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Viele Schulen in Sachsen mit Radon belastet

Das radioaktive Edelgas übersteigt in Klassenräumen den erlaubten Wert. Nur ein bisschen zu lüften, reicht oft nicht aus.

© Symbolfoto: Jonas Güttler/dpa

Andrea Schawe

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Dresden. Derzeit wird in 142 Schul- und Kindergartengebäuden in Sachsen die Konzentration von Radon gemessen. Die Ergebnisse der ein Jahr dauernden Messungen in 224 Schulen liegen dem sächsischen Umweltministerium schon vor. In 84 der Schulen, in denen seit 2015 Messungen durchgeführt wurden, tritt das radioaktive Edelgas stärker auf, als es der EU-Referenzwert erlaubt. Das geht aus einer Antwort des Umweltministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Petra Zais hervor.

Radon ist ein natürliches Edelgas, das beim radioaktiven Zerfall von Uran entsteht und praktisch überall auftritt. Es gilt als krebserregend. Deswegen schreibt eine europäische Richtlinie zum Strahlenschutz einen Wert von maximal 300 Becquerel pro Kubikmeter an Arbeitsplätzen und in Aufenthaltsräumen vor.

47 Schulen, in denen die Radonkonzentration höher als erlaubt ist, liegen in ehemaligen Bergbaugebieten im Erzgebirgskreis, in Mittelsachsen, im Vogtlandkreis und im Landkreis Zwickau sowie im Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. In Dresden sind 26 Schulen belastet, in zehn Gebäuden wird der Referenzwert deutlich überschritten – er liegt im Jahresdurchschnitt über 600 Becquerel pro Kubikmeter. Der höchste Wert wurde mit 5 900 Becquerel pro Kubikmeter in der 48. Grundschule gemessen. Eine deutlich erhöhte Radonkonzentration ergab sich auch in vier Schulen im Landkreis Görlitz.

„Bei den 300 Becquerel pro Kubikmeter handelt es sich um einen Referenzwert – eine Überschreitung ist nicht unmittelbar gesundheitsschädlich“, sagt Bianca Schulz, die Sprecherin des Umweltministeriums. „Aber natürlich sollte man versuchen, die Radonkonzentration auf ein geringstmögliches Maß zu reduzieren.“ Das Umweltministerium empfiehlt , die Räume rechtzeitig vor der Nutzung zu lüften. In Gebäuden, in denen eine sehr hohe Konzentration des Edelgases festgestellt wird, sollte umgebaut werden. Ein Förderprogramm für Radonsanierungen in Schulen gibt es nach Angaben des Umweltministeriums nicht. Allerdings seien solche Bauarbeiten über das Schulhausbauprogramm förderfähig.

„Panik ist sicher fehl am Platz“, sagt Petra Zais. Allerdings seien die Werte „besorgniserregend“. Die Landtagsabgeordnete kritisiert vor allem mangelnde Transparenz. Eltern, Schüler und Lehrer seien teilweise nicht ordentlich informiert worden. „Angesichts der teils deutlich erhöhten Werte ist es mit ein bisschen Lüften wohl nicht getan“, sagt sie. Gerade in Keller- und Erdgeschossräumen, wo die Konzentration am höchsten ist, müssten bauliche Veränderungen vorgenommen werden. Sie fordert, diese Gebäude bei Sanierungen vorrangig zu behandeln.