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Viele Autos, aber zu wenig Fußgänger

Auch der nächste Anlauf für mehr Sicherheit auf der Schlossallee ist gescheitert. Im Ortschaftsrat soll beraten werden, wie es nun weitergeht.

© Arvid Müller

Von Sven Görner

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Dass die vorliegenden Zahlen die Entscheider im Kreisverkehrsamt Meißen wahrscheinlich nicht überzeugen werden, hatte Grit Saathoff bereits im Mai vermutet. Gemeinsam mit anderen Mitgliedern des Moritzburger Ortschaftsrat hatte sie da eine Zählung organisiert und durchgeführt.

An drei Tagen – Freitag, Sonnabend und Dienstag – waren von Helfern aus dem Ort in Höhe des Lindengartens die auf der Schlossallee fahrenden Autos und die dort die Straße querenden Fußgänger erfasst worden. Letzteres hatte die Kreisbehörde von der Gemeinde Moritzburg gefordert, um erneut über einen Antrag der Gemeinde Moritzburg für einen Fußgängerüberweg in diesem Bereich entscheiden zu können.

Für die Zählung der Fahrzeuge hatte das Kreisverkehrsamt parallel zu den Aktivitäten der Moritzburger vom 19. April bis 9. Mai ein entsprechendes Gerät an der viel befahrenen Ortsdurchfahrt installiert.

Schließlich wurden alle Daten in Meißen ausgewertet und im Anschluss vor Ort mit den Vertretern der Gemeinde, der Polizei und des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr besprochen. Denn das Amt ist für die Staatsstraße verantwortlich.

Das Ergebnis ist für die Moritzburger ernüchternd und wirft zugleich Fragen auf. Denn wie schon in der Vergangenheit kamen die Verantwortlichen aufgrund der vorliegenden Zahlen und Gegebenheiten erneut zu dem Schluss, dass gemäß der geltenden Vorschriften und Richtlinien ein Fußgängerüberweg an dieser Stelle nicht gerechtfertigt sei. Das Paradoxe dabei ist, dass eine Bedingung dafür sehr wohl erfüllt wird: Die Anzahl der Fahrzeuge spricht für das Anlegen eines Zebrastreifens. Allerdings wechselten während der durchgeführten Zählungen nicht genügend Fußgänger die Straßenseiten.

Doch nur wenn beide Zahlen den Vorgaben entsprechen, sei der Überweg gerechtfertigt. In den Spitzenstunden des Fußgänger-Querverkehrs an einem durchschnittlichen Werktag müssten es demnach mindestens 50 bis 100 Fußgänger sein, bei gleichzeitig 200 bis 300 Kraftfahrzeugen. Empfohlen, so die Einschränkung, würden Überwege aber sogar erst bei 450 bis 600 Fahrzeugen.

Gezählt worden waren die Fußgänger in sechs verschiedenen Sektoren im Bereich nördlich der Kreuzung der Schlossallee mit der Schließer- und der Waldstraße sowie dem Bahnübergang. Aus Sicht des Amtes in Meißen können allerdings nur die beiden Abschnitte nördlich der Kreuzung Beachtung finden. Dort sollte der Überweg angelegt werden. Um ihn zu nutzen, so die Begründung, müssten die Fußgänger, die die Schlossallee in den übrigen Sektoren gequert haben, zu weite Umwege in Kauf nehmen. Untersuchungen würden zeigen, dass Fußgänger selbst kleine Umwege nicht akzeptieren würden.

Grit Saathoff widerspricht dem nicht generell, ist aber auch der Meinung, dass Schulkinder durch entsprechende Unterweisungen durchaus zu einer Nutzung veranlasst werden könnten. „Wenn wie jetzt kein sicherer Weg da ist, geht natürlich jeder über die Straße, wo es ihm gerade passt.“

Im Ortschaftrat soll nun beraten werden, wie es in der Angelegenheit weitergehen könnte. Die Gemeinde kann der Entscheidung des Landkreises nicht widersprechen. Sollte ein Moritzburger privat einen erneuten Antrag stellen, wäre das dagegen anders.