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Viele Bäume bleiben vorerst liegen

Da die Heide-Sturmschäden im Raum Ullersdorf nur mühsam zu beräumen sind, geht der Forst ungewöhnliche Wege.

© Thorsten Eckert

Von Jens Fritzsche

Wie geht's Brüder

Eine Reportagereise durch Osteuropa 30 Jahre nach dem Umbruch auf Sächsische.de

Radeberg. Dass seine Leute auch in diesen Wochen noch richtig gut zu tun haben werden, war Heiko Müller klar. Der Forstchef für die Dresdner Heide hatte ja schon kurz vor Weihnachten darauf hingewiesen, dass vor allem im Bereich Ullersdorf in der Heide noch reichlich Sturmschäden zu beseitigen sind – und dass Waldbereiche rund um den Stausee möglichst nicht betreten werden sollten. Der Herbsturm Herwart hatte ja auch in der Heide gewütet; „und ein Großteil der Schäden konnte wegen des nassen Wetters bisher noch nicht aus dem Wald geholt werden“, so der Forstchef.

Was er nicht ahnen konnte: Wenig später wütete der nächste Sturm. Tief Friederike nämlich. „Das ist schon der dritte Sturm in sieben Monaten“, sagt Heiko Müller kopfschüttelnd. Und er rechnet mit etwa 25 000 Festmetern gekappter Bäume. „Damit ist in wenigen Stunden so viel Holz umgefallen, wie wir im ganzen Jahr schlagen“, macht er die Dramatik deutlich. Und hinzu kommen eben noch die rund 8 000 Festmeter, die nach dem Sturm Herwart noch zu beräumen sind … „Die gesamte Aufbereitung des Schadholzes im Staatswald wird sich sicher bis Oktober hinziehen“, ist der Heide-Forstchef überzeugt.

Wurzel-Teller bleibt dran

Und so lange werden die Waldbesucher auch mit dem Anblick zahlreicher umgestürzter Nadelbaum-Riesen samt der dicken Wurzel-Teller rechnen müssen. Das hat übrigens einen ganz besonderen Grund, macht Heiko Müller deutlich. „Auf den durch die monatelangen Niederschläge aufgeweichten Böden sind in der Dresdner Heide besonders viele Fichten umgefallen, in der Laußnitzer Heide traf es besonders die Kiefer“, sagt er. Und: „Wir werden nun viele Bäume über Monate am Wurzel-Teller lassen – damit leben sie noch lange Zeit weiter und wir können die Aufarbeitung strecken.“ Die Wurzeln dienen quasi als „Blumentopf“ … Das Ganze ist dabei einerseits wichtig für die Holzvermarktung, unterstreicht der Forstchef. „Die Abnehmer können nicht alles Holz in so kurzer Zeit verarbeiten und natürlich brauchen sie auch im Herbst noch Holz.“ Andererseits sind derzeit in weiten Teilen der Heide die Böden und Wege derart aufgeweicht, dass die schweren Forstmaschinen dort jetzt tiefe Spuren hinterlassen würden. Was wiederum die nächsten Schäden nach sich ziehen würde. „Deshalb bleiben diese Bereiche noch bis in trockenere Zeiten unbearbeitet“, so Heiko Müller. Was wiederum auch ein bisschen den Druck von den Waldarbeitern nimmt, „denn die Kapazitäten der Waldarbeiter und Forstunternehmer sind natürlich begrenzt“, stellt der Forstchef klar. Waldarbeiter und Lehrlinge des Forstbezirks seien derzeit zunächst damit beschäftigt, Wege und die Anpflanzungen der letzten Jahre freizuschneiden, Zäune wieder aufzubauen. „Im Laufe dieser Woche beginnt die Aufarbeitung mit dem Harvester in Ullersdorf und dann auch im Bereich Langebrück“, nennt Heiko Müller die nächsten Schritte in der Heide.

Für die Waldbesucher heißt das: Die Sturmschäden werden noch lange für Einschränkungen sorgen. Auch wenn die allgemeine Sperrung der Heide seit Montag aufgehoben ist. „Einige Teile der Heide bleiben aber weiter gesperrt“, macht der Forstchef klar. Diese Bereiche sind mit Warnschildern gekennzeichnet. Die meisten Hauptwege sind aber wieder begehbar, freut sich Heiko Müller. Und er warnt dringend, Waldbereiche mit Sturmschäden zu begehen. „Es fallen noch immer Bäume um; auch abgebrochene Kronenteile stürzen ab“, zählt der Forstchef wirklich lebensgefährliche Probleme auf. „Dort, wo Waldarbeiter und die Harvester-Besatzungen Holz aufarbeiten, sollte man sich in jedem Fall an die Absperrungen halten“, warnt Heiko Müller dringend. „Wer das ignoriert, begibt sich in Lebensgefahr!“ Leider, fügt er an, leider gebe es immer wieder Unbelehrbare …

Brennholz-Nachfrage derzeit groß
Aus Sicherheitsgründen lehnt die Forstverwaltung derzeit auch die im Moment zahlreichen Nachfragen nach Brennholz ab, das Interessierte gern selbst im Wald aufarbeiten wollen. „Die Unfallgefahren für Ungeübte sind einfach zu hoch“, weiß Heiko Müller. Zudem fehle es meist an der notwendigen technischen Ausstattung.