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Vom Büro in den Dschungel

Nach ihrem Praktikum bei der SZ reiste Jasmin Hänsel in eine Tierstation nach Ecuador. Von dort berichtet sie über harte Arbeit, feuchte Betten und Affen auf dem Dach.

© Mathias Janetzky

Von Jasmin Hänsel

Radebeul. Insgesamt sechs Wochen arbeiten mein Freund Mathias und ich bei AmaZOOnico im Dschungel von Ecuador. Auch wenn der Name anderes vermuten lässt, ist das kein Zoo, sondern eine Tierauffangstation. Das heißt, es werden keine Tiere ge- oder verkauft, sondern alle Tiere, die in die Station kommen, sollen wieder in den Regenwald entlassen werden. Bei manchen Tieren ist das leider nicht möglich, sodass sie den Rest ihres Lebens hier verbringen.

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Wir arbeiten fünf Tage die Woche, geöffnet ist AmaZOOnico jeden Tag, sodass wir an den Wochenenden eigentlich fast nie frei haben. Unser Tag beginnt um 7 Uhr mit dem Reinigen der Gehege, während zwei andere Volontäre das Futter für die Tiere vorbereiten. Das besteht bei den meisten Tieren aus vielen verschiedenen Früchten, die jeden Tag frisch geschnitten werden müssen, die Raubkatzen bekommen Fleisch. Erst wenn alle Gehege sauber und alle Tiere gefüttert sind, gibt es Frühstück.

Die ersten Tage bei AmaZOOnico waren für uns sehr hart. Wir mussten uns erst an das Klima und das Wetter gewöhnen, denn man fühlt sich anfangs wie im Gewächshaus. Manchmal schüttet es auch wie aus Kübeln, wenn wir arbeiten, aber die Aufgaben müssen natürlich trotzdem erledigt werden. An die lauten Geräusche des Dschungels, vor allem nachts, haben wir uns erstaunlich schnell gewöhnt.

Nur woher die seltsamen Geräusche vom Dach in der Nacht kommen, war uns am Anfang schleierhaft, bis uns wenige Tage später erklärt wurde, dass die Klammeraffen auf dem Dach schlafen und manchmal ihre Schlafposition ändern.

Wirklich gewöhnungsbedürftig ist die körperlich sehr anstrengende Arbeit. Die Futtereimer sind schwerer, als ich es mir vorgestellt hätte und man ist ständig auf Achse. Montags und donnerstags wird Futter für die Tiere mit dem Kanu geliefert, das wir dann in großen, unhandlichen Säcken auf den Schultern vom Fluss bis nach oben zur Station tragen müssen.

Für die Touristen geben wir Touren durch die Auffangstation. Wenn die Tiere ein zweites Mal am Nachmittag gefüttert sind und die Futterküche wieder aufgeräumt ist, geht es an die Extraaufgaben, wie Toiletten putzen oder den Arbeitsbereich des Tierarztes desinfizieren.

Auch der Lebensstandard ist ein ganz anderer als in Deutschland. Das Wasser aus dem Hahn muss immer abgekocht werden, bevor wir es trinken können. Duschen kann man prinzipiell nur kalt und Kleidung und Bettwäsche sind aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit immer ein bisschen nass. Manchmal schimmeln auch Kleidungsstücke, die man zum Trocknen aufgehängt hat. Die Mahlzeiten fallen hier eher einfach aus, denn es gibt nur Kartoffeln, Nudeln oder Reis mit Gemüse.

Allgemein ist hier in AmaZOOnico alles ein bisschen heruntergekommen und eben nicht so modern wie in Deutschland. Gerade in dem hölzernen Volontärhaus, wo wir alle gemeinsam wohnen, sind viele Türen undicht oder die Wände haben kleine Löcher. Durch diese Löcher kommen oft große Grashüpfer, Eidechsen oder auch Spinnen herein. In den Duschen haben wir Frösche und in der Küche gibt es Ratten. Richtige Fenster gibt es nicht, nur engmaschige Drahtnetze, damit nicht so viele Moskitos hereinkommen.

Inmitten des Regenwaldes lernt man schnell, worauf es wirklich ankommt und wie gut es uns in Deutschland eigentlich geht. Man hält so viele Dinge für selbstverständlich und lernt sie erst richtig zu schätzen, wenn sie dann auf einmal fehlen. Am meisten freuen wir uns beim Gedanken an Zuhause auf warme Duschen, trockene Betten und uneingeschränkten Trinkwasserzugang aus dem Wasserhahn.