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Vielfalt mit Nähmaschine

Immer mehr Gruppen nutzen das ehemalige Frauenzentrum. Aber reicht das für die Zukunft?

© Dietmar Thomas

Von Jens Hoyer

Döbeln. Im Herbst 2017 war der Verein Treibhaus ein Risiko eingegangen. Er mietete von der TAG Wohnen die Räume des früheren Frauenzentrums Regenbogen, um sie als Treffpunkt für verschiedene Gruppen weiterzubetreiben. Ohne zu wissen, ob es sich rechnen wird. Bis Ende des Jahres soll eine Entscheidung fallen, ob das Engagement fortgesetzt wird, denn das Haus soll sich durch die Betreibung tragen. „Im Sommer wird es dazu eine Diskussion im Vorstand geben“, sagte Stephan Conrad, Beisitzer im Vorstand des Vereins. Dann muss der Verein wieder einen Antrag auf finanzielle Förderung beim Kulturraum Erzgebirge-Mittelsachsen stellen.

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Schlecht ist das Projekt nicht angelaufen. Es kommen immer mehr Gruppen, die die Räume an der Zwingerstraße nutzen wollen, sagte Judith Sophie Schilling, Geschäftsführerin des Vereins. Inzwischen hat das Projekt einen eigenen Namen: „Haus der Vielfalt“. „Es ist ein Begegnungszentrum. Die Vielfalt ist dort besonders sichtbar“, sagte Schilling.

In den Räumen treffen sich Tanz- und Sportgruppen. Zur Vielfalt gehört das Nähcafé, das einer der festen Mieter der Räume ist. Begonnen hatte alles im Café Courage an der Bahnhofstraße – ein wenig geeigneter Ort für das Projekt, weil nach jedem Nähabend die Maschinen beiseite geräumt werden mussten. Die Frauen treffen sich jede Woche. Es sei jetzt auch gelungen, Fördermittel aus dem lokalen Aktionsplan des Landkreises Mittelsachsen zu bekommen, um im Nähcafé Workshops anbieten zu können, sagte Judith Sophie Schilling. So gibt es in den nächsten Wochen noch einen Schultüten-, einen Häkel- und einen Handtaschen-Workshop. Und es wird auch gemeinsam geschmaust. Da das Nähcafé von Frauen mehrerer Nationalitäten besucht wird, gibt es nicht nur ein sächsisch-norddeutsches Dinner, sondern auch indische und afghanische Dinner mit typischen Gerichten des jeweiligen Landes.

Auch eine Fotogruppe hat sich in den Räumen fest eingemietet. Anderen Gruppen nutzen die Möglichkeiten für ihre regelmäßigen Treffen und zahlen dafür einen Kostenbeitrag. Neu dazugekommen sie jetzt die Selbsthilfegruppe Frauen nach Krebs und eine weitere Tanzgruppe, so die Geschäftsführerin. „Die Gruppen wollen alle dableiben. Und es können noch mehr werden. Wir sind noch nicht an unserer Kapazitätsgrenze.“ Auch die Nachfrage für private Feiern habe zugenommen. Die Mieter können dafür den Seminarraum mit Küche und den Innenhof nutzen. Für größere Feste steht auch die „Scheune“ mit zwei größeren Mehrzweckräumen zur Verfügung. Dazu gibt es auch Stühle und Tische. In den Seminarraum passen 30, in die Scheune bis zu 80 Leute.

Die Koordination des Hauses hat dem Verein Treibhaus eine Menge zusätzlicher Arbeit beschert. „Wir haben uns das leichter vorgestellt. Diese Arbeitsbelastung haben wir nicht vorhergesehen“, sagt Stephan Conrad. „Es ist klar, dass nicht alles von heute auf morgen klappt. Aber wie haben die Hoffnung, dass sich die Gruppen zunehmend selbst organisieren. Alle sollten das als ihr Haus begreifen. Wir werden schauen, ob es Programme vom Jobcenter gibt, damit man mit einer Stelle das Projekt unterstützen kann.“