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Viele Kleinkinder nicht gegen Masern geschützt

Obwohl die letzte große Masernwelle vier Monate lang grassierte, lassen sich Dresdner Eltern Zeit mit der Impfung. Vor allem bei den Jüngsten kann sich das Virus gut ausbreiten.

© dpa

Von Sandro Rahrisch

Die letzte große Masernwelle hat ihre Spuren in Dresden hinterlassen: Eine Schule musste kurzzeitig schließen, bei einer weiteren fehlte ein Viertel der Schüler. Nicht nur, dass sich vor zwei Jahren insgesamt 165 Menschen an zwölf Schulen, Kitas und Horten mit dem Virus infizierten. Rund 900 Kinder und Jugendliche sowie 77 Mitarbeiter mussten darüber hinaus zu Hause bleiben, weil nicht klar war, ob sie überhaupt einen gültigen Impfschutz hatten. Vier Monate grassierte der Erreger.

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In Dresden können sich die Masern vor allem bei den Jüngsten gut ausbreiten. Gerade einmal 79 Prozent der 15 Monate alten Kinder sind geimpft, wie das Robert-Koch-Institut für Infektionskrankheiten mitteilt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollten sie die erste Teilimpfung erhalten haben, empfehlen die Experten. Immerhin: Viele Eltern holen die Spritze nach: Bis zum Ende des zweiten Lebensjahres sind schon 96 Prozent der Kinder geimpft.

Ein zweiter Piks ist für einen größtmöglichen Schutz aber unerlässlich. In allen Bundesländern wird den Eltern deshalb empfohlen, bis zum Ende des zweiten Lebensjahres die zweite Impfung abzuholen. Nur die sächsische Impfkommission macht eine Ausnahme und lässt den Eltern bis zur Schuleingangsuntersuchung Zeit.

Das Ergebnis: Mit einem Alter von zwei Jahren haben gerade einmal 45 Prozent der Dresdner Kinder die zweite Impfung erhalten. Damit steht die sächsische Landeshauptstadt auf Platz 14 der deutschen Kommunen mit der niedrigsten Impfquote in diesem Alter. Immerhin steigt die Rate bis zum Schuleingang auf 73 Prozent an, wie die letzte Untersuchung der Dresdner Amtskinderärzte gezeigt hat. Komplett ohne Masernschutz waren im Schuljahr 2014/15 nur 2,5 Prozent der Kinder. Über den Impfstatus von Erwachsenen liegen keine vollständigen Daten vor, sagt Gesundheitsbürgermeisterin Kristin Kaufmann. Zwar wurden bei der Masernwelle 2015 Tausende Impfausweise kontrolliert. Zahlen nannte die Stadt damals aber nicht.

Trotzdem, eine höhere Impfbereitschaft sei wünschenswert, sagt Georg Heubner, Chefarzt der Kinderklinik am städtischen Klinikum. Der letzte Masern-Durchbruch 2015 habe gezeigt, dass eine Stadt wie Dresden auch heutzutage gefährdet ist. Oft werde unterstellt, die Masern seien eine harmlose Kinderkrankheit. „Dabei gibt es immer wieder vereinzelte Todesfälle“, so der Mediziner.

Bei etwa jedem zehnten Erkrankten treten Komplikationen auf. Zu Beginn zeigen sich zum Beispiel hohes Fieber, Husten und Schnupfen. Anschließend entstehen auf der Haut die typischen roten Punkte. Weil das Immunsystem geschwächt ist, haben es Bakterien leicht, sich im Körper auszubreiten. Zu den gefürchtetsten Komplikationen gehört die Gehirnentzündung.

Georg Heubner sieht die Empfehlung, sich mit der zweiten Impfung bis zur Schule Zeit zu lassen, kritisch. „Die Impfbereitschaft ist in den ersten zwei Jahren noch hoch. Mit fünf, sechs Jahren sehen wir dann eher eine Impfmüdigkeit.“ Eine Pflicht, sich gegen Masern zu schützen, gibt es in Deutschland nicht. Eltern steht es also frei, ob sie ihre Kinder impfen lassen möchten. Viele lehnen dies bewusst ab, etwa aus Angst vor Nebenwirkungen.

Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärungen treten bei etwa zwei bis fünf Prozent der Geimpften Masern in abgeschwächter Form auf. Diese sind jedoch nicht ansteckend und würden ohne Folgen wieder abklingen. Ein erhöhtes Risiko, an Autismus oder Morbus Crohn zu erkranken, bestehe nicht. Die Impfung ist kombiniert mit Stoffen gegen Mumps und Röteln.

Während die Masern in diesem Jahr bereits in Leipzig und Chemnitz wieder ausgebrochen sind, wurden in Dresden bislang keine neuen Fälle gemeldet. Allerdings gab es im vergangenen Jahr 13 Erkrankungen. So ist das Virus bei mindestens drei Kindern in der Erstaufnahmeeinrichtung an der Bremer Straße nachgewiesen worden. Sie wurden isoliert. „Für eine Entwarnung ist es jedoch zu früh“, sagt Kristin Kaufmann. Die Fachleute rechneten damit, dass 2017 ein Jahr mit vergleichsweise vielen Masern-Fällen werden könnte. Ballungsräume seien besonders betroffen. Sie rät allen, ihren Impfstatus zu überprüfen. Auch die städtische Impfstelle an der Bautzner Straße impft.

Trotz der niedrigen Impfquoten in den ersten Lebensjahren bei Dresdner Kindern, so zeigen die Zahlen des Robert-Koch-Instituts auch, dass die Impfbereitschaft in den letzten Jahren zugenommen hat. Sind heute 79 Prozent der 15 Monate alten Kinder durch die erste Spritze geschützt, waren es 2004 nur 62 Prozent.