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Viel Sonne, viel Ozon

Hitze, UV-Strahlen und Abgas führen dazu, dass die Ozonkonzentration steigt. Das betrifft besonders höher gelegene Orte.

Von Anja Ehrhartsmann

Freital. Auch wenn der Sommer in den vergangenen Wochen gerne mal die ein oder andere Pause eingelegt hat. Die vergangenen Tage waren sommerlich warm. Mit den hohen Temperaturen, steigt aber auch das Risiko, dass die Ozonwerte steigen. Gerade in ländlichen Gebieten, die höher liegen, ist die Konzentration besonders hoch. Warum das so ist, welche Auswirkungen Ozon auf Mensch und Pflanzen hat und wie die Werte an der Messstation in Zinnwald aussehen, zeigt die Übersicht der Sächsischen Zeitung.

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Das Frühjahr wird oft zum Abspecken und für Diäten genutzt. Doch wer nachhaltig fit und gesund bleiben möchte, sollte auf eine andere Strategie setzen.

Fragen zum Ozon

Wie ist die Luftqualität an der Messstation Zinnwald?
Überwiegend sehr gut, wie Karin Bernhardt, Sprecherin des Sächsischen Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie erklärt. Die Grenzwerte für Luftschadstoffe wie Schwefeldioxid, Stickstoffdioxid sowie Staubniederschlag und seine Inhaltsstoffe werden regelmäßig eingehalten. Die gemessenen Konzentrationen erreichten 2017 nur 6 bis 20 Prozent des jeweils zulässigen Grenzwertes. Einzige Auffälligkeit: Die Messwerte für die Ozonkonzentration überschritten die Zielwerte. Dabei gilt, Grenzwerte dürfen nicht überschritten und Zielwerte sollen möglichst eingehalten werden.

Wie sehr lagen die Messwerte über dem Zielwert?
Der Zielwert für die menschliche Gesundheit wurde um 28 Prozent, der für den Schutz der Vegetation um sieben Prozent überschritten. Da hohe Ozonkonzentrationen durch intensive Sonneneinstrahlung gefördert werden, ist dies aufgrund der Höhenlage auf dem Erzgebirgskamm eine übliche Größe, so Karin Bernhardt. Um die Luftverschmutzung zu überwachen, wird in Sachsen ein landesweites Luftmessnetz betrieben. Die Standorte sind so gewählt, dass eine flächendeckende Immissionsüberwachung gewährleistet werden kann.

Heißt das, je höher ein Ort liegt, desto höher die Ozonkonzentration?
Gewissermaßen. Ozon ist ein sogenannter sekundärer Luftschadstoff. Das heißt, es wird nicht direkt aus Schornsteinen ausgestoßen, sondern bildet sich erst aus anderen Schadstoffen in der Luft, zum Beispiel aus Stickstoffdioxid und leichtflüchtigen Kohlenwasserstoffen. Die Ozonbildung wird durch hohe Lufttemperaturen und intensive Sonneneinstrahlung gefördert. Das Paradoxe ist, durch frische Verbrennungsprodukte wie Stickstoffmonoxid, das in Autoabgasen enthalten ist, wird Ozon auch wieder abgebaut. Deshalb sind die Ozonkonzentrationen in Innenstädten mit hohem Verkehrsaufkommen am niedrigsten und in weniger dicht besiedelten, höher gelegenen Gebieten am höchsten.

Wie wirkt sich Ozon auf Menschen und Pflanzen aus?
Wird die Ozonkonzentration von 180 Mikrogramm pro Kubikmeter für mindestens eine Stunde überschritten, können bei Menschen subjektive Befindlichkeitsstörungen wie Husten und Schleimhautreizungen auftreten. Oberhalb von 240 Mikrogramm pro Kubikmeter kann eine Verringerung der körperlichen Leistungsfähigkeit eintreten. Bei Pflanzen treten durch eine hohe Ozonbelastung Blattschäden, verringertes Wachstum und Ertragsverluste auf. Der Grad der Schädigung hängt stark vom Wetter ab und unterscheidet sich von Pflanze zu Pflanze.

Wann treten im Jahresverlauf die höchsten Ozonwerte auf?
Überwiegend von Mai bis September, vereinzelt aber auch mal im April. Für eine hohe Ozonkonzentrationen müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein: Die Vorläuferstoffe müssen vorhanden sein, intensive Sonneneinstrahlung und eine mehrere Tage andauernde stabile Schönwetterperiode, die dazu führt, dass Ozon innerhalb der unteren Luftschichten gespeichert wird. Im Verlauf eines Tages treten die höchsten Ozonwerte nachmittags zwischen 14 und 17 Uhr auf, sagen die Experten.

Kann man sich davor schützen, und wenn ja, wie?
Da hohe Ozonkonzentrationen üblicherweise bei hohen Temperaturen auftreten, kann als Faustregel gelten: Vernünftiges Verhalten bei hohen Temperaturen ist auch vernünftig im Hinblick auf Ozon. Das Umweltbundesamt rät, längere körperliche Anstrengungen in den Mittags- und Nachmittagsstunden möglichst zu vermeiden. Wer draußen Sport machen will, sollte dies am besten in den frühen Morgenstunden tun. Da bei schönem Wetter durch verstärktes Lüften auch mehr Ozon ins Innere gelangen kann, sollte bereits morgens gelüftet werden.

Was kann man tun, um die Ozonwerte zu senken?
Um Gefahren für die Gesundheit zu verringern, muss der Ausstoß der Vorläuferstoffe weiter gesenkt werden, die im Verkehr und durch Lösemittel in Industrie, Gewerbe und privaten Haushalten entstehen. Jeder einzelne kann einen Beitrag leisten, in dem er das eigene Auto weniger benutzt, lösemittelfreie Farben verwendet und weniger Strom verbraucht.

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