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Viele Unfallfahrer suchen das Weite

Beim Einparken nicht richtig hingeschaut, schon ist der Kratzer am Kotflügel da. In Sachsen entziehen sich viele Autofahrer der Verantwortung.

© dpa/Arno Burgi

Dresden. In Sachsen werden immer mehr Menschen wegen Unfallflucht verurteilt. Wie das Statistische Landesamt in Kamenz der Deutschen Presse-Agentur mitteilte, stieg die Zahl derer, die wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort vor Gericht belangt werden, von 2013 bis 2017 von gut 2.400 auf mehr als 2.500 an.

Der Clubsyndikus des ADAC Sachsen, der Leipziger Rechtsanwalt Thomas Kuhne, spricht von einem "großen Problem". Er warnt: Viele Unfallflüchtigen wüssten nicht, welche Konsequenzen ihnen drohten, selbst wenn der verursachte Schaden gar nicht so groß war.

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"Einen Zettel hinter den Scheibenwischer - das ist nicht genug", betont Kuhne. Bei einem Schaden von mehr als 1.300 Euro drohten eine Geldstrafe in Höhe von etwa zwei Monatseinkommen, drei Punkten in der Flensburger Verkehrssünder-Datei sowie der Entzug der Fahrerlaubnis. "Die Fahrerlaubnis ist dann richtig weg, muss regelrecht neu erteilt werden. Das ist erst nach sechs oder gar zwölf Monaten möglich."

Ein Zettel am Scheibenwischer reicht nicht, wenn man einen Kratzer oder eine Beule in ein fremdes Auto gefahren hat. © dpa/Jens Wolf

Bei Schäden unter 1.300 Euro werde die Fahrerlaubnis nicht entzogen, aber mit einer Geldstrafe, einem dreimonatigen Fahrverbot und zwei Punkten müsse der Verurteilte rechnen, sagt Kuhne. Die Punkte werden nach fünf Jahren gelöscht.

Wird das Verfahren jedoch wegen geringen Verschuldens möglicherweise gegen eine Geldauflage eingestellt, ist auch das nicht ohne Tücken. "Damit räumt der Betreffende ein geringe Schuld ein", warnt Kuhne. "Dann fordern möglicherweise die Haftpflichtversicherer die an den Unfallgegner schon gezahlten Leistungen zurück." Bei Blechschäden könnten das rasch bis zu 2.500 Euro sein.

Deshalb empfiehlt der Rechtsanwalt: "Auch wenn der Schaden gering scheint - Polizeinotruf 110 anrufen und fragen, was zu tun ist. Dann wird in der Regel zunächst nur ein vergleichsweise geringes Verwarngeld von 35 Euro fällig."

Bei einer Unfallflucht ist nach Einschätzung des Chemnitzer Verkehrspsychologen Bernd Wiesner in etwa drei Viertel der Fälle Alkohol im Spiel. "Manche fahren sogar nach Hause, warten bis Alkohol nicht mehr nachgewiesen werden kann und stellen sich dann. Ich hatte solche Fälle."

Es komme aber auch vor, dass die Betreffenden die Nerven verlieren und instinktiv die Flucht antreten. "Unfälle sind selten, die Menschen sind darauf nicht vorbereitet, geraten in Stress und reagieren irrational. Manche sagen hinterher, dass sie sich ihr Handeln selbst nicht erklären könnten."

Zudem glaubt Wiesner, dass die Polizei zu wenig kontrolliert. "Viele glauben, es werde schon gut gehen." Zahlen der Staatsanwaltschaft Chemnitz deuten darauf hin, dass sie damit möglicherweise Recht haben. Den Angaben zufolge lagen vergangenes Jahr 4.848 Anzeigen wegen Unfallflucht vor, jedoch nur 390 Fälle wurden aufgeklärt. (dpa)