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Vogelgrippe-Sorge im Tierpark

Die Gefahr, dass der Virus im Bischofswerdaer Zoo ausbricht, besteht. Schutz gibt es nicht. Aber sensible Hühner, die im Ernstfall warnen.

© Thorsten Eckert

Von Carolin Menz

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Die Stockenten drehen ihre Runden im Hustegraben. Die Hühner gackern. Die Enten schnattern. Viel Leben auf und um den Teich im Bischofswerdaer Tierpark. So wie immer. Doch was wäre wenn? Was wäre, wenn sich eines der Tiere anstecken würde mit dem gefährlichen und hochansteckenden Vogelgrippevirus H5N8? Auszuschließen ist es nicht, wie Bischofswerdas Zoochefin Silvia Berger sagt. Und doch will sie gar nicht einmal daran denken, was wäre wenn. Wenn es soweit käme wie im Rostocker Zoo. 60 Tiere mussten dort getötet werden oder starben, darunter auch Ibisse, Nacht- und Seidenreiher, weil die Vogelgrippe aufgetreten war. Fast zehn Tage musste der Zoo geschlossen bleiben. Erst seit wenigen Tagen ist er wieder offen.

Hühner zeigen als erstes Symptome

„Das ist dramatisch, was sich dort abgespielt hat, auch weil viele wertvolle Tiere gestorben sind“, so Silvia Berger. Mit ihrem Team habe sie die Geschehnisse in Mecklenburg-Vorpommern genau verfolgt, mit dem Veterinäramt stehe sie in ständigem Kontakt. Das Thema Vogelgrippe ist präsent. Eines, über das man sich durchaus Sorgen machen muss im Schiebocker Zoo. 40 Gänse und Enten leben hier, mehr als 20 Hühner. Noch dazu Papageien, Sittiche, Fasan. Bei einem Ausbruch des Virus H5N8 wären sie alle gefährdet.

Konkrete Vorsichtsmaßnahmen aber hat Silvia Berger noch keine ergriffen. Eine ganz natürliche Vorsichtsmaßnahme sind die Hühner im Tierpark. „Seit 2006, als die Vogelgrippe in unserer Region und bei uns im Tierpark schon einmal Gefahr war, haben wir die Auflage, Hühner und Enten gemeinsam zu halten“, sagt Silvia Berger.

„Sentinel-Haltung“ heißt das in der Fachsprache. „Die Hühner sind die Indikatoren für die Vogelgrippe. Sie zeigen im Gegensatz zu Enten oder Gänsen sehr schnell an, dass etwas nicht stimmt und im schlimmsten Fall der Virus ausgebrochen ist.“ Hühner sind dann matt, fressen wenig, zeigen Schwellungen am Kopf und leiden an Atemnot. Stirbt eines dieser Hühner in so einem Fall, wird es – wie jedes andere tote Tier aus dem Tierpark auch, an die Landesuntersuchungsanstalt übergeben. „So hat man relativ schnell Klarheit, ob die Vogelgrippe ausgebrochen ist“, sagt Silvia Berger. Hühner stehen bei ihr deshalb unter genauer Beobachtung.

Wildenten sind ein Risiko

Denn die Gefahr lauert immer, dass sich Vögel anstecken können – von Wildenten. Sie sind ständige Futtergäste auf dem Tierparkteich, den sie problemlos anfliegen können aus der Luft. Zehn bis 15 Tiere sind regelmäßig da, sagt Silvia Berger. Sollte eine Gastwildente krank sein, wäre die Ansteckung einer Tierpark-Ente nahezu logische, wenn auch bittere Konsequenz. „Unsere Enten wären die ersten Vögel, die befallen sein würden, wenn es zum Ausbruch kommen würde.“ Das Risiko, dass Wildenten mit dem Virus infiziert sind, ist besonders hoch, da sie auf Seen auf viele Vögel treffen. Gerade jetzt im Winter sammeln sie sich in Scharen – und steigt das Vogelgrippe-Risiko. Die Gastenten vom Tierpark-Teich einzufangen, sei kaum möglich, sagt Silvia Berger. „Restlos schützen können wir uns also nicht.“

Für den Ernstfall gibt es einen Handlungsplan

Und was wäre wenn? Wenn der Ernstfall doch eintreten würde? „Dann würde der Notfallplan in Kraft treten. Enten und Gänse müssten wir einfangen und in den Carport einsperren. Er ist überdacht und luftdurchlässig. Wir müssten einfach nur große Türen einhängen, die immer bereitstehen“, so die Zoochefin. Die Hühner müssten in den Stall, sämtliche Volieren der Fasanerie und die Gehege, in denen Vögel als Untermieter leben, müssten abgedeckt werden. „Vor allem das Einfangen und Wegsperren wäre für Tiere Stress pur“, sagt Silvia Berger. Noch will sie hoffen, dass es zur Stallpflicht nicht kommt, die in Teilen des Landkreises Bautzen vorsorglich nach wie vor gilt, wie es auf Anfrage aus dem Landratsamt heißt.

Nachdem im November auf Rügen eine Wildente am H5N8-Virus starb, wurde daraufhin in immer mehr Regionen Deutschlands Freilandhaltung untersagt und Stallpflicht angeordnet – im Landkreis Bautzen am 4. Dezember. Demnach müssen Gänse, Hühner, Enten und Fasane in geschlossenen Ställen untergebracht sein, wenn sie in vom Veterinäramt definierten Risikogebieten leben, also an größeren Gewässern einschließlich eines Ufersaums von 500 Metern. Risikogebiete sind unter anderem der Bautzener Stausee, der Olbasee, der Deutschbaselitzer Großteich, der Knappensee, der Silbersee und der Spreetaler See.

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