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Viele Fragen zum Asylheim Wehrsdorf

600 Leute drängten sich bei der Infoveranstaltung in der Turnhalle. Nicht auf alles bekamen sie Antwort.

© Uwe Soeder

Von Katja Schäfer

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Riesig war der Andrang bei der Infoveranstaltung zum geplanten Asylheim in Wehrsdorf am Donnerstagabend. Schon eine halbe Stunde vor Beginn waren nur noch einzelne der 300 Stühle in der Turnhalle frei. Letztendlich gab’s nicht mal mehr Stehplätze. Geschätzt 600 Leute wollten hören, was Vertreter von Landratsamt, Gemeinde und Polizei zu sagen hatten und ihre Fragen und Sorgen loswerden. Die SZ fasst die Hauptthemen zusammen:

Wie viele Asylbewerber und Flüchtlinge kommen nach Wehrsdorf?

Der Landkreis Bautzen mietet zwei Etagen einer früheren Schule an, vorerst für fünf Jahre. Zuerst werden in einer Etage 46 Plätze geschaffen. Die ersten Bewohner ziehen im zweiten Quartal ein. Genaue Termine sind noch nicht bekannt. „In der anderen Etage sollen ab Herbst 50 weitere Plätze bereitstehen“, sagte Grit Borrmann-Arndt, die die Stabsstelle Asyl des Kreises leitet.

Kann die Gemeinde Sohland Einfluss darauf nehmen, wer kommt?

Nein. Der Landkreis Bautzen erfahre selbst immer erst drei Tage vorher, wie viele Asylsuchende er aktuell zugeteilt bekommt, aus welchen Ländern und ob sie allein oder in Familie sind, sagte Landrat Michael Harig (CDU). Er versicherte, dass die Kreisverwaltung sich bemühe, sie so auf die einzelnen Unterkünfte im Landkreis aufzuteilen, dass es möglichst wenig Konflikte gebe. Geert Runge, Dezernent im Landratsamt, sagte dazu: „Es wird versucht, die jungen Nordafrikaner gleichmäßig zu verteilen.“

Wie wird für die Sicherheit gesorgt und wie ist der Brandschutz geklärt?

„Der Betreiber wird von uns verpflichtet, eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung sicherzustellen“, versicherte Grit Borrmann-Arndt. So sei ständig ein Ansprechpartner vor Ort – für die Heimbewohner und auch die Wehrsdorfer. Nach Aussagen des Leiters der Polizeidirektion Görlitz, Conny Stiehl, wird die Polizei mit dem Betreiber ein Sicherheitskonzept erarbeiten – für das Heim und das Umfeld. „Wir werden die Lage beurteilen und entsprechende Maßnahmen treffen“, so der Polizeipräsident. Bürgermeister Matthias Pilz (CDU) berichtete, dass der Brandschutzbedarfsplan der Gemeinde in Hinblick auf das Heim überarbeitet werde. Probleme sieht er dabei nicht, schließlich hätten sich in der Schule viel mehr Menschen aufgehalten.

Wer bezahlt den Umbau des Gebäudes und die Unterbringung?

Den Umbau der Schule, die zeitweise auch als Firmensitz gedient hat, bezahlen weder der Landkreis noch die Gemeinde. „Es ist Sache des Vermieters, das Gebäude so herzurichten, dass wir es als Asylunterkunft anmieten können“, sagte Grit Borrmann-Arndt. Der Landkreis Bautzen bekommt über das Land für jeden Asylbewerber eine Pauschale von 7 600 Euro im Jahr. Davon müssen Unterbringung, Betreuung, die medizinische Versorgung und der Unterhalt, den jeder Asylbewerber bekommt (ab März 352 Euro pro Monat), bezahlt werden. Für ihre Verpflegung und Kleidung sind die Asylsuchenden selbst zuständig.

Wem gehört das Gebäude und wer wird das Asylheim betreiben?

Die ehemalige Schule hat einen privaten Besitzer. Nähere Auskünfte dazu gab es in der Info-Veranstaltung nicht; auch nicht zur Höhe der Miete, die der Landkreis künftig zahlt. Grit Borrmann-Arndt erwartet, dass der Mietvertrag noch in diesem Monat unterschrieben wird. Danach könne man über solche Details informieren. Der Vermieter sei aber nicht der Betreiber. Wer das Heim betreibt, ist noch offen. „Wir sind daran interessiert, jemanden aus der Region zu gewinnen, der möglichst Erfahrungen damit hat“, sagte die Leiterin der Stabsstelle Asyl und kündigte an, den Betreiber öffentlich vorzustellen, wenn er feststeht.

Wie werden Kinder der Heimbewohner in Schulen und Kitas integriert?

Schulpflichtige Kinder von Asylbewerbern und Flüchtlingen werden in speziellen Klassen mit Deutsch als Zweitsprache unterrichtet. Solche Klassen gibt es zum Beispiel in Bischofswerda. Dort sollen die Schüler aus dem Wehrsdorfer Heim integriert werden. „Kita-Plätze müssen Asylbewerber genauso beantragen, wie jeder andere auch und Wartezeiten in Kauf nehmen“, betonte Grit Borrmann-Arndt.

Werden für die Heimbewohner in Wehrsdorf Sprachkurse angeboten?

Zurzeit werden spezielle Kurse an der Volkshochschule eingerichtet. „Außerdem haben wir gute Erfahrungen damit gemacht, dass Ehrenamtliche Sprachunterricht anbieten“, sagte Grit Borrmann-Arndt und ermunterte die Bürger von Wehrsdorf und Umgebung, sich auf diese Art und bei der Integration der Asylbewerber ins Dorf, zum Beispiel in Vereine, zu engagieren.

Gibt es schon Initiativen für Willkommenskultur?

Auf Facebook hat sich zum Beispiel schon eine Gemeinschaft gegründet, die unter dem Titel „Wehrsdorf für Weltoffenheit und Respekt“ eine Willkommenskultur für Flüchtlinge und Asylsuchende im Ort schaffen will.

Die nächste Veranstaltung in Wehrsdorf zum Thema Asyl soll im Februar stattfinden. Der Termin ist noch offen.

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