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Volksbank vor großer Fusion

Mit 2016 sind die Vorstände zufrieden. Der Blick in die Zukunft schwankt zwischen Optimismus und Sorge.

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© Robert Michalk

Von Ulli Schönbach

Bautzen/Kamenz. Schlechte Aussichten für Sparer, gute Zeiten für Häuslebauer und eine große Bankenfusion in Ostsachen – das sind die zentralen Vorhersagen der Volksbank Bautzen für das neue Jahr. Gemeinsam stellten die drei Vorstände jetzt den Geschäftsbericht für 2016 vor. Dabei zogen Klaus Otmar Schneider, Tilman Römpp und Remo Teichert nicht nur Bilanz, sondern blickten auch in die Zukunft – mit einer Mischung aus Optimismus und Sorge. Die SZ fasst ihre wichtigsten fünf Prognosen für 2017 zusammen.

Die Vorstände der Volksbank Bautzen (von links): Klaus Otmar Schneider, Remo Teichert und Tilman Römpp.
Die Vorstände der Volksbank Bautzen (von links): Klaus Otmar Schneider, Remo Teichert und Tilman Römpp. © Volksbank Bautzen

Prognose 1: Der Sparstrumpf der Kunden bleibt prall gefüllt

Die auffälligste Tendenz in der Volksbank-Bilanz: Die Kunden halten ihr Geld zusammen. Trotz der Niedrig-Zinsen legten sie 2016 erneut mehr Geld auf die hohe Kante als im Jahr zuvor. Konkret wuchs der Wert der Kundenanlagen, den die Bank betreut, um sieben Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Damit lag dieser Betrag im dritten Jahr in Folge über der Milliarden-Grenze.

Für die Chefetage der Volksbank ist der gut gefüllte Sparstrumpf allerdings kein Grund zur Freude. Die Entwicklung sei ein Zeichen großer Verunsicherung, sagt Tilman Römpp. „Die Kunden wissen nicht, was auf sie zukommt. Sie halten sich deshalb alle Optionen offen.“

Dies zeige sich auch bei den Anlageformen: Neue Gelder fließen trotz mieser Zinsen fast immer auf Tagesgeldkonten. Die Kunden scheuen langfristige Bindungen. Auch beim Thema Aktien halten sie sich zurück. „Wir führen hierzu viele Beratungsgespräche“, sagt Tilman Römpp. Denn gerade die Geldanlage in Aktiensparverträge sei jetzt empfehlenswert.

Prognose 2: Immobilien sind nach wie vor ein sicherer Hafen

Der zweite große Trend ist keine Überraschung: Viele Privatleute nutzen das niedrige Zinsniveau, um ein Haus zu bauen oder ein Eigenheim zu kaufen. „Viele Hausbesitzer investieren zudem in ihre Immobilie, zum Beispiel in neue Sicherheitstechnik“, sagt Vorstand Remo Teichert. Die Geschäftszahlen des vergangenen Jahres spiegeln das deutlich wider. Demnach wurden durch die Volksbank Bautzen im Privatkundengeschäfte Kredite im Wert von 48 Millionen Euro neu zugesagt oder vermittelt. Ein sattes Plus von 14 Prozent.

Anders bei den Firmenkunden: Hier sank das Volumen der neuen Kredite um neun Prozent auf 107 Millionen Euro. Eine Folge des harten Wettbewerbs unter den Banken, sagt Tilman Römpp.

Prognose 3: Die Zinsen bleiben auch 2017 in Europa niedrig

Mit einer Zinswende rechnen die Volksbanker auch 2017 nicht. Zwar ziehen in den USA die Zinsen bereits wieder an. „Für Europa sehen wir diese Entwicklung jedoch nicht“, sagt Tilman Römpp. Dabei würde er lieber eine andere Vorhersage treffen: „Die aktuelle Finanzpolitik schadet dem deutschen Sparer und stranguliert über die Zeit die ortsansässigen Banken.“ Denn die niedrigen Zinsen setzen die Geldhäuser doppelt unter Druck. Zum einen verdienen sie kaum noch etwas an ihren eigenen Kapitalanlagen, zum anderen sinkt die Gewinnspanne im Kreditgeschäft. Alte Verträge, die noch zu höheren Zinsen abgeschlossen wurden, laufen mehr und mehr aus. Daher schlägt dieser Effekt immer stärker auf die aktuellen Zahlen durch.

Prognose 4: Das Ergebnis der Bautzener Volksbank wird weiter sinken

Trotz aller Schwierigkeiten, unterm Strich steht die Bank noch immer gut da. Das Betriebsergebnis ist gesunken. Vor dem Abzug von Steuern und Risikovorsorge lag es bei 8,6 Millionen Euro. Allerdings bewegt es sich damit nur leicht unter dem Vorjahreswert. Die Bankvorstände hatten vor dieser Entwicklung bereits Anfang 2016 gewarnt. An dieser Prognose halten sie auch für die kommenden Jahre fest: Bis 2020 rechnen sie mit einem jährlichen Minus beim Betriebsergebnis von zehn Prozent.

Prognose 5: Die Bankenfusion in Ostsachen wird ein Erfolg

Um auf diesem Weg nicht in die Krise zu rutschen, steuert die Bank bereits seit einem Jahr gegen. Anfang 2016 kündigten die Vorstände der Volksbanken in Bautzen und Dresden eine Fusion beider Häuser an. Das Ziel: Die größte ostdeutsche Regionalbank außerhalb Berlins zu schaffen. In diesem Herbst könnte es so weit sein – allerdings nur, wenn die Vertreterversammlung der Fusion mit einer Mehrheit von mindestens 75 Prozent zustimmt. Gewählt werden die Vertreter von den 25 000 Mitgliedern der Genossenschaftsbank.

Sorge vor einem Veto hat Vorstand Klaus Otmar Schneider allerdings nicht: „Dresden ist ein dynamischer Markt und ein attraktives Geschäftsgebiet, davon werden wir profitieren.“ Dennoch sei die Fusion kein Abschied aus Bautzen, versichert Tilman Römpp. Sitz der neuen Bank soll zwar Dresden sein, die Hälfte der Mitarbeiter soll aber auch künftig in der Zentrale in der Bautzener Goschwitzstraße tätig sein. Festgeschrieben sei zudem, dass wegen der Verschmelzung keine Filiale geschlossen und kein Mitarbeiter entlassen werden darf. Ein Stellenabbau ist zwar vorgesehen – von 360 auf 320 Vollzeit-Stellen. Dieser soll jedoch freiwillig erfolgen, zum Beispiel über Abfindungen, Ruhestandsregelungen und Teilzeit-Verträge.

Vom Erfolg dieses Wegs sind die Vorstände fest überzeugt. So fest, dass Klaus Otmar Scheider sogar schon über weitere Schritte spricht. Strategisch biete sich eine Fusion auch mit den Volksbanken im Landkreis Görlitz an. Ob die Entwicklung so komme, sei zwar noch vollkommen offen. „Doch wenn, sind wir strategisch gut aufgestellt und können auch diesen Prozess aus einer Position der Stärke gestalten.“