merken

Volksbank prüft alternative Versorgung mit Bargeld

Gegen die geplante Schließung der Filiale in Kittlitz kommen immer mehr Unterschriften zusammen. Die Bank reagiert.

Von Constanze Junghanß

FLORIAN -Die Fachmesse für Feuerwehr, Zivil- und Katastrophenschutz

Vom 10. bis 12. Oktober 2019 werden auf der FLORIAN die Technologien der Zukunft für Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz gezeigt.

Die geplante Schließung der Volksbank-Filiale in Kittlitz beschäftigt die Leute im Ort sehr. Gefallen lassen wollen sie sich das nicht und starteten jüngst eine Unterschriftenaktion. Einerseits, um ihren Unmut zu dieser Entscheidung über die Köpfen der Einwohner hinweg zu zeigen. Andererseits in der Hoffnung, doch noch ihre Filiale retten zu können. Am Einlass beim Park- und Schlossfest am vorigen Wochenende lagen die Listen aus. Mit dem schriftlichen Hinweis, sich gegen die Schließung zu wehren und auch das Wohl der Kinder und Enkelkinder im Blick zu behalten. Knapp 200 Unterschriften wurde dabei bis zum vorigen Sonnabend gesammelt. Mittlerweile sind über 300  Unterschriften zusammengekommen. Diese Zahl nennt Andreas Zimmermann, der die Aktion mit ins Leben rief. Zum Vergleich: Bis zur Eingemeindung 2003 hatte Kittlitz mit 15 Ortsteilen rund 2 700 Einwohner. Bis Ende September liegen die Listen im Ort weiter aus.

Die Kittlitzer Filiale gehört zur Volksbank Löbau-Zittau. Wolfgang Zürn, Vorstand des Geldinstituts, zeigt gegenüber den Einwohnern sogar Verständnis. „Wir können die Gedanken, Beweggründe und auch die Verärgerung unserer Kunden in Kittlitz gut nachvollziehen“, sagt er. Es sei allerdings so, dass bereits 53,3 Prozent der privaten Kunden das Online-Banking nutzen. Bei den Firmenkunden sind es bedeutend mehr. Fast jedes Unternehmen aus der Region greift da bei der Abwicklung der finanziellen Geschäfte auf das Internetangebot zurück. 94,6 Prozent der Firmenkunden der Volksbank machen das vom Computer aus. Diese Zahlen sprechen für sich. Was die digitale Welt bisher aber nicht kann: Bargeld mit dem eigenen Rechner abheben, um dieses dann ins Portemonnaie oder die Haushaltskasse zu stecken. Genau das scheint aber in Kittlitz der Knackpunkt und größtes Problem der Einwohner zu sein. Denn wer künftig Geld abheben möchte, muss dafür nach Löbau kommen. „Aufgrund der Aufgabe des Filialstandorts kann auch die SB-Technik aus Kostengründen von unserer Bank nicht mehr aufrechterhalten werden“, heißt es vonseiten der Volksbank. Für Menschen mit Handicap wird ein damit verbundener Weg ebenso wenig einfach sein, wie für Leute, die kein eigenes Fahrzeug haben und auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind. Der fährt auch nicht rund um die Uhr, so wie in Großstädten. Der Nahverkehr sind die Buslinien, die nicht ständig im Einsatz sein können. Wolfgang Zürn wirbt trotzdem um Verständnis. „Sicherlich kann jeder diese Entscheidung nachvollziehen, zumal wir mit unserem Standort in Löbau auf der Bahnhofstraße einen gut erreichbaren Filialstandort dauerhaft vorhalten“, sagt er. Dazu komme, dass die Kittlitzer Bürger und Kunden der Bank schon heute die Große Kreisstadt Löbau zum Einkaufen und für das Dienstleistungsangebot nutzen würden.

Bei der Stadt Löbau selbst bleiben Presseanfragen zum Thema unbeantwortet. Medienreferent Marcus Scholz teilt lediglich mit, dass es derzeit keine Antworten gibt. Begründung: Wegen der Vorbereitungen zum Tag der Sachsen würde die Zeit für die Beantwortung von Presseanfragen zu diesemThema fehlen.

Umso ausführlicher antwortet der Volksbank-Vorstand. Zürn erklärt, die Entwicklung der digitalen Welt würde sich weiter fortsetzen und könne auch von der Volksbank nicht aufgehalten werden. Zahlreiche Banken und Sparkassen hätten in den letzten Jahren schon darauf reagiert und das Filialnetz deutlich verkleinert. Innerhalb der letzten zehn Jahre machten 10 055 Bankenfilialen in Deutschland die Schotten dicht. Jetzt gibt es noch 34 045 Filialen im Land. Dieser Trend lasse sich nicht aufhalten. Im Gegenteil: Wolfgang Zürn prognostiziert eine Zunahme solcher Standortschließungen. Wobei sich die Volksbank Löbau-Zittau viele Jahre mit der Zusammenlegung von Standorten zurückgenommen habe. Innerhalb von 15 Jahren wurde nur eine Filiale geschlossen. Die befand sich in Lauba.

Im Juni dieses Jahres wurde die Entscheidung öffentlich gemacht, dass die Kittlitzer Filiale im Ort nicht mehr zu halten ist. Das betrifft ebenso die Filiale in Großhennersdorf. Zwei Standorte also, die künftig wegfallen werden. Noch steht kein konkretes Datum für die Schließung fest. Fakt ist allerdings, dass dieses Aus im kommenden Jahr ansteht. Nun gibt es sogar einen Hoffnungsschimmer für die Bewohner der Orte, der bis dato noch gar nicht öffentlich zur Sprache kam. „Wir beschäftigen uns aktuell mit der Möglichkeit, an den Standorten in Kittlitz und Großhennersdorf eine Bargeldversorgung zu organisieren“, sagt Wolfgang Zürn. Käme es tatsächlich dazu, dann wäre das wahrscheinlich eine akzeptable Lösung für die Menschen in den beiden Dörfern.