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Volle Dröhnung Meißen

Die Late-Night-Show „Kaffee und Kosmos“ im Meißner Theater hat das Zeug zum Kult. Es gibt nur ein Hindernis.

© ANNE HUEBSCHMANN

Von Peter Anderson

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Meißen. Da geht noch etwas an der Abendkasse. Die Schlange zieht sich am Freitag kurz vor sieben durch das ganze Theaterfoyer. Winzer Georg Prinz zur Lippe, im dunklen Zweireiher, ignoriert die Wartenden und eilt zur Garderobe. Das darf er. Er gehört zu den Bühnengästen in Meißens erster Late-Night-Show „Kaffee und Kosmos“. „Die Show lebt von interessanten Menschen, die aus der Stadt selbst kommen und die hier manchmal mehr und eben sehr oft auch weniger bekannt sind“, sagt Ideengeber und Moderator Martin Quilitz. Die Talente und Könner aus Meißen und Umgebung sollen an diesem Abend im Theater eine Bühne erhalten. Eine Neugier auf das Experiment ist durchaus gegeben. Maler Jochen Rohde kommt aus Ickowitz herbeigeeilt. Die frühere Sprecherin der Porzellanmanufaktur Meissen, Gundela Corso, hat sich vom Jagdsteig aus auf den Weg gemacht. Hahnemann-Jünger Helge Landmann wird unter den Gästen gesichtet. Aktuelle Stadträte und Vertreter des Rathauses machen sich dagegen rar. Rund 300 Besucher sind zur Premiere erschienen. Die Atmosphäre gleicht einem Klassentreffen. Eher locker. Wein- und Biergläser werden mit in den Saal genommen.

Der Saal wird dunkel. Lokal-Matador Micha Winkler und seine Kosmonauten legen los. Das Trio hält die linke Seite der Bühne besetzt. Rechts hat Moderator Quilitz auf einem weißen Barhocker Platz genommen. Die Meißner seien von ihrem überbordenden Temperament her als Argentinier des Ostens bekannt, witzelt Quilitz. Der Witz wird sich als Running Gag durch den Rest des Abends ziehen. Lauter Beifall und Jauchzer sind die Reaktion.

Nach der Einlage drei tanzender Elfen schwingt sich Tanzstudio-Chef Jiri Novak in den Talk-Hocker. Das Prinzip wird sich in den nächsten drei Stunden wiederholen. Künstlerische und artistische Einlagen wechseln sich ab mit Gesprächsrunden. Quilitz hält das Tempo straff. Er versteht es, die richtigen Fragen zu stellen, seinen Partnern Anekdoten zu entlocken, die den Saal zum Brüllen bringen. Wer hätte gedacht, dass Wessi Georg Prinz zur Lippe so vortrefflich einen Soldaten der Sowjetarmee zu imitieren vermag, der an seinem ersten Abend in den Neunzigerjahren plötzlich vor dem Weinberghäuschen auftauchte und Diesel gegen Alkohol tauschen wollte?

Das Tempo bleibt hoch. Eine Nummer wechselt die nächste ab. Viel gibt es zu lernen: Zum Beispiel, dass es in Deutschland einst Tausende Bandoneon-Spieler gab und die Quetschkommode ursprünglich im Erzgebirge hergestellt wurde. Bandoneon-Virtuose Jürgen Karthe stiehlt Quilitz die Show. Aber der ist darüber gar nicht böse.

Helfer legen Matten aus. Die Kampfkünstler des Meißner Aikido-Vereins stellen sich vor. Im Theater wird es still. Nur das Fallen der Körper ist zu hören. Aikido-Pionier Lars Gallasch erklärt, was hinter allen steht. Es gehe darum, die Energie des Partners aufzufangen und umzuwandeln, sagt Gallasch. Eine Attacke sei in der Kampfkunst Aikido nicht möglich.

Allmählich fällt es schwer, dem Feuerwerk an Attraktionen zu folgen. Aus den angekündigten zwei Stunden werden letztlich drei. Die Pause nimmt unnötig Spannung heraus und gibt einigen Angehörigen der Bühnengäste die Gelegenheit, sich aus dem Staub zu machen. Das Klatschen fällt mittlerweile schwer, obwohl es Darsteller und Interview-Gäste verdient hätten. Klasse-Programm, nur kann der Otto-Normalbesucher, der acht Stunden arbeiten war und am Samstagvormittag einkaufen und saubermachen muss, wirklich über drei Stunden folgen?