merken

Vom Erzgebirge in die Heide

Für den Freiwilligendienst zieht ein Abiturient nicht nur aus den Bergen nach Riesa, sondern nimmt auch einen langen Weg mit dem Rad auf sich.

Von Antje Steglich

Anzeige
Neuste Fotografie-Technik zum Greifen nah

Sony, Nikon, Canon und Fujifilm: Was bieten die neue Kameramodelle? Bei Foto Wolf kann im Dezember fleißig getestet werden.

Zeithain. Völlig durchnässt erreicht Elias Hildebrandt an diesem Morgen die Gedenkstätte Ehrenhain in Zeithain. Es regnet in Strömen – und der 19-Jährige hat acht Kilometer auf dem Fahrrad in den Knochen. Das schlechte Wetter scheint dem jungen Mann allerdings nicht viel auszumachen. Gut gelaunt meldet er sich zum Dienst – wie jeden Morgen in den vergangenen Monaten.

Elias Hildebrandt ist ein sogenannter FSJler. Also einer von 30 Jugendlichen in Sachsen, die derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr im Bereich Politik absolvieren. Viele von ihnen wollen nach der Schule erst einmal praktische Erfahrungen sammeln und einen Plan entwickeln, welchen beruflichen Weg sie später überhaupt einschlagen wollen. „Ich wusste nicht so recht, was ich machen soll“, sagt auch Elias Hildebrandt über die Zeit nach seinem wirtschaftlichen Fachabitur. Weil zwei seiner drei Geschwister selbst FSJler waren und viel Positives davon erzählten, fing schließlich auch der kleine Bruder an, sich zu informieren. Die politische Arbeit interessierte ihn sowieso – und als ihm die Stelle in Zeithain angeboten wurde, nahm er an. Zog vom Kinderzimmer in Oelsnitz im Erzgebirge in eine WG nach Riesa und fährt nun jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit.

Zugegeben, die Gedenkstätte liegt etwas abseits und scheint als Einsatzort vor allem für Jugendliche aus den Großstädten zunächst nicht besonders interessant, sagt Ehrenhain-Mitarbeiterin Nora Manukjan, die auch Ansprechpartner für die Freiwlligen ist. Dafür habe man in Zeithain aber ganz andere Möglichkeiten. „Wir sind eine kleine Einrichtung, da ist Eigenverantwortlichkeit wichtig“, so Nora Manukjan, „bei uns kann sich der FSJler Themen auch selbst heraussuchen und bearbeiten.“ Und das wird von den Jugendlichen sehr geschätzt. „Ich bin hier sehr zufrieden. Es ist sehr abwechslungsreich, und ich habe einige Freiheiten“, erzählt Elias Hildebrandt von seinem Job. Mal müsse er die Datenbank aktualisieren, mal den Pressespiegel bearbeiten.

Zur Anne-Frank-Ausstellung im Riesaer Stadtmuseum, die in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte gezeigt wurde, führte der 19-Jährige Schülergruppen durch die Schau, in der Gedenkstätte begleitet er Angehörige von ehemaligen sowjetischen Soldaten, die während des Zweiten Weltkrieges im Kriegsgefangenenlager Zeithain starben. Manchmal taucht er auch tief in die Geschichte ein und recherchiert zu Gefangenen-Biografien, und in der aktuellen Sonderausstellung „Gefangenenporträts. Lebenswege polnischer Kriegsgefangener“ trägt eine Vitrine seine Handschrift. „Was ich bisher gelernt habe, ist enorm“, so Elias Hildebrandt auch mit Blick auf die Seminarfahrten mit anderen FSJlern, die ihn zuletzt nach Brüssel führte. Die Erfahrungen wiegen das schmale Taschengeld für das Ehrenamt von rund 300 Euro im Monat allemal auf.

Trotzdem will er im Herbst einen anderen Weg einschlagen und Wirtschafts-Informatik in Dresden studieren. Ob er der Politik damit gänzlich den Rücken kehrt?. „Dafür ist es nie zu spät“, so der 19-Jährige. Das habe ihm beim Besuch im Europa-Parlament die SPD-Abgeordnete Constanze Krehl bestätigt. Sie arbeitet vor ihrer Karriere in der Politik nämlich auch als Informatikerin.

Interessierte zwischen 16 und 26 Jahren können sich für ein FSJ Politik bei der Sächsischen Jugendstiftung bewerben. Für 2018/2019 sind noch einige Restplätze unter anderem in der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain frei.

www.saechsische-jugendstiftung.de