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Zustimmung für VVO-Alleingang

Die Idee von Bautzens Landrat Harig, notfalls auch ohne Görlitz zum Verkehrsverbund Oberelbe zu wechseln, finden Fahrgäste gut. Auch Dynamo-Fans wären froh.

© Willem Darrelmann

Von Jens Fritzsche

Bautzen. Diesen Alleingang des Landkreises Bautzen würde offenbar eine Mehrheit der Einwohner begrüßen. Das zeigt sich jedenfalls in den Reaktionen in sozialen Netzwerken auf die Ankündigung von Landrat Michael Harig (CDU), notfalls auch ohne den Landkreis Görlitz komplett dem Tarifgebiet des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO) beizutreten (SZ berichtete).

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Harig kämpft bekanntlich seit Langem hartnäckig um einen einheitlichen Tarif für Ostsachsen und den Raum Dresden. Bisher verläuft die Tarifgrenze zwischen dem VVO und dem Zweckverband Oberlausitz-Niederschlesien (Zvon) quasi quer durch den Kreis Bautzen. Das ist in der Historie begründet; der einstige Kreis Kamenz und die Stadt Hoyerswerda gehörten zum VVO, der alte Landkreis Bautzen hingegen zum Zvon. Durch die Kreisfusion vor zehn Jahren liegen nun also zwei unterschiedliche Tarifgebiete im Landkreis, die Grenze verläuft dabei zwischen Arnsdorf und Großharthau. Das soll sich ändern, vor allem um die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs zu vereinfachen, fordert Harig. Doch bisher scheitert das Thema an Görlitz. Dort sieht man die Gefahr eines „Unterbutterns“ des flachen Landes durch den Großraum Dresden.

Der Landkreis Bautzen lässt derzeit von Wirtschaftsministerium und Landesdirektion prüfen, ob ein Alleingang möglich ist. Sollte das so sein, könnte der Kreistag demnächst den Beitritt zum VVO zum Jahresbeginn 2020 beschließen, machte Harig Anfang der Woche auf Nachfrage der SZ deutlich. Wobei es fraglich scheint, ob die übergeordneten Behörden diesem Schritt tatsächlich zustimmen werden – immerhin würde dann ein Verbund rund um Görlitz übrig bleiben, dessen Wirtschaftlichkeit wohl mehr als fraglich sein dürfte. Zudem hatte der Freistaat die Zuschnitte der Verkehrsverbünde ja einst festgelegt. Ob er nun einzelne „Ausbrecher“ zulassen wird?

Kritik von Nutzern

Dennoch: Bei vielen Nutzern des öffentlichen Nahverkehrs kommt die Idee eines Übertritts des kompletten Landkreises zum VVO-Tarif offenbar an. Das zeigt sich zumindest in den Reaktionen auf den SZ-Plattformen der sozialen Medien wie Facebook und Twitter. Nutzer Andreas Köhler schreibt zum Beispiel bei Facebook: „Hoffentlich klappt das so schnell wie möglich, dann könnte ich endlich das Jobticket meines Arbeitgebers in Anspruch nehmen – und so wird es bestimmt vielen Pendlern gehen, die vom Lande in die Großstadt pendeln.“ Allerdings fürchten auch einige, dass Zug- und Busfahren im VVO-Tarif teurer werden könnte. Der Zvon-Tarif berechnet die tatsächlich gefahrenen Kilometer, der VVO hat Tarifzonen, in denen eine Stunde lang sämtliche Angebote genutzt werden können. Wer also längere Strecken fährt, für den würde es im VVO preiswerter, für Kurzstrecken hingegen nicht. Facebook-Nutzer Pilatus Fischer zum Beispiel kritisiert das: Die Einzelfahrt mit dem Stadtbus in Bautzen koste derzeit 1,50 Euro, im VVO-Tarif würden es dann 2,40 Euro sein. Alexander Maschke hält dagegen: „Selbstverständlich wird der reine Stadtverkehr (Stadtgrenze Bautzen) etwas teurer“, aber dafür könne man dann inklusive aller Umstiege eine Stunde lang fahren.

Michael Wirth bringt zudem einen spannenden Aspekt ins Spiel: „Dann können wir endlich von Bautzen umsonst zum Dynamo-Spiel fahren“, schreibt er. Denn die Eintrittskarten für den Dresdner Fußball-Zweitligisten gelten gleichzeitig als Fahrkarte im gesamten VVO-Gebiet …

Es bleibt also spannend, ob der Alleingang Bautzens möglich wird.