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Volles Einsatzjahr

Die Ottendorfer Kameraden rückten 2017 zu 50 Prozent mehr Einsätzen aus. Schuld war nicht die Autobahn.

© Thorsten Eckert

Von Nadine Steinmann

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Ottendorf-Okrilla. Egal, ob im tiefsten Winter, an einem herrlichen Sommertag oder mitten in der Nacht: Wenn bei den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Ottendorf-Okrilla ein Notruf eingeht, müssen die Ehrenamtlichen alles stehen und liegen lassen, um auszurücken. Denn im schlimmsten Fall ist ein Menschenleben in Gefahr. 2017 ertönten die Sirenen der Gemeindefeuerwehren besonders oft. Denn insgesamt 156 mal mussten die Kameraden – ob aus Medingen, Grünberg, Hermsdorf oder Ottendorf – durch die Großgemeinde düsen, um zu helfen. Das seien nach Angaben von Wehrleiter Tobias Kröner immerhin stolze 50 Prozent mehr Einsätze als im Jahr 2016.

Doch woher kommen die vielen zusätzlichen Einsätze? Ein Hochwasser gab es glücklicherweise nicht und auch die Serie der Brandstiftung im Rödertal war im vergangenen Jahr abgeklungen. Und die Autobahn? Immerhin sorgte die für besonders viele Schlagzeilen. Pannen-Baustellen, zahlreiche Unfälle und kilometerlange Staus gehörten 2017 zum Alltag auf der A 4. Mussten die Kameraden aus Ottendorf hier besonders oft helfen? „Die Feuerwehren aus Hermsdorf und Ottendorf sind grundsätzlich für den gesamten Abschnitt zwischen Ottendorf-Okrilla und Dresden-Nord zuständig“, erklärt der Gemeindewehrleiter. Allerdings kann er die Vermutung, dass die Autobahn für das volle Einsatzjahr gesorgt hat, nicht mit den nötigen Fakten untermauern. „Natürlich gab es auch dort ein paar Einsätze, die glücklicherweise oft glimpflich abgelaufen sind“, erklärt Tobias Kröner auf Nachfrage der Sächsischen Zeitung. Am häufigsten mussten die ehrenamtlichen Retter allerdings tatsächlich im eigenen Gemeindegebiet ausrücken. „Wir hatten noch nie so viele Türöffnungen wie im vergangenen Jahr“, löst der Gemeindewehrleiter das Rätsel um die zahlreichen Einsätze.

Auch Türöffnungen bei den Einsätzen mit dabei

Doch worum geht es dabei überhaupt? Wer sich selbst ausgeschlossen hat, muss schließlich den Schlüsseldienst rufen und dafür ordentlich Geld auf den Tisch legen. Doch wann kommt die Feuerwehr, um eine Tür zu öffnen? „Das passiert dann, wenn ein Notruf abgesetzt wird, weil beispielsweise die Oma die Tür nicht mehr öffnet“, erklärt Tobias Kröner. In der Sorge, dass etwas passiert sein könnte, ruft die Verwandtschaft dann die freiwilligen Kameraden. „Normalerweise haben wir maximal drei bis vier Türöffnungen pro Jahr“, so der Wehrleiter. 2017 habe sich die Anzahl der Einsätze aber vervierfacht. „Deswegen spielen wir auch mit der Überlegung, jede Ortsfeuerwehr mit einem Set zur Türöffnung auszustatten.“ Denn momentan verfüge nach Aussagen von Tobias Kröner nur die Ottendorfer Wehr über das nötige Werkzeug und muss dementsprechend in alle Ortsteile ausrücken – trotz der Tatsache, dass sowohl Medingen als auch Hermsdorf und Grünberg eine eigene Feuerwehr haben.

Dennoch kann Tobias Kröner die hohe Zahl der Einsätze auch ein wenig relativieren. „Man muss dazu sagen, dass wir 2016 sehr wenig zu tun hatten.“ Lediglich 77 Einsätze mussten die freiwilligen Kameraden fahren. „Normalerweise wird allein die Ottendorfer Wehr zu 66 Einsätzen gerufen. 2016 waren es aber nur 39“, berichtet der Gemeindewehrleiter. Sprich: Es war ein sehr, sehr ruhiges Jahr. Und dementsprechend sind die Zahlen für 2017 eben sprunghaft angestiegen.

46 Mitglieder in der Jugendwehr

Und wie sieht die übrige Bilanz aus? Immerhin 121 aktive Mitglieder hat die Ottendorfer Gemeindefeuerwehr 2017 gezählt. 46 Mitglieder sind in der Jugendfeuerwehr. „Hier konnten wir in Ottendorf fünf neue Mitglieder begrüßen“, berichtet Tobias Kröner. Zudem haben die Kameraden 6 430 Stunden Ausbildung vor Ort sowie weitere 1 800 Fort- und Weiterbildungsstunden an externen Einrichtungen geleistet. Zudem hat die Gemeinde Ottendorf 231 500 Euro locker gemacht, mit denen neue Ausrüstung sowie Schutzbekleidung beschafft werden konnten. Unter anderem habe man den Atemschutz in allen Ortsfeuerwehren auf modernste Überdrucktechnik umgestellt. Zusätzlich konnte über den Landkreis Bautzen in der zweiten Jahreshälfte ein Gerätewagen für die Grünberger Kameraden angeschafft werden. Der soll in den kommenden Monaten für Hochwasser und Großschadenslagen weiter ausgestattet werden. Übrigens feiern die Grünberger in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum. Denn die dortige Feuerwehr hat sich vor mittlerweile 125 Jahren gegründet. Das soll am 15. Juni im Rahmen des Grünberger Vereinsfestes auch ordentlich gefeiert und begossen werden.

Weitere Informationen finden Sie auch im Internet unter www.ottendorf-okrilla.de/feuerwehr