei Besprechungen bekommt der Unternehmer noch im Stehen etwas zum Unterschreiben angereicht, von seiner Frau, die bei einer Tochterfirma im selben Haus angestellt ist.

Maik Juppe ist erst 45, doch er hat inzwischen in so vielen Branchen Erfahrung gesammelt, dass er nebenbei als Unternehmensberater arbeitet. „Das macht mir Spaß, eigentlich ist es ein Hobby.“ Denn der Heidenauer berichtet gerne aus der Praxis. Mit Theorie kann er nicht viel anfangen: Der gelernte Maschinen- und Anlagenmonteur mit Abitur ließ seinen Maschinenbau-Studienplatz in Chemnitz zur Wendezeit sausen. Mit 23 war er Mitbesitzer einer kleinen Firma, die mit Bürotechnik handelte, bald kam eine zweite Firma dazu – mit blau-weißen LCD-Anzeigetafeln, wie sie in Bahnhöfen hängen. Die konnte er mit 35 Jahren an die Funkwerk AG verkaufen und war schuldenfrei.

Zur Universität ist der Unternehmer trotzdem noch gegangen: Zwei Studenten, die für ihn arbeiteten, nahmen ihn mit zu Vorlesungen in Betriebswirtschaft. Doch er fand es unrealistisch, was der Dozent dort erzählte. Woher soll der auch wissen, wie bunt das Geschäftsleben ist? Juppes Firma Pro Inn Beteiligungen hält Anteile an der Holzindustrie Dresden in Heidenau mit 70 Mitarbeitern, deren Geschäfte er selbst führt. Doch zugleich ist er beteiligt an der Textilfirma Deproc Freizeitartikel in Marienberg – sie handelt vor allem mit warmen Jacken aus China. Juppe zählt weiter auf, womit er sich beruflich beschäftigt: Da ist die Magnesiumgießerei Magnetech in Neukirch in der Oberlausitz, mit 50 Beschäftigten, die gerade für anderthalb Millionen Euro erweitert wird. Die Spielplatzwelt Königstein, der Oldtimer-Händler Mobilforum Classic in Dresden.

Juppe scheint zu befürchten, dass er wegen dieser Firmenmischung für einen sprunghaften Menschen gehalten werden könnte – und erwähnt, dass er mit seiner Frau seit 31 Jahren zusammen ist. Drei Söhne haben sie, der älteste studiert in Dresden, die Zwillinge gehen noch zur Schule.

Der Unternehmer ist abends selten vor neun Uhr zu Hause. Doch er erlebt seinen Alltag nicht nur als Hamsterrad: „Man muss sich auch mal daneben stellen und sich Urlaub gönnen.“ Einige Fotos zeigt er auf seiner Facebook-Seite.

Doch Juppes Hauptarbeitsplatz ist der hölzerne Schreibtisch in der Holzindustrie Dresden, voriges Jahr umgezogen von Dresden-Laubegast nach Heidenau. Viele Dresdner kannten das alte Grundstück wegen der Holzbuden, die dort zur Vermietung standen – Juppes Firma bestückt ein Drittel des Dresdner Striezelmarktes. Doch wichtigster Geschäftszweig sind inzwischen Spezialverpackungen, für Empfindliches aus den Kunstsammlungen oder für eine Riesenmaschine von Trumpf aus Neukirch zum Versand nach China. Juppe zeigt Zertifikate für Luftfracht und für die Schädlingsbekämpfung an Hölzern. 7,5 Millionen Euro soll das Unternehmen dieses Jahr umsetzen. Sachsens Export wachse jährlich um vier bis fünf Prozent, sagt der Firmenchef – davon werde die Holzindustrie profitieren. Die Produkte ändern sich, doch Fichten- und Kiefernholz zum maßgeschneiderten Verpacken sind gleich geblieben. Zwei neue Hallen hat Juppe voriges Jahr bauen lassen, und fürs kommende Jahr hat er sich die nächste vorgenommen.

www.holz–dresden.de; www.juppe.de

Außerdem wurden unter anderem vorgeschlagen:

Dr. Peter Schiekel, SPS Schiekel Präzisionssysteme Dohna; Gunter Bindemann, VSM Maschinen- und Anlagenbau Großrückerswalde; Karsten Alippi, Alippi Sanitätshaus Zwickau; Matthias Kleinke, Piké Lifestyle Leipzig.

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