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Vier Monate bis zum Ziel

Im Juni wollen Michelle und Robby Kluge ihren ersten Triathlon bewältigen. Wir begleiten die beiden auf ihrem Weg.

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© Sven Ellger

Von Anna Hoben

Nein, sie haben sich nicht abgesprochen. Es ist Zufall, dass sie zum Fototermin am Blauen Wunder beide in roter Jacke und blauen Jeans gekommen sind. Nein, sie sind nicht verwandt. Dass sie denselben Nachnamen tragen, auch das ist Zufall. An diesem Vormittag treffen sie sich zum ersten Mal: Michelle Kluge und Robby Kluge, sie 29, er 25 Jahre alt. Beide haben eine Mission: Sie wollen zum ersten Mal an einem Triathlon teilnehmen.

In den kommenden Wochen wird die Sächsische Zeitung sie in einer Serie begleiten: ihre Vorbereitung, ihre Fortschritte, ihre Zweifel. Ende Juni ist es dann so weit: Beim Dresdner City-Triathlon, der in diesem Jahr zum zweiten Mal stattfindet, wird sich zeigen, wie der Härtetest ausgeht, ob die beiden Kluges von unerfahrenen Debütanten zu gestählten Läufern, Schwimmern und Radfahrern geworden sind.

Raureif glitzert, ein strahlender Wintervormittag am Elbufer, bestes Laufwetter. Hier, wo Michelle und Robby sich gerade zum ersten Mal die Hände schütteln, ist der Startpunkt des Triathlons. Hier werden sie spätestens am 26. Juni wieder stehen und auf den Startschuss warten. Beide wollen die große Variante absolvieren: zehn Kilometer Laufen, 40 Kilometer Radfahren, 3,5 Kilometer Schwimmen. Bei der kleineren Strecke halbieren sich die Lauf- und Radelstrecken, die Schwimmstrecke bleibt gleich. „Das würde mich aber nicht reizen“, sagt Michelle. Wenn schon, denn schon. Keine halben Sachen.

Die Dresdnerin, die eine Sparkassenfiliale leitet und sich nebenbei mit einem BWL-Studium weiterbildet, fing 2014 mit dem Laufen an. Ihre beiden Söhne waren damals zwei und drei Jahre alt. Schon im Jahr darauf lief sie zwei Halbmarathons. Sie bezeichnet sich als sehr ehrgeizig und ist immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen, aber auch nach Methoden zur Entspannung neben dem Berufs- und Familienleben. „Ich brauche etwas zum Ausgleich“, sagt sie. Freunde von ihr entdeckten im Januar den Artikel, mit dem die Sächsische Zeitung nach Triathlon-Neulingen suchte, um über sie zu berichten. Sie sagten: „Das wär’ doch was für dich.“ Michelle bewarb sich – und wurde genommen. Genau wie Robby darf sie nun kostenlos starten. Außerdem werden die beiden auf den Vorjahressieger Christian Otto treffen, der mit ihnen etwas trainieren und Tipps zur Vorbereitung geben wird.

Wenn es allein ums Laufen geht, braucht Michelle die kaum. Die Ausdauersportart liegt ihr. „Da kann ich schön den Kopf abschalten.“ Obwohl das auch mal anders war. „Ich habe mal mit vier Kilometern angefangen, 40 Minuten dafür gebraucht und gedacht, oh Gott, nie wieder.“ Inzwischen will sie aufs Laufen nicht verzichten. Gerade hat sie bei einem Lauf im Spreewald 30 Kilometer absolviert.

Fahrradfahren hingegen ist überhaupt nicht ihr Ding. „Ich hasse es.“ Bisher war sie bei Familienausflügen immer die Letzte, obwohl ihr Mann noch den Anhänger mit den Kindern hinten dran hatte. Das soll sich nun ändern. Zu ihrem 30. Geburtstag im März wünscht sie sich ein Cyclocross-Rad, das zwischen Rennrad und Fitnessbike angesiedelt ist. Auch die Kinder sind schon ganz enthusiastisch. Der Fünfjährige wünscht sich ebenfalls ein größeres Fahrrad. „Er will jetzt unbedingt mit mir mithalten“, sagt Michelle und lacht.

Bei Robby verhält es sich mit den Vorlieben umgekehrt. Der hauptamtliche Feuerwehrmann muss sich von Berufs wegen fit halten, fährt gern Rad und geht schwimmen. Im Fitnessraum macht er gern Kraftsport. „Nur Laufen ist nicht so meins“, sagt er. Der 25-Jährige wollte eigentlich letztes Jahr schon beim Triathlon mitmachen. Weil sein Arbeitgeber ihm jedoch nicht frei gab, blieb ihm nichts anderes übrig, als die Pläne zu verschieben. Schließlich bekam er das Wochenende doch frei und beteiligte sich als Helfer. „Ein bisschen neidisch war ich schon auf die Sportler“, räumt er ein. Er freut sich aufs Training; einen Plan hat er allerdings noch nicht aufgestellt.

In der Bucht am Blauen Wunder schauen Michelle und Robby auf die Elbe. Beide waren noch nie drin. „Am besten machen wir das vorher zusammen mal“, sagt Robby. „Nicht dass jemand die Feuerwehr ruft: hilflose Person!“ Die Abmachung steht. Doch bis es dafür warm genug ist, fließt noch einiges an Wasser die Elbe hinab.

Anmeldung: www.dresdentriathlon.de. Sportbegeisterte Flüchtlinge (30 Plätze) dürfen kostenlos starten.