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Großer Zulauf an den Musikschulen

Auch im Zeitalter von Youtube haben Jugendliche Interesse daran, in der Freizeit selbst zu musizieren. Doch die Schulen wollen mehr Geld - schon um ihre Lehrer besser bezahlen zu können.

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© dpa

Leipzig. Immer mehr Kinder und Jugendliche wollen in Sachsen vor allem Klavier, Violine, Gitarre oder Flöte spielen. Die Musikschulen, die sie unterrichten, wünschen sich jedoch mehr finanzielle Hilfe vom Land. „Die Schulen stehen mit dem Rücken zur Wand“, sagt der Geschäftsführer des Landesverbands der Musikschulen, Jörg Clemen, in Leipzig. Der Zuschuss von rund 5,1 Millionen Euro jährlich sei seit 2002 praktisch unverändert, die Kosten hingegen seien gestiegen. Dem Verband zufolge fehlen gemessen am damaligen Stand etwa 1,5 Millionen Euro.

Die Musikschulen versuchen laut Clemen vermehrt, sich wegen dieser Entwicklung mit Gruppenunterricht über Wasser zu halten. Viele Musiklehrer würden nach Haustarif entlohnt oder durch freie Mitarbeiter ersetzt. Steigende Kurs-Gebühren seien unvermeidlich. 45 Minuten Einzelunterricht pro Woche kosteten aktuell jährlich zwischen 600 und 800 Euro.

„Es wird so vor allem immer schwerer, Musiklehrer mit Hochschulabschluss zu finden“, sagt Clemen. „Wir haben akuten Fachkräftemangel.“ Vor allem auf dem Lande oder in kleineren Städten lasse sich das komplette Musikschulangebot nur noch schwer aufrechterhalten. Derzeit unterrichten seinen Angaben zufolge etwa 600 festangestellte und rund 1 000 freie Mitarbeiter an den Musikschulen. Die Zahl der Schüler in den 25 kommunalen Musikschulen des Verbandes sei allein im vergangenen Jahr von rund 65 000 auf mehr als 67 500 gestiegen.

„Bei uns gibt es Wartelisten für alle Instrumente“, berichtet der Leiter der Musikschule Leipzig „Johann Sebastian Bach“, Matthias Wiedemann. Die Schule hat mehr als 8 000 Schüler, Jugendsymphonieorchester, Blasorchester und Bigband. Klavier, Blockflöte und Violine sind auch hier die Favoriten. Die jüngsten Schüler sind die vier bis sechs Monate alten Babys in Eltern-Kinder-Kursen. „Diese sind gut gefragt“, sagt Wiedemann. Vielen Eltern sei es wichtig, dass ihre Kinder zeitig mit Melodie, Rhythmik und später auch mit Tanz in Berührung kämen.

Die Vorsitzende des Landesverbandes der Privatmusikschulen, Maria Gerloff, plädiert dafür, die Förderung mehr an sozialen Kriterien auszurichten. „Es gibt viele Eltern, die ohne Probleme höhere Gebühren bezahlen können“, sagt sie. Andere hingegen überlegten immer wieder, ob sie sich den Musikunterricht für ihr Kind noch leisten können. Im Verband sind zehn private Musikschulen zusammengeschlossen.

Mit etwas 1200 Mitgliedern und Schülern gehört der Freie Musikverein „Paukenschlag“ in Dresden zu den größeren privaten Musikschulen in Sachsen. Das Angebot umfasst Instrumental- und Gesangsfächer, Ensembles, Musikalische Früherziehung sowie Tanz. „Die Schülerzahl ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen“, sagt Bereichsleiter Alexander Karadschow. Stark nachgefragt seien Klavier, Keyboard und Gitarre - manchmal gebe es aber spezielle Trends wie etwa unlängst den zur Ukulele, einem gitarrenähnlichen Instrument.

Laut Karadschow kommen auch immer mehr Erwachsene und Senioren. Viele von ihnen hätten als Kind eine Instrument erlernt und fingen nach einer Pause etwa wegen des Berufs oder der Familie jetzt wieder an zu musizieren. Aktuell liege der Anteil an Erwachsenen im Einzelunterricht bei etwa 15 Prozent. Die Menschen seien hoch motiviert - vor allem die im Rentenalter. Diese Gruppe werde für die Musikschule wirtschaftlich immer wichtiger, sagt Karadschow. (dpa)