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Viel mehr als ein Wohnwagen

Das große Nagetusch-Treffen zog am Wochenende die Blicke der Dresdner auf sich. Auch ein prominenter Fan war dabei.

© Sven Ellger

Katalin Valeš und Henry Berndt

Als die Gedenktafel enthüllt wurde, übermannten Manfred Nagetusch die Gefühle. Ein Posaunenchor spielte die Europahymne. Es war die Anerkennung, die sein Vater Richard nie bekommen hatte. Er starb kurz vor der Wiedervereinigung. Da war die Firma Nagetusch längst verstaatlicht worden.

Vergessen wurde sie jedoch nie. Am Sonnabend sorgten 32 liebevoll restaurierte Nagetusch-Wohnwagen für allerhand Aufsehen auf Dresdens Straßen: Ein 400 Meter langer Korso fuhr mit Polizei-Eskorte von Kaitz bis zum Stallhof in der Innenstadt. Dort präsentierten die stolzen Besitzer der DDR-Oldtimer-Wohnmobile ihre Raritäten und ernteten anerkennende, interessierte und wehmütige Blicke.

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Nagetusch-Treff im Stallhof

Selbst in der DDR Geborenen sagt der Name Nagetusch oft nicht sehr viel. Bastei-Wohnwagen, die kennt jeder. Aber Nagetusch? 32 liebevoll gepflegte DDR-Oldtimer dieses Typs waren am Samstag im Dresdner Stallhof zu sehen.
Selbst in der DDR Geborenen sagt der Name Nagetusch oft nicht sehr viel. Bastei-Wohnwagen, die kennt jeder. Aber Nagetusch? 32 liebevoll gepflegte DDR-Oldtimer dieses Typs waren am Samstag im Dresdner Stallhof zu sehen.

Für die meisten DDR-Bürger waren die luxuriösen Reisemobile einst unerschwinglich – auch, weil dafür eine starke Zugmaschine gebraucht wurde. Mit dem Trabant bewegte sich der Anhänger keinen Zentimeter. Vorgestellt wurden die ersten Wohnwagen der Dresdner Firma Nagetusch vor 60 Jahren auf der Leipziger Herbstmesse. Dort sorgten sie aufgrund ihrer Verarbeitung, der hochwertigen Ausstattung und ihres außergewöhnlichen Designs für Begeisterung. Zugelassen waren die Wohnmobile schon damals für Geschwindigkeiten von mehr als 100 Kilometern pro Stunde. Auch heute noch ziehen die Anhänger die Menschen in den Bann.

Neben Wohnwagen-Liebhabern aus ganz Deutschland war auch der Kabarettist Uwe Steimle mit seinem Wartburg-312-Nagetusch-Gespann beim ersten Internationalen Nagetusch-Treffen dabei. Der heute 80-jährige Manfred Nagetusch, Sohn des Firmengründers Richard, war als Ehrengast eingeladen. Er hielt einen Vortrag über die bewegte Firmen- und Familiengeschichte und erzählte dabei private Anekdoten von sich und seinem Vater. Als junger Mann hatte Manfred Nagetusch die Produktion der Wohnwagen in Dresden ausbauen wollen. Im System der Mangelwirtschaft sah er jedoch keine Zukunft für sich und die Firma. Im Alter von 27 Jahren floh er in den Westen. Der Rest ist Geschichte.

„Das Treffen war traumhaft und hat alle Erwartungen übertroffen“, sagte Organisator Frank Hartwig am Sonntag. Viele Bürger hätten am Straßenrand gewinkt und die Gefährte im Stallhof ganz genau unter die Lupe genommen.